"Das ist ein Megaskandal": Elsners Schluss-plädoyer wurde zu 2-Stunden-Rundumschlag

Ex-BAWAG-Boss verschonte dabei niemanden

Das Rechtsmittelverfahren im BAWAG-Prozess vor dem Obersten Gerichtshof (OGH) wurde von einem Schlussplädoyer des Hauptangeklagten Helmut Elsners geprägt. Der frühere BAWAG-Chef zeigte sich auch nach fast vier Jahren in Untersuchungshaft kämpferisch und verschonte in seinem Rundumschlag weder die frühere BAWAG-Richterin und nunmehrige Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, ihren jetzigen Kabinettschef und früheren BAWAG-Staatsanwalt Georg Krakow noch den Spekulanten Wolfgang Flöttl.

Elsners Schlusswort dauerte fast eineinhalb Stunden. Zunächst sprach der seit fast vier Jahren hinter Gittern sitzende noch mit brüchiger Stimme, kam aber zunehmend in Fahrt. "Das ist ein Megaskandal, ein Kriminalfall Flöttl, Krakow, Bandion-Ortner", rief er. "Flöttl hat uns bestohlen", aber weder Richterin noch Staatsanwalt hätten sich dafür interessiert. Bandion-Ortner und Krakow warf Elsner "Vertuschung" vor, deswegen habe er sie auch wegen Amtsmissbrauch angezeigt. "Ich wusste vom ersten Tag an, sie will mich verurteilen", sagte er. Dies habe er aus ihrer Fragestellung und ihrer Körpersprache gesehen. Für Flöttls Taten habe sich die Richterin gar nicht interessiert. "Flöttl ist ein Verbrecher und Amtsmissbrauch ist auch ein Verbrechen", sagte Elsner.

Elsner sieht sich als Opfer
In der Sache selber sieht sich Elsner weiter als Opfer. Er sei von Wolfgang Flöttl hineingelegt worden. Zunächst habe er dem Sohn seines Vorgängers Walter Flöttl vertraut, weil er der BAWAG durch seine Geschäfte in den Jahren von 1989 bis 1994 mehr als 4 Milliarden Schilling zum Gewinn zugeführt hatte. Daher habe er auch als Generaldirektor die Geschäfte mit Wolfgang Flöttl wieder aufgenommen und vom Aufsichtsrat die Zustimmung erhalten. Flöttl habe aber die Verträge mit der BAWAG verletzt, nur so habe es zum Totalverlust der Gelder kommen können. Die Schuld an seinem Schicksal sieht Elsner auch bei den Medien, die ihn in einer "unglaublichen Vorverurteilung" zum Sündenbock gemacht hätten, und in der Politik. Die SPÖ habe einen Schuldigen gebraucht, obwohl die BAWAG gar keine "rote Angelegenheit" gewesen sei, weil sie dem ÖGB und der CSU-nahen Bayerischen Landesbank gehört habe. Auch der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser sei gegen ihn aggressiv gewesen.

Kürzere Worte von Zwettler und Nakowitz
Wesentlich kürzer als die Schlussworte von Elsner fielen die abschließenden Bemerkungen von Johann Zwettler und Peter Nakowitz aus. Zwettler verwies darauf, immer das Wohl der BAWAG im Auge gehabt und 40 Jahre lang "kollegialer Begleiter der Bank" gewesen zu sein. Als die von Flöttl verursachten Verluste bekanntwurden, "war ich zu schwach, um rechtzeitig die Stopptaste zu drücken". Er sei allerdings der einzige ehemalige BAWAG-Entscheidungsträger, der von sich aus zu einer finanziellen Wiedergutmachung bereit gewesen sei. 250.000 Euro habe die BAWAG von ihm erhalten, sagte Zwettler. Flöttl zu Veranlagungszwecken BAWAG-Vermögen zu überlassen, war laut Zwettler "kein Gang ins Kasino", speziell die Uni-Bonds-Geschäfte wären "abgesichert" gewesen.

"Verluste tun mir persönlich leid"
"Die Verluste tun mir persönlich leid", sagte im Anschluss Peter Nakowitz, Elsners ehemalige "rechte Hand", der allerdings erst 2003 in den BAWAG-Vorstand berufen wurde und damit "kein Entscheidungsträger im für das Verfahren maßgeblichen Zeitraum" war, wie er betonte. Während Elsners Zeit als Generaldirektor sei "nie jemand auf die Idee gekommen, mich um meine Meinung zu fragen". Da er sich dessen ungeachtet "moralisch" für die Malaise mitverantwortlich fühle, habe er mit der BAWAG einen Vergleich geschlossen und damit allfällige finanzielle Anspruchsbegehren der Bank bereinigt.

Zuvor hatte Generalanwalt Alexander Bauer, einer der Referenten bei der Generalprokuratur, einige Punkte des Croquis, der Stellungnahme der Generalprokuratur zum Ersturteil im BAWAG-Prozess, ausgeführt. Die Generalprokuratur hatte empfohlen, Teile der Urteile gegen die früheren BAWAG-Manager Elsner, Zwettler und Nakowitz wegen Nichtigkeit aufzuheben. "Ein Teil der Aufhebungen müsste von Amts wegen erfolgen", sagte Bauer.

Elsner zu neuneinhalb Jahren in 1. Instanz
Elsner ist in erster Instanz zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Davon sind zweieinhalb Jahre Haft bereits rechtskräftig, weil Elsner für ein Geldgeschenk an Ex-Konsum-Chef Gerharter wegen Untreue verurteilt worden war. Insgesamt können aber für Untreue nur maximal zehn Jahre verhängt werden. Zwettler ist in erster Instanz zu fünf Jahren, Nakowitz zu vier Jahren verurteilt worden.

(apa/red)

Kommentare

strizzi49 melden

Megaskandal Der Skandal ist meiner Meinung nach, dass der Elsner immer noch in U-Haft sitzt (obwohl er\'s verdient - siehe Atomic)! Mein Glaube an "Vor dem Gesetz sind alle gleich" bekommt hier arge Sprünge - weil - es ist meines Wissens nach kein Anleger geschädigt worden! Wenn man nun den 2-ten Bankenskandal (HypoAlpenAdria) anschaut, dort sind Anleger massiv geschädigt worden! Aber die Manager laufen alle noch frei herum und kassieren immer noch z.T. fette Provisionen! Wo ist da die Gleichheit vor dem Gesetz, wenn der Eine zwar ungesetzlich handelt, dabei jedoch unsereinen nicht schädigt (die Gewerkschaft zählt hier nicht), die Anderen massive Anlegerverluste eingefahren haben, jedoch immernoch frei herumlaufen?

keinbrauner melden

Re: Megaskandal Auch bei der Hypo ist kein Anleger geschädigt worden, sondern alle österreichischen und bayrischen Steuerzahler. Warum die Schädigung des ÖGB nicht zählen soll, verstehe ich nicht.
Bei der Hypo haben sich Superreiche Anleger statt dass sie geschädigt wurden super berreichert.

Es ist aber wirlich eine Ungerechtigkeit, dass ausser dem Elsner keiner der vielen Österreichischen Verbrecher-Promis sitzt.
Danke Frau Bandion-Ortner.

Berndorferbaer melden

Re: Megaskandal hallo strizzi!
der elsner hat als chef der bawag "versagt". aber auch der ganze aufsichtsrat, der fürstlich für seine "tätigeit entlohnt" wurde, gehört zur haftung herangezogen. der aufsichtsrat müßte von solchen riesengeschäften doch wissen. beim atomic-konkurs haben noch andere ehrenwerte ölige salzburger mitgespielt. leider kann der rohrmoser nichts mehr sagen, dem hat man alles genommen, aber auch schon alles. aber da haben sie recht, in der alpenrepublik wird mit zweierlei maß gemessen. mit guten anwälten, die sich unsereiner nicht leisten kann, ist vieles möglich.

PAstorPeitl melden

Wahrheit Wie kann man es eigentlich einen Skandal nennen, wenn ein Angeklagter versucht die Wahrheit an den Tag zu bringen.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
http://jachwe.wordpress.com

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Re: Wahrheit wahrheit ist das elsner der oberste chef war von der bawag , wahrheit ist das er elsner dem selbstständigen spekulant flöttl eine riesen summe geld zum spekulieren gegeben hat , das auch flöttls arbeit ist, spekulieren , also bitte was für schuld trifft in flöttl, das was schief gehen kann beim spekulieren das weis sogar meine enkerl schon und die geht in kindergarten,

Berndorferbaer melden

Re: Wahrheit servus pastor! der versucht nicht die wahrheit an den tag zu bringen, sondern nur abzuschwächen. an der pleite von atomic ist er auch nicht ganz unschuldig, da hat er den geldhahn zugedreht ohne daß es notwendig war. hat damit ein lebenswerk eines rechtschaffenen unternehmers zerstört. hats ihn damals gekümmert? nein, dafür hat das flöttelchen eine wunderbare villa in spanien "erstanden". von welchem geld denn? der gehört genauso in die mühle wie elsner. aber ein altes sprichwort sagt: gottes mühlen mahlen langsam aber sicher.

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Re: Wahrheit Die wahrheit gibt es nicht. Und bei geldsachen schon gar nicht - lieber pfaffe!

PAstorPeitl melden

Re: Wahrheit Lieber sekolion,

Habe verstanden. Du lügst. (Logische Schlussfolgerung daraus, dass es Deiner Meinung nach keine Wahrheit gibt)

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
http://jachwe.wordpress.com

christian95 melden

Elsner hat halt die falsche Partei Grasser und sein Freund Maischberger sind da viel besser dran.

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Re: Elsner hat halt die falsche Partei man mag von Elsner halten was man will, aber das alle anderen Beteiligten frei rumlaufen und keine U-Haft haben ist der grösste Skandal!

strizzi49 melden

@technik01:Re: Elsner hat halt die falsche Partei Bingo! Denn selbst ein Generaldirektor wie Elsner kann nicht machen was er will! Auch der braucht Erfüllungsgehilfen! Aber die rennen alle noch frei herum (z.B. der Flötl)!.Es müssen mehr als der Zwettler und der Nakowitz gewesen sein! Warum sitzen die nicht alle?

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