Das Letzigrund-Stadion wird eingeweiht:
"Perle von Zürich" kostete 75 Millionen Euro

Ersatz für ursprünglich geplantes Hardturm-Stadion In drei EM-Gruppenspielen finden je 30.000 Platz

Das Letzigrund-Stadion wird eingeweiht:
"Perle von Zürich" kostete 75 Millionen Euro

Am Samstag steigt die EURO-Feuertaufe für jene Arena, die eigentlich gar nicht als Austragungsort der Europameisterschaft 2008 vorgesehen war. Das Testspiel zwischen der Schweiz und Österreich bedeutet so etwas wie die internationale Fußball-Generalprobe für das neue Letzigrund-Stadion von Zürich, wo in drei EM-Gruppenspielen jeweils 30.000 Zuschauer Platz finden werden.

Bei der offiziellen Einweihung am 30. August dieses Jahres bezeichnete Stadträtin Kathrin Martelli den für 125 Millionen Franken (75 Mio. Euro) erbauten Letzigrund als "Perle für Zürich", dabei war ursprünglich das neue Hardturm-Stadion als EURO-Schauplatz geplant. Zahlreiche Einsprüche verzögerten den Bau aber dermaßen lange, dass sich die Zürcher für eine Ersatzvariante entschieden. Im Juni 2005 stimmten die Bürger der Stadt mit über 73 Prozent für eine Neuerrichtung des von den Schweizern "Letzi" genannten Stadions.

Im November 2005 erfolgte der Spatenstich, und die Planung war derart ausgeklügelt, dass sowohl 2006 (mit Einschränkungen außerhalb des Stadions) als auch zuletzt am 7. September des Jahres das traditionelle Golden-League-Meeting der Leichtathleten stattfinden konnte. Am 23. September nahmen dann die Fußballer die Anlage mit dem Derby FC Zürich - Grasshoppers in Betrieb.

Stadion öffnet sich seiner Umgebung
Allerdings gab es vor dem Neubau einige Turbulenzen. Dass einmal sowohl "FCZ" als auch "GC" hier ihre Heimstätte finden würden, war bei Planungsbeginn nicht klar. Daher wurde der Letzigrund keine klassische Fußball-Arena modernen Stils, sondern eine Art Antithese eines "introvertierten und nach außen geschlossenen Hexenkessels".

Das Stadion öffnet sich sogar seiner Umgebung, selbst wenn gerade keine Veranstaltungen stattfinden. Dann soll der Letzigrund tagsüber bis zu den untersten Sitzreihen frei zugänglich sein. Über eine umlaufende Rampe gelangt man in den Innenraum oder in ein Restaurant mit Aussicht aufs Spielfeld. Dies verlangt freilich einen Mehraufwand in Sachen Sicherheit und Sauberkeit.

Zwar gibt es kritische Stimmen, wonach die luftige Bauweise mit der Durchlässigkeit nach außen die Stimmung auf den Zuschauerrängen dämpfen könnte. Laut Architekt Eraldo Consolascio, einem früheren Hürdensprinter, besteht diesbezüglich aber nur die Gefahr, dass das Umfeld des Letzigrund-Stadions in Zukunft jedes Tor genau registrieren wird.

Die Arena liegt acht Meter tiefer als das frühere Stadion und kommt bis auf 1,5 m an den Grundwasserspiegel heran. Beim Ausheben von 240.000 Kubikmetern Erde und Kies wurde rund ein Sechstel des Schotters und des Abbruchmaterials vor Ort wieder zu Beton verarbeitet. Dadurch wurden 6.000 Lastwagenfahrten eingespart.

Architekturpreis für das Stadion
Bemerkenswert sind unter anderem die "tanzenden Stützen" des Stadiondachs, die laut "Tagesanzeiger" "seltsam verdreht und verwinkelt in die Höhe steigen, keine gleich wie die andere". Consolascio hatte von Ingenieur Carlo Galmarini Stützen verlangt, die wirken, als würden sie sich bewegen. Eineinhalb Jahre lang wurde an der Berechnung gearbeitet. Im Juli gab es schließlich den "Prix Acier" für den besten Stahlbau 2007 für die Konstruktion des Stadions, dessen Dach-Unterseite mit Akazienholz aus Ungarn belegt ist.

Auch die Leichtathleten profitieren von der Baukunst. Die Kunststoffbahn verfügt über das gleiche System wie die "piste magique" in Lausanne mit eingeflochtenem Gewebenetz auf der gesamten Zielgeraden und auch bei den technischen Disziplinen. Bei den Sprüngen und Würfen soll das Gewebenetz im Kunststoff horizontale Verschiebungen verhindern und den Fuß stabil halten. Außerdem wurde der Kurvenradius der 400-m-Bahn leicht erweitert, das heißt "schneller gemacht".

(apa/red)