Das neue Letzigrund: Grashüpfer-Paradies:
Das Stadiondach wird Biotop für Insekten

Obwohl es auf dem Stammplatz des FC Zürich steht Auch die Grasshoppers ziehen im neuen Stadion ein

An sich war der Zürcher Letzigrund ja traditionsgemäß das Heimstadion des FC Zürich. Der Lokalrivale Grasshoppers hatte sich über Jahrzehnte im Hardturm-Stadion eingenistet. Im neuen Letzigrund, wo das ÖFB-Nationalteam in einem Vorbereitungsspiel auf den EURO-2008-Partner Schweiz trifft, sollen nun beide Mannschaften heimisch werden. Vielleicht war es ja eine Konzession an die Grashüpfer, dass es dort nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch auf dem Dach kräftig grünen soll.

ußball: Der Zürcher Letzigrund ist auch für Grashüpfer ein Paradies

Utl.: Obwohl es auf dem Stammplatz des FC Zürich steht - Stadion-Dach
als Biotop =

Der neue Letzigrund - der auch als Leichtathletik-Arena fungieren wird - hat nämlich ein "Ruderal-Biotop" verpasst bekommen, das die urbane Artenvielfalt sichert, freute sich unlängst die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ). Künftig wird in luftiger Höhe also kräftig gesummt, gebrummt und vielleicht auch gehüpft werden.

Stadion-Architektin Marie-Claude Betrix hat genau nachgerechnet. Daher weiß sie, dass das flächengrößte Dach der Stadt Zürich (22.000 m2) nicht nur über die größte Solarstromanlage Zürichs (2.500 m2) verfügt und damit Strom für 80 Haushalte produziert, sondern auch auf "idealer Bienenflug-Höhe" liegt. Rosenzüchter und Tulpenfreunde kommen aber nicht auf ihre Rechnung. Das Biotop liefert nämlich in erster Linie heimischen Pflanzen und Tierarten, die auf nährstoffarmen Böden und auch bei großer Trockenheit gedeihen, eine optimale Lebensgrundlage.

Bis in zwei Jahren sollen 60 Prozent der Fläche bewachsen sein. Dank des Vegetations-Konzepts wird die Kanalisation reguliert sowie das Raumklima im Stadion verbessert, die Statik gestützt und das lokale Ökosystem optimiert. Auch drogenpolitisch sind keine Bedenken angesagt, gab die "NZZ" Entwarnung. Zur Cannabis-Anpflanzung ist das Substrat nämlich zu dünn.

Allein das Saatgut enthält rund 30 (einheimische) Kräuter, um die helvetische Insektenpopulation glücklich zu machen. Auf begrünten Dächern können in der Schweiz - so meinen Biologen - 170 Käfer- und 60 Spinnenarten gezählt werden. Rundum darf also so ziemlich alles, was so kreucht und fleucht, zufrieden sein.

Aus der Warte des FC Zürich gibt es denn auch nur einen Pferdefuß. Rein biologisch ist das Gleichgewicht in der städtischen Fußballszene nicht mehr gegeben. Bei den Derbys FCZ - Grasshoppers werden im Letzigrund wohl unweigerlich die Grasshoppers in der Überzahl sein - sofern man ihr neues Paradies, das Dach, einrechnet.