Das Leben der Bergleute danach: Was seit dem Grubenunglück in Chile passierte

Kumpel schlossen in der Tiefe einen Schweigepakt Alle Bergleute sind wieder bei ihren Familien zu Hause

Das Leben der Bergleute danach: Was seit dem Grubenunglück in Chile passierte © Bild: APA/EPA/Alipaz

Sieben der 33 in Chile geretteten Bergleute haben die Medien zu Zurückhaltung und Respekt für ihre Privatsphäre aufgerufen. Sie alle seien überrascht vom riesigen Interesse an ihnen und ihren Geschichten, sagte der Bergmann Juan Illanes vor Journalisten. Zugleich forderte er die Presse auf, vor allem mehr Rücksicht auf den Geretteten Johnny Barrios zu nehmen. Er hatte das Medieninteresse in besonders starkem Maße auf sich gezogen, nachdem sich seine Frau und seine Geliebte öffentlich gestritten hatten. An die Adresse der Journalisten sagte Illanes: "Es wäre sehr gut von ihnen, wenn sie nicht so ein Spektakel um ihn machen würden."

Zugleich bestätigte er Gerüchte, dass die Kumpel in der Tiefe einen Schweigepakt geschlossen haben und sie ein Buch über die Erfahrungen und Ereignisse während der 70 Tage in der Kohle- und Goldgrube schreiben wollten. Schon ihr Psychologe Alberto Iturra hatte von einem Schweigepakt berichtet. "Es gibt die Vereinbarung, nichts über andere zu erzählen. Ich finde es bewundernswert, wie sich die Kumpel bisher geäußert haben. Sie haben genau das gesagt, was sie wollten und nicht mehr", sagte Iturra.

Dankgottesdienst
13 der geretteten Kumpel hatten die Mine San Jose besucht, um an einem Dankgottesdienst teilzunehmen. Sie wurden so sehr von der Presse bedrängt, dass die Polizei einschreiten musste. Dennoch äußerten sich einige der Kumpel zufrieden: "Einmal in der Tiefe dachten wir, die Rettungsbohrung sei fehl geschlagen. Deshalb sind wir jetzt noch glücklicher, am Leben zu sein", sagte Bergmann Claudio Yanez.

Kumpel Daniel Herrera fügte hinzu: "Es ist sehr schmerzhaft, an die Zeit in der Tiefe zu denken. Es ist aber auch sehr bewegend zu sehen, was unsere Angehörigen hier oben aushalten mussten." Alle Bergleute sind mittlerweile wieder bei ihren Familien zu Hause.

Entschädigungen für Kollegen
Einige der geretteten Bergarbeiter in Chile haben Entschädigungen für ihre Kollegen gefordert, die nicht in der Unglücksmine verschüttet worden waren. "Bitte unterstützt unsere Kollegen, denn auch sie haben Rechte. Ich rufe die Unternehmer auf, Entschädigungen zu zahlen, denn auch die Kollegen haben Familien, die sie ernähren müssen", sagte Omar Reygadas. Er war nach mehr als zwei Monaten unter Tage zusammen mit 32 weiteren Kumpeln gerettet worden. Die meisten Arbeiter der Mine, die nicht eingeschlossen worden waren, sind noch immer arbeitslos.

Die spektakuläre Rettungsaktion hatte fast 2.000 Medienmitarbeiter aus aller Welt zum Bergwerk in der Atacama-Wüste gelockt. Einige versuchten anschließend, Interviews mit den Geretteten sowie Mitgliedern der teilweise sehr großen Familien zu vereinbaren. Dabei forderten einige der Angehörigen Geld, während auch Medien größere Beträge angeboten haben sollen.

(apa/red)