Das nächste Kapitel in der Piraten-Saga:
Somalias Freibeuter kapern weiteres Schiff

Jemenitischer Frachter "Amani" in ihrer Gewalt Deutsche Fregatte konnte anderen Angriff vereiteln

Das nächste Kapitel in der Piraten-Saga:
Somalias Freibeuter kapern weiteres Schiff © Bild: Reuters/Jason R. Zalasky

Somalische Piraten haben nach Angaben einer regionalen Organisation im Golf von Aden ein weiteres Schiff gekapert. Die Seeräuber sollen den jemenitischen Frachter "Amani" in ihre Gewalt gebracht haben. Was das Schiff geladen hat, war zunächst unklar.

Kriegsschiffe mehrerer Länder kreuzen in der Region, um Piraten von Angriffen abzuhalten. Nach Angaben der deutschen Bundeswehr vereitelte die Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" Angriffe auf zwei Schiffe im Golf von Aden. Piraten hätten mit Speedbooten die Handelsschiffe "Humbodt Current" und "Lang Sing" angegriffen. Die Fregatte habe in einer Nothilfeaktion ihren Bordhubschrauber in das betreffende Seegebiet geschickt. Daraufhin hätten die Piraten die Angriffe aufgegeben und das Seegebiet verlassen.

Kein Kontakt nach Saudi-Arabien
Die Piraten haben nach eigenen Worten noch keinen Kontakt zu den Eigentümern des Schiffes. Bisher seien nur Mittelsmänner an sie herangetreten, die aber allesamt nicht verlässlich seien, sagte ein Sprecher der Seeräuber, der seinen Namen mit Daybad angab, dem britischen Rundfunksender BBC.

Die saudi-arabische Zeitung "Okaz" berichtete unter Berufung auf gut informierte Kreise der saudischen Öl-Industrie, die Reederei Vela in Dubai, der das Schiff gehört, werde voraussichtlich ein Lösegeld von zwei bis drei Millionen US-Dollar (1,57 bis 2,35 Mio. Euro) bezahlen müssen, um den Tanker noch diese Woche zurückzuerhalten. Ein US-Unternehmen werde die Übergabe des Geldes organisieren. Anfanga hatten die Piraten 25 Millionen US-Dollar gefordert.

Gute behandlung
Der Kapitän des Tankers "Sirius Star", Marek Hishky, sagte der BBC, er und seine Besatzung hätten keinen Grund, sich über die Behandlung durch die Piraten zu beklagen. Es sei ihnen erlaubt worden, mit ihren Familien zu sprechen. Die "Sirius Star" war am 15. November gekapert worden. Die Ladung des Tankers umfasst zwei Millionen Barrel Öl im Wert von rund 100 Millionen Dollar.

Der somalische Klanführer Abdisalan Khalif Ahmed sagte der Nachrichtenagentur AP, der Supertanker sei bereits am Sonntag rund 45 Kilometer von der Stadt Harardhere weggesteuert worden. Hintergrund könnten Drohungen islamischer Extremisten gegen die Seeräuber sein, da das Schiff Muslimen gehöre.

Unterdessen haben die Piraten nach Angaben der Regierung im Jemen einen weiteren Frachter gekapert. Der Kontakt zu dem jemenitischen Schiff sei am Dienstag vergangener Woche abgerissen, teilte das Innenministerium am Montag mit. Die "Adina" befand sich demnach seit einer Woche im Arabischen Meer. Angaben zur Fracht machte das Ministerium nicht.

In somalischen Gewässern wurden seit Jahresbeginn 95 Schiffe überfallen. Nach dem Willen von Schiffseignern sollen den Piraten im Golf von Aden mit einer internationalen Seeblockade das Handwerk gelegt werden. Die NATO, die zurzeit vier Schiffe vor der somalischen Küste im Einsatz hat, wies diesen Vorschlag am Montag jedoch zurück.
(apa/red)