Das Jahr der Erdäpfel. Christoph Wagner über eine Herausforderung

Es ist schon eine Weile her, dass der viel zu früh verstorbene österreichische Meisterkoch Rudolf Kellner seine Erdäpfel aus Bayern importierte. Damals gab’s noch keine EU, und als er wieder einmal mit einem Kofferraum voll bayerischer Erdäpfel an der Grenze hopsgenommen wurde, fragte ihn der Zöllner: „Warum, um Gottes Willen, schmuggeln Sie Erdäpfel?“ Rudolf Kellner darauf in seiner klaren Sprache: „Weil wir so etwas in Österreich nicht haben!“ Der Zöllner darauf achselzuckend zu seinen Kollegen: „Lassts den Deppen durch, der spinnt!“

Doch im Gegenteil: Rudi Kellner hatte damals schon Recht, und in vieler Hinsicht hat er es bis heute. Wenn wir, unter dem Posaunenschall der AMA-Agrarmarketing nunmehr das 2008 ausgerufene „Jahr der Erdäpfel“ feiern, so müssen wir zugeben, dass es in Österreich längst nicht mehr nur speckige und mehlige, sondern laut AMA-Homepage immerhin 26 Sorten Erdäpfel gibt. Das ist viel, viel besser als zu Rudi Kellners Zeiten. Es stellt allerdings angesichts von rund 1.000 bekannten Erdäpfelsorten weltweit auch noch eine ganz gewaltige Herausforderung dar …