Das reale Geschäft mit virtuellen Gütern: Digitale Gegenstände um echtes Geld kaufen

Österreicher planen neue Versteigerungsplattform Service soll im Sommer in mehreren Ländern starten

Das reale Geschäft mit virtuellen Gütern: Digitale Gegenstände um echtes Geld kaufen © Bild: E-MEDIA

Nach dem erfolgreichen Verkauf der früheren sms.at-Mutter ucp wollen zwei frühere Manager des Unternehmens jetzt in den Internet-Handel einsteigen. Ihre neue Internet-Seite mit dem klingenden Namen FatFoogoo (frei übersetzt: cooler Kugelfisch) soll im Sommer in Österreich, Deutschland und Großbritannien starten und quasi eine Art eBay für "virtuelle Güter" werden. Noch vor Jahresende wollen die Erfinder damit in die USA gehen.

Bekannt geworden ist die Geschäftsnische zuletzt vor allem durch die Internetplattform Second Life, wo man von anderen Mitspielern in der digitalen Welt Grundstücke, Gebäude, Gewand und andere Gegenstände für den virtuellen Spielgenuss um echtes Geld erwerben kann. Noch viel größer ist der Markt jedoch in der Online-Spielewelt wie EVE Online, Herr der Ringe Online oder World of Warcraft, erklärte Unternehmenschef Martin Herdina in einem Hintergrundgespräch. In drei Jahren will das Unternehmen mit ein paar Millionen Benutzern die kritische Masse erreicht haben und Gewinne schreiben.

World of Warcraft
World of Warcraft hat laut Herdina mittlerweile 8,5 Millionen Mitspieler, von denen jeder im Monat durchschnittlich 17 Dollar ausgebe. Kaufen kann man in der virtuellen Spielewelt von Raumschiffen, Schwertern, Gold, Rüstungen bis zu kompletten Spielfiguren. Außerdem bieten mittlerweile Kids und Spielefreaks anderen Mitspielern die Hilfe beim Erlegen von Monstern an oder spielen den Charakter gegen Bares vom siebenten bis in das zwanzigste Level. Die Preise für eine entwickelte Spielfigur reichen bis zu 7.000 Dollar (5.179 Euro). In den USA leben nach Schätzungen bereits rund 50.000 Leute von solchen Deals. Der klassische Käufer ist mittlerweile schon um die 30 Jahre alt.

Keine derartiger Handel bei eBay
In Summe werde der weltweite Markt für virtuelle Güter und Dienstleistungen derzeit von PricewaterhouseCoopers (PwC) auf etwa eine Mrd. Dollar (740 Mio. Euro) geschätzt. Bis 2009 soll der Markt demnach auf 7 Mrd. Dollar anwachsen, sagte Herdina. Die weltweit größte Internet-Auktionsplattform eBay hat den Handel mit solchen Gütern verboten, erklärte der Sicherheitsverantwortliche von eBay Österreich, Jörg Bartussek. Abgesehen von der hohen Betrugsanfälligkeit würden sich auch Probleme mit den Lizenzbedingungen ergeben. Nur noch bei eBay-Deutschland seien virtuelle Waren zum Handel zugelassen, alle anderen Länderorganisation hätten sich dem Verbot angeschlossen, so Bartussek.

Lösung mit den Spieleherstellern
FatFoogoo will durch die Entwicklung technischer Lösungen gemeinsam mit den Spieleherstellern die ordentliche Zustellung des virtuellen Guts sicherstellen und mit Kooperationspartnern wie dem Bezahldienst Paypal auch ein Treuhand-Service anbieten. Dafür kassiert die Plattform bei jedem Deal zehn bis 15 Prozent Provision. Selbst will FatFoogoo keine virtuellen Güter anbieten. Außerdem wird es kostenlose Community-Tools geben, wo man sich selbst und seine Spiele-Charaktere darstellen und mit anderen Spielern in den virtuellen Welten verabreden kann, erklärte Co-Gründer Daniel Petri.

Aufbauen und verscherbeln
Als Finanziers haben die beiden neben ucp-Gründer Christian Lutz und dem damaligen ucp-Finanzier Toto Wolff (march.sixteen) auch den früheren tele.ring-Chef Michael Krammer gewonnen, der zu Jahresbeginn im Unfrieden von der Spitze des deutschen Mobilfunkkonzerns ePlus geschieden ist. Bisher haben sie etwas weniger als eine Mio. Euro in das Unternehmen gesteckt. In der nächsten Finanzierungsrunde will das Unternehmen weitere 10 Mio. Euro aufstellen. Dabei sollen auch US-Investoren mit an Bord kommen, die vor allem Kontakte zu großen amerikanischen Internet-Playern herstellen sollen. Deklariertes Ziel aller Beteiligter ist es, die Firma irgendwann wie ucp um großes Geld zu verkaufen. "FatFoogoo ist sicher keine Firma, die ich irgendwann meinem Sohn verkaufen werde", so Petri. (APA/red)