Das Ende der Welt kommt via Mobiltelefon: Handyklingeln verwandelt User in Verrückte

In Stephen Kings neuestem Zombie-Roman "Puls" Autor & Handyhasser besitzt selbst kein Mobiltelefon

Das Ende der Welt kommt via Mobiltelefon: Handyklingeln verwandelt User in Verrückte © Bild: Reuters/Lethikuva

Die Grundidee ist bestechend einfach: Stellen Sie sich vor, in Ihrer Nähe klingelt ein Handy. Der Besitzer hebt es ans Ohr, meldet sich - und verwandelt sich in einen rasenden Verrückten, der alles zu töten versucht, was er sieht. Was täten Sie in einer solchen Situation? Die Antwort lautet vermutlich: Sie zücken Ihr Handy und rufen die Polizei. Aber dazu kommt es nicht, da Sie sich leider ebenfalls in einen rasenden Verrückten verwandeln. Binnen Minuten stürzt so die westliche Zivilisation in sich zusammen.

Eigentlich hatte Stephen King angekündigt, er wolle keine Romane mehr schreiben. Doch die Katze lässt das Mausen bekanntlich nicht, und nun ist mit "Puls" (Originaltitel "Cell") doch wieder ein neues Buch des US-Bestsellerautors bei Heyne erschienen, das binnen kurzer Zeit auf die vorderen Plätze der Bestsellerlisten von "Spiegel" und "Focus" gesprungen ist.

Alle Handy-User werden zu Bestien
"Puls" ist eindeutig ein Genre-Buch. Wer keine Zombiefilme mag, sollte die Finger davon lassen. Wer sich aber dafür interessiert oder gar begeistert, der dürfte auf seine Kosten kommen. Rasant legt die Handlung los, die Welt um den Helden Clayton Riddell fährt gleich auf den ersten Seiten in atemberaubendem Tempo zur Hölle. Der junge Comiczeichner erlebt in Boston, wie der mysteriöse "Puls" alle Handybesitzer befällt und in kannibalische Bestien verwandelt.

King übt Kritik an Gesellschaft
Der Rest folgt dem Zombiefilm-Schema: Erklärungen für das Geschehene gibt es praktisch nicht, eine Gruppe von Überlebenden schlägt sich durch. Das erste Ziel heißt (ein Mal mehr bei Stephen King) Maine, wo Riddells Sohn lebt. Die bange Sorge des Vaters: Hat der Sohn sein Handy benutzt? Wie Romero liefert King quasi nebenbei Gesellschaftskritisches. Er seziert genüsslich die Abhängigkeit der modernen Welt von der Mobilfunktechnologie - die wenigen Überlebenden sind meist alte Leute, die kein Handy besitzen. Ziel ist das gelobte Land: Ein Indianerreservat, in dem es keinen Handy-Empfang gibt.

Autor besitzt selbst kein Mobiltelefon
"Puls" ist ein hartes, schnelles Buch, ein Roman ohne großen Tiefgang. Sicher hat King Besseres geschrieben - an Werke wie "The Shining" oder "Misery" reicht "Puls" bei weitem nicht heran. Aber ein schneller Spaß für Freunde des Genres ist ja auch nicht zu verachten. Übrigens: Stephen King besitzt nach eigenen Angaben kein Mobiltelefon. (APA/red)