Darwins Theorien provozieren Kirche: Erzbischof an vorderster Front der Kritiker

Schönborn gegen Grenzüberschreitungen

Auch wenn sich der Wiener Erzbischof stets dagegen wehrt, mit den Kreationisten in eine Ecke gestellt zu werden, hat sich Christoph Kardinal Schönborn spätestens mit einem Artikel in der "New York Times" im Jahr 2005 an die vorderste Front der Darwin-Kritiker gestellt. In seinem neuen Buch "Ziel oder Zufall - Schöpfung und Evolution aus der Sicht eines vernünftigen Glaubens" (Herder-Verlag) wendet sich Schönborn gegen die Evolutionstheorie als alles erklärende Weltanschauung.

Generell ist der Kardinal der Meinung, dass die modernen Naturwissenschaften die Welt alleine erklären könnten. "Die streng wissenschaftliche Evolutionsforschung, die ihre Schritte nachvollziehbar protokollieren kann, ist als Forschungszweig höchst respektabel. Die Ausweitung auf alle Bereiche der Wirklichkeit, nach dem Motto 'Alles ist Evolution', ist nicht mehr wissenschaftlich gedeckt", so Schönborn.

Kreationisten gehen auch heute noch von der Stichhaltigkeit der biblischen Schöpfungsgeschichte aus, dass die Welt mit allen Kreaturen von einem Schöpfer erdacht und kreiert wurden. Schönborn versucht eine Art Synthese zwischen den beiden Extremen. "Es spricht vieles dafür, dass das Leben sich in einem langen, aufsteigenden Prozess aus einfachsten Anfängen zur Komplexität des Menschen aufsteigend entwickelt hat", schreibt der Erzbischof. "Es ist aber nicht nur nicht notwendig, sondern der Vernunft widersprechend, diesen grandiosen Weg des Lebens bis hin zum Menschen ausschließlich als Zufallsprozess zu sehen".

Auch wenn die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht, so glaubt der Kardinal doch an die Privilegiertheit unseres Planeten und des Menschen. "Ist Jesus Christus der menschgewordene Gottessohn, wie der christliche Glaube lehrt, dann ist die einzigartige Stellung des Menschen im Ganzen des Universums nochmals bestärkt und überhöht", sagt Schönborn.
(APA/red)