Daniel Glattauer von

"Schreiben ist Knochenarbeit"

Der Autor über seinen neuen Roman, Erfolg, Geld und seinen Neffen Theo

Daniel Glattauer - "Schreiben ist Knochenarbeit" © Bild: APA/Pfarrhofer

Er ist einer der österreichischen Erfolgsautoren schlechthin: Daniel Glattauer. Von seinen beliebten E-Mail Love-Storys "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" gingen 2,5 Millionen Exemplare über die Ladenfläche. Am 31. Jänner erscheint mit "Ewig Dein" sein neuer Wurf, ein "Liebesromanstalkingpsychothriller". Der Erfolgsautor im Interview.

Warum wirklich wieder ein Liebesroman?
Daniel Glattauer: Dass "Ewig Dein" im Vorfeld so wahrgenommen wird, hat sicher mit der Werbung für das Buch zu tun. In Wirklichkeit ist es ein Psycho-Thriller. Es geht um eine Beziehungsgeschichte, aber man müsste wohl schon lange nachdenken, um ein Buch zu finden, in dem es nicht um Beziehungen geht. Wenn das Wort Liebe mit dem Wort Roman verbunden ist, klingt das gleich nach Schundheft, nach ganz leichter, seichter Lektüre. Aber das muss nicht so sein.

In Ihrem Buch treten zwei Grundkonzepte des Liebens gegeneinander an: In der Liebe dennoch möglichst viel Freiheit zu bewahren, oder so eng wie möglich zusammenzugehen. Wohin tendieren Sie?
Glattauer: Ich tendiere klar zu meiner Protagonistin Judith und ihrer Vorstellung einer Beziehung, die einen nicht komplett vereinnahmt. Natürlich hat auch die Sehnsucht nach dem Ewigen etwas Schönes. Aber mit dieser Enge, die dabei entsteht, kann ich nichts anfangen. Die Figur Hannes war beim Schreiben immer mein Feindbild. Das ist ein furchtbarer Mann für mich - weil er überhaupt nicht weiß, was Liebe bedeutet. Liebe heißt nicht, jemanden in Besitz zu nehmen, sondern etwas zu tun, was den anderen glücklich machen könnte, und ihm Freiraum zu lassen.

Hannes würde man als Stalker bezeichnen. Aus welchen Erfahrungen haben Sie seine Figur zusammengesetzt? Sie waren ja Gerichtsreporter, aber vielleicht hat man als erfolgreicher Autor auch mit Fans zu tun, die einfach nicht locker lassen wollen?
Glattauer: Im harmlosen Bereich kennen wir alle Typen, die nicht die Fähigkeit haben zu erkennen, wo sie einen Schritt zu nah an jemanden heran gehen. Das sind Leute, über die man sagt: Die sind aufdringlich und lästig. Aber die Idee für meine Geschichte kommt ursprünglich aus dem Strafgericht. Stalking-Angeklagte sind meist sehr unauffällig und wirken keineswegs wie Kriminelle. Sie haben eine subtile Art und Weise, jemanden unter Druck zu setzen und ihn in die Knie zu zwingen. Ein spezieller Fall war Vorbild für das Buch. Am Ende konnte die verängstigte Frau nicht mehr unterscheiden: Was war wirklich Verfolgung und wo fühlt sie sich verfolgt? Das war für sie ein einziges Trauma.

Das Buch unterläuft einige Wandlungen. Es startet mit einer flotten Feel-Good-Romanze, dann beginnt Beziehungsalltag, der immer bedrängender wird. Es folgen beklemmende Beschreibungen von Angstzuständen und endet in einem Thriller. Wollten Sie bewusst verschiedene Genres ausprobieren?
Glattauer: Ich habe die Genres so eingesetzt, wie sie notwendig waren. Ich wollte mit einer verständlichen Alltagssituation beginnen, bestimmte Phasen durchlaufen und schließlich das Publikum ein bisschen in Zweifel bringen, ob alles wirklich so klar ist. Damit wollte ich ganz bewusst spielen. Wenn man die erste Seite genau liest, ist hier schon ein Symbol oder eine Sache zu erkennen, die zum Schluss den Fall auflöst. Das war mein kriminalistischer Ehrgeiz. Da hab' ich mich dann bei manchen Bildern in einem Hitchcock-Film gefunden.

Die Verkaufszahlen Ihrer beiden E-Mail-Romane sind überaus beeindruckend: 2,5 Millionen Exemplare wurden bisher verkauft. Haben Sie irgendeine Erklärung dafür?
Glattauer: Ich habe mich auch gewundert. Es ist jetzt sehr schnell gegangen. Wenn es einmal abgehoben hat, kann es extrem weit hinaufgehen. Ich weiß nicht, wo die magischen Zahlengrenzen sind, aber die Zeit zwischen 100.000 verkauften Exemplaren und einer Million war für mich fast unauffällig. Einen Flächenbrand gibt's offenbar nicht nur in der Natur, sondern auch am Buchmarkt. Eine Erklärung sind sicher die 40 Übersetzungen. In einigen Ländern wie in Spanien funktionieren diese E-Mail-Romane wahnsinnig gut.

Ins Schwarze getroffen

Haben Sie eine Zeitströmung erwischt oder sind Sie ganz einfach ein super Autor?
Glattauer: Letzteres wäre natürlich die schönste Antwort, aber ich glaube, das wäre nur ein ganz kleiner Teil der Wahrheit. Das Thema E-Mail-Roman hat offensichtlich voll ins Schwarze getroffen. Das hätte ich mir beim Schreiben nie gedacht. Es hat eben einfach alles zusammengepasst.

Wie sehr hat dieser Erfolg Ihr Leben verändert?
Glattauer: Überraschend wenig. Das einzige, das sich wirklich geändert hat, ist das Wegfallen meines früheren Jobs als Journalist. Ich bin jetzt sozusagen Heimarbeiter. Das war eine große Umstellung.

Was haben Sie mit dem Geld gemacht?
Glattauer: Erstens kommt es erst schön langsam, das ist ja alles zeitlich verzögert. Und da interessiert mich vor allem die Summe, die ich im Jahr darauf dem Finanzamt zu Verfügung stellen darf. Die ist sehr hoch. Daran sehe ich, dass ich wirklich viel verdiene. Ich schaue, dass meine Zukunft abgesichert ist. Ich hab' meine Mutter zu pflegen, das kostet einiges. Dann gibt es noch ein altes Bauernhaus im Waldviertel, mit dem Nachbarhaus eigentlich sogar zwei, da muss auch immer wieder einiges gemacht werden. Den Luxus, den ich mir jetzt gönne, hab' ich mir früher auch schon gegönnt: einfach gut essen und gut trinken - und hin und wieder eine schöne Reise machen.

Immer mehr ihrer Autoren-Kollegen wechseln zum Krimi. Ist das auch ihre unmittelbare Zukunft?
Glattauer: Ich habe noch keine Ahnung. Ich gehe konkreten Ideen nach, lasse mich von meiner Schreib-Freude antreiben und mache, wovon ich glaube, dass ich es am besten hinkriege. Aber so lustig darf man es sich auch nicht vorstellen: Es ist eine Knochenarbeit. Beim Schreiben ist man an den Bildschirm gefesselt und darf seinen Blick davon nicht loslassen, sonst kommt nichts. Bei den Themen oder beim Genre bin ich jedoch vollkommen frei. Vielleicht probiere ich als Nächstes ein Theaterstück - das würde mich sehr reizen.

Ein beendetes Projekt war das jährliche Weihnachtsinterview mit ihrem Neffen Theo. Wie geht's Theo heute?
Glattauer: Theo wird heuer 18, ist sehr zurückhaltend und lebt seinen normalen Schulalltag. Um ihn mache ich mir keine Sorgen. Er ist ein blitzgescheiter Bub. Er beschäftigt sich sehr intensiv mit den wichtigen Dingen - mit Fußball, zum Beispiel.

Info:
Daniel Glattauer: "Ewig Dein"
Deuticke Verlag, 206 S.
18,40 Euro
ISBN: 978-3-552-06181-1
Buchpremieren am 31. Jänner, 20 Uhr, im Linzer Posthof, am 1. Februar, 20 Uhr, im Literaturhaus Graz und am 2. Februar, 19.30 Uhr, im Wiener Odeon.
danielglattauer.com
"Ewig Dein" beim Deuticke Verlag