"Dampfwalze" folgt "Sunnyboy": Neo- Premierminister Gordon Brown im Porträt!

Gilt als mürrisch, schwierig, intelligent und fleissig Neue Ideen bei politischer Kontinuität versprochen

Gordon Brown ist endlich am Ziel. Nachdem er zehn Jahre lang mehr oder weniger laut mit den Hufen gescharrt und Tony Blair - mehr oder weniger verbunden - als Schatzkanzler gedient hat, zieht der 56-jährige Schotte in die Londoner Downing Street 10 ein. Im Gegensatz zu seinem charmanten und mediengewandten Vorgänger gilt der neue Premierminister Großbritanniens als eher mürrisch und schwierig, aber auch als hoch intelligent und hart arbeitend. Er präsentiert sich als Mann mit "neuen Ideen für ein neues Zeitalter" - und verspricht doch politische Kontinuität.

Aus dem Schatten Blairs, der sein Amt nach zehn Jahren zur Mitte seiner dritten Amtszeit an Brown abtritt und damit ein vor vielen Jahren gegebenes Versprechen einlöst, will sein langjähriger politischer Weggefährte möglichst schnell heraustreten. Die wichtigsten Ministerposten werden voraussichtlich neu besetzt: Enge Verbündete des Historikers Brown steigen auf, Blair-Vertraute wie Innenminister John Reid nehmen ihren Hut.

Als einer der Erfinder von "New Labour" will der neue Regierungschef und Vorsitzende der Labour Party Blairs Programm im Grundsatz weiterführen. Beobachter erwarten in erster Linie einen anderen Stil und eine andere Schwerpunktsetzung, aber keine radikale Neuorientierung. Dabei tritt Brown, der seit 1983 im britischen Parlament sitzt und vorher als Universitätsrektor und beim Fernsehen gearbeitet hatte, kein leichtes Erbe an: Nicht nur der Irak-Krieg drückt auf die Stimmung, auch innenpolitisch liegt einiges brach.

Seine Nähe zu den USA wird Großbritannien unter der neuen Führung voraussichtlich beibehalten - wenn auch mit weniger Herzlichkeit, als sie das Gespann aus Blair und US-Präsident George W. Bush gerne demonstrierte. Auch mit einem baldigen Rückzug der Briten aus dem Irak ist nicht zu rechnen. Brown hatte die Politik der Vorgängerregierung in diesem Punkt zwar kritisiert, gleichzeitig aber eine grundsätzliche Fortsetzung des Kurses angekündigt.

Europa muss sich wohl auf einen schwierigeren Partner als in der Vergangenheit einstellen. Browns EU-kritische Haltung ist aus seiner Zeit als Finanzminister bekannt, nach der Einigung zum EU-Vertrag wächst zudem der Druck im Land zur Durchsetzung britischer Interessen, und die Opposition drängt auf ein Referendum. Möglicherweise bekommt Brüssel also die unangenehmeren Seiten des Schotten zu spüren, dem ein früherer Vertrauter unlängst "stalinistische Rücksichtslosigkeit" vorgeworfen hatte und den die Medien gern als "Dampfwalze" bezeichnen, während der mediengewandte Blair lange Zeit als "Sunnyboy" galt.

Innenpolitisch will Brown unter anderem die Integration von Ausländern und das Bildungssystem verbessern. Im Gegensatz zu Blair war der neue Premierminister stets von der Idee sozialer Gerechtigkeit überzeugt. Als Sohn des Pastors einer benachteiligten Gemeinde am Rande von Edinburgh hat er nach eigener Aussage "genügend Probleme gesehen, um zu denken, dass es Zeit ist, dass die Dinge sich ändern".
(apa/red)