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Neue Gewalt in den USA

Schüsse bei friedlichem Protestmarsch: Scharfschützen haben Polizisten getötet

Mehrere Heckenschützen haben während einer Protestaktion gegen Polizeigewalt in der US-Metropole Dallas am Donnerstagabend (Ortszeit) fünf Beamte erschossen, sieben weitere sind verletzt worden. Einer der Verdächtigen, der sich nach der Tat in einem Parkhaus verschanzt hatte, soll sich nach Angaben mehrerer Medien selbst getötet haben. Er hatte damit gedroht, mehrere Bomben in der Stadt versteckt zu haben.

Er gab an, "überall" in dem Parkhaus und in der Innenstadt Bomben gelegt zu haben, wie Polizeichef David Brown Freitagfrüh erklärte. In der Nacht lieferte er sich immer wieder Schusswechsel mit der Polizei. Der Verdächtige "hat unseren Vermittlern gesagt, dass das Ende kommt und dass er mehr von uns verletzen und töten wird, also Polizeibeamte", sagte Brown. Medienberichte, wonach er sich selbst getötet haben soll, wurde seitens der Polizei vorerst nicht bestätigt.

Mehrere hundert Menschen protestierten am Donnerstag im gesamten Land, so auch in der texanischen Metropole Dallas, gegen die Polizeigewalt gegen Afroamerikaner - erst am Dienstag und Mittwoch waren zwei Schwarze bei Polizeieinsätzen in Minnesota und Louisiana getötet worden. Die Fälle sorgten landesweit für Empörung.

Drei Personen festgenommen

Gegen Ende der Protestkundgebung eröffneten Heckenschützen das Feuer und töteten fünf Polizisten. Sechs weitere wurden nach Polizeiangaben verletzt, zwei davon schwer, auch ein Zivilist wurde getroffen. Das Motiv war zunächst unklar. Nach Angaben der Polizei von Dallas hatten die Täter ihren Angriff sorgfältig vorbereitet und setzten Scharfschützengewehre ein. Zum Teil hätten sie aus einer erhöhten Position heraus geschossen. Bisher sollen drei Personen festgenommen worden sein, darunter eine Frau. Eine Person stellte sich laut "Dallas Daily News" freiwillig. Ein Verdächtiger sei nach einer Schießerei mit Spezialeinsatzkräften gestellt worden, erklärte die Polizei. In der Nähe wurde demnach auch ein verdächtiges Paket gefunden.

Zuvor veröffentlichte die Polizei ein Foto von einem Mann, der eine Waffe bei sich hat und ein T-Shirt in Camouflage-Farben trägt.

Polizeichef David O. Brown sagte, der in Dallas getötete Verdächtige habe während der stundenlangen Verhandlungen gesagt, er habe Weiße töten wollen, vor allem weiße Polizisten. Ob es einen Zusammenhang mit der Protestbewegung gegen Polizeigewalt gab, ist unklar. Diese Bewegung hat großen Zulauf, weil sich an den Missständen im Verhältnis von Schwarz und Weiß in der Gesellschaft wenig ändert. Der getötete Verdächtige habe jedenfalls keine Mitgliedschaft in einer Gruppe reklamiert, er habe gesagt, er habe auf eigene Faust gehandelt. Da die Bürgerrechtsbewegung "Black Lives Matter" ein nicht immer eindeutig ablehnendes Verhältnis zu Gewalt hat, begann schon Stunden nach der Bluttat eine erregte, gefährliche Debatte: Trägt die Schwarzenbewegung Schuld? Polizeichef Brown sagt, der Verdächtige habe sich auch gegen "Black Lives Matter" gestellt. Brown: "All das macht überhaupt keinen Sinn." Die Polizei sagte nicht, welche Hautfarbe die Verdächtigen - der Getötete bzw. die Festgenommenen - haben, oder welcher Bevölkerungsgruppe sie angehören.

Die "Los Angeles Times" und der Sender CBS gaben den Namen des getöteten mutmaßlichen Heckenschützen unterdessen unter Berufung auf Ermittler mit Micah X. J. an. Der 25-jährige Mann habe keine kriminelle Vergangenheit und keine bekannten Verbindungen zu terroristischen Gruppen, hieß es. Er habe zudem Verwandte im texanischen Mesquite, einer Stadt östlich von Dallas. Den Angaben zufolge sind FBI-Ermittler in die Untersuchungen einbezogen. Eine offizielle Bestätigung für die Identität des Getöteten gab es zunächst nicht.

"Es handelt sich nicht um Einzelfälle"

Präsident Barack Obama äußerte sich entsetzt. "Es handelt sich nicht um Einzelfälle", sagte er in Warschau, wo er an einem Nato-Gipfeltreffen teilnimmt. Die Tat erfülle ihn mit Abscheu. Er sprach von einer gezielten Attacke auf Polizisten. Obama sagte den Behörden in der texanischen Stadt seine vollste Unterstützung zu. Über die jüngsten Entwicklungen in Dallas lasse er sich laufend unterrichten, sagte sein Sprecher.

Panik nach Schüssen auf Polizisten

Bürgermeister Mike Rawlings forderte die Bewohner der Stadt auf, sich zumindest in der Früh vom Tatort fernzuhalten. Weite Bereiche der Innenstadt, wo sich viele Firmensitze, Gerichtsgebäude und Restaurants befinden, waren abgesperrt. Nach den Schüssen auf die Polizisten war Panik ausgebrochen. "Wir dachten, die schießen auf uns. Es war das totale Chaos." Ein Augenzeuge filmte aus einem Hotel heraus einen der Schützen. Als sich ein Polizist dem Mann genähert habe, habe dieser den Beamten regelrecht hingerichtet, sagte Ismael Jesus, dessen Aufnahmen von dem US-Sender CNN veröffentlicht wurden.

»Wir dachten, die schießen auf uns. Es war das totale Chaos.«

Die US-Luftfahrtbehörde FAA richtete eine Flugverbotszone ein. Zahlreiche Polizeihubschrauber waren im Einsatz. Im Ballungsraum von Dallas und der Nachbarstadt Fort Worth leben mehr als sieben Millionen Menschen.

Proteste gegen Polizeigewalt

Zuvor habe es friedliche Proteste gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gegeben. Auslöser waren zwei erschossene Afroamerikaner innerhalb von zwei Tagen. In Falcon Heights (Minnesota) starb Philando Castile (32) im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. Kurz zuvor hatten in Baton Rouge (Louisiana) zwei Polizisten Alton Sterling (37) auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Diese Tode seien ein Ereignis, das alle Amerikaner gleichermaßen angehen muss, sagte Präsident Barack Obama. "Wir erleben so etwas viel zu oft", sagte Obama unmittelbar nach der Landung in Warschau, wo er in der Nacht zum Freitag zum Nato-Gipfel eintraf. Der sichtbar berührte Präsident beschwor die Amerikaner, nach dem Geschehenen nicht in routinierte Reaktionsmuster zu verfallen, sondern innezuhalten.

Tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze - Chronologie

Juli 2016: In Falcon Heights (Minnesota) stirbt der 32-jährige Philando Castile im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle mehrfach auf ihn geschossen hatte. Nur einen Tag zuvor hatten zwei Beamte in Baton Rouge (Louisiana) den 37-jährigen Alton Sterling auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Mai 2016: Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

Dezember 2015: In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Juli 2015: Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

April 2015: Der Afroamerikaner Freddie Gray stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen. Zwei von sechs Polizisten, die angeklagt wurden, wurden bisher freigesprochen.

April 2015: In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

März 2015: Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

Dezember 2014: Ein vierfacher schwarzer Familienvater wird in Phoenix (Arizona) nach einer Polizeikontrolle erschossen, weil er seine Hand nicht aus der Hosentasche nehmen wollte. Darin waren Tabletten und keine Waffe. Es kommt zu einer landesweiten Protestwelle.

August 2014: Der unbewaffnete schwarze Teenager Michael Brown wird in Ferguson bei St. Louis (Missouri) von einem Polizisten erschossen. Der Vorfall löst schwere Unruhen aus. Später tritt der Polizeichef von Ferguson zurück - nach einem Bericht des Justizministeriums über weit verbreiteten Rassismus bei der Polizei. Mittlerweile ist dort ein Schwarzer Polizeichef.

Kommentare

die schwarze schiessen zurück. absolut nachvollziehbar.

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