Dalai Lama zu Besuch im Europaparlament:
Geistliches Oberhaupt der Tibeter in Brüssel

Fortführung "enger Beziehung" mit China erwünscht Tibet strebt "echte Autonomie zu eigenem Besten" an

Dalai Lama zu Besuch im Europaparlament:
Geistliches Oberhaupt der Tibeter in Brüssel © Bild: APA/EPA/Hoslet

Der Dalai Lama hat die Fortführung einer "engen Beziehung" mit der chinesischen Regierung betont. Gleichzeitig unterstrich das Exil-Oberhaupt der Tibeter in einer Rede vor dem Europäischen Parlament in Brüssel, keine staatliche Unabhängigkeit Tibets von China, sondern eine "echte Autonomie zu unserem eigenen Besten" anzustreben.

Eine durch strikt gewaltfreie Mittel erreichte Autonomie sei in materieller Hinsicht im Interesse der Tibeter. Wenn manche chinesische Politiker glaubten, seine Bewegung sei eine separatistische, dann liegen sie "total falsch", betonte der Dalai Lama.

Das tibetische Exil-Oberhaupt hat sich nach eigenen Worten nach dem Frühstück der 24-stündigen Solidaritätsaktion von EU-Abgeordneten angeschlossen. Aus Solidarität mit dem tibetischen Volk begannen Europaabgeordnete und EU-Beamte am Donnerstag diese Fastenaktion.

"Wir wollen bei China bleiben"
In seiner Rede vor dem Europaparlament bekräftigte der Dalai Lama seinen Verzicht auf ein von China unabhängiges Tibet in klaren Worten. "Wir wollen bei China bleiben, aber mit einer echten Autonomie und unter Wahrung unserer Identität", sagte er vor den EU-Abgeordneten. Die Tibeter wollten auch materielle Entwicklung, ein modernes Tibet, sagte der Dalai Lama weiter. Schon daher sei es in ihrem eigenen Interesse, bei China, diesem "großen Volk", zu bleiben. "Das sage ich auch den jungen Tibetern."

Der Friedensnobelpreisträger warb zugleich um Unterstützung für sein Volk. Wer den Tibetern helfe, helfe aber auch den Chinesen. Denn China schlage eine zunehmend "totalitäre Richtung" ein, es unterdrücke Presse- und Redefreiheit. Die EU müsse im Umgang mit Peking auf dem Schutz der Menschenrechte bestehen, forderte der Dalai Lama, den die EU-Abgeordneten mit stehenden Ovationen feierten.

(apa/red)