Dalai Lama von

Aufruf zum Dialog

Tibeter in Salzburg: "Europäer sollten ihr Konzept der Gemeinschaft in die Welt tragen"

Dalai Lama - Aufruf zum Dialog © Bild: APA/Gindl

Die Probleme der Welt könnten nur gemeinsam gelöst werden, es brauche mehr weltweite Zusammenarbeit. Das erklärte der 14. Dalai Lama bei seinem Besuch in Salzburg und rief vor rund 4.700 Zuhörern in der Salzburgarena zu mehr Gemeinsamkeit und Dialog auf.

Für die Besucher - viele waren von weit her angereist, um den Dalai Lama zu hören - begann der Tag früh. Schon kurz nach sieben Uhr bildeten sich Schlangen vor den Sicherheitsschleusen. Wer in der Halle war, konnte sich bei verschiedenen Ständen mit spiritueller Literatur und Andenken die Zeit vertreiben.

Gespannte Stille
Als der Dalai Lama kurz nach 9.30 Uhr auf die Bühne kam, herrschte gespannte Stille. Die Besucher erhoben sich von ihren Stühlen, zu hören war nur das Klicken der Auslöser der Fotoapparate. Mit einem "Hello!" und dem für ihn typischen Lachen zog der Dalai Lama sein Publikum in seinen Bann. In seinem Vortrag widmete er sich dem Thema "Weltfrieden und universelle Verantwortung".

"Konzept in die Welt tragen"
Die Welt könne von Europa lernen. Hier hätten die einzelnen Länder einen Teil ihrer eigenen Souveränität aufgegeben und eine Gemeinschaft gebildet, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. "Die Europäer sollten ihr Konzept der Gemeinschaft weiter in die Welt tragen", forderte das geistliche Oberhaupt Tibets. Probleme könne man nur im Dialog lösen.

China warnt
Vor "jeglichen Beziehungen" österreichischer Politiker mit dem Dalai Lama hat unterdessen der Botschafter der Volksrepublik China in Wien, Shi Mingde, im Ö1-Mittagsjournal des ORF-Radios gewarnt. Dies wäre "nicht nützlich für die guten Beziehungen" zu China. Österreich solle "nicht Spielraum bieten für die Abspaltungstendenzen des Dalai Lama", sagte der Diplomat. Tibet sei Teil Chinas, es handle sich daher um eine Frage staatlicher Souveränität und territorialer Integrität.

Vor Belgien-Besuch Umschlag mit Pulver entdeckt
Zudem ist vor einem Besuch des Dalai Lama in einem belgischen buddhistischen Zentrum ein Umschlag mit verdächtigem weißem Pulver entdeckt worden. "Die Analysen sind im Gange", sagte ein Verantwortlicher des Zentrums Yeunten Ling im wallonischen Huy. Weitere Informationen sollten bei einer Pressekonferenz, einen Tag vor dem geplanten Besuch des Dalai Lama, bekannt gegeben werden, fügte der Verantwortliche hinzu.

Die Entdeckung ereignete sich einen Tag, nachdem die tibetanische Exilregierung in Indien den Verdacht geäußert hatte, chinesische Agenten erwögen Giftanschläge auf den Dalai Lama, das geistige Oberhaupt der Tibeter. Es gehe um "ultra-moderne und sehr raffinierte Drogen und toxische chemische Substanzen", äußerte der als Sicherheitsminister der Exilregierung im nordindischen Dharamsala fungierende Dongchung Ngodup am Sonntag. Auch in Österreich gab es rund um den Besuch des Dalai Lama Gerüchte über mögliche Giftanschläge.

Der Dalai Lama lebt seit 1959 in Indien im Exil. China wirft ihm vor, von dort aus die Abspaltung des seit 1951 von China besetzten Tibet zu betreiben. Der 76-Jährige gab im vergangenen Jahr seine politischen Funktionen auf.

Im belgischen Huy wird der Dalai Lama bereits zum fünften Mal erwartet, dort liegt eines der wichtigsten Zentren des tibetischen Buddhismus in Europa. Er soll dort unter anderem einen Tempel weihen und eine Rede über die "wohlwollende Liebe" halten.