Dänische Morgenmuffel mucken auf: Lang- schläfer wollen nicht mehr früh aufstehen!

Verein "B-Gesellschaft" erfreut sich riesigen Zulaufs<br>Schulversuch: Unterricht beginnt erst um 12:30 Uhr Umfrage: Möchten Sie morgens auch länger schlafen?

Dänische Morgenmuffel gehen auf die Barrikaden. Im Verein "B-Gesellschaft" organisiert, wollen sich Tausende Langschläfer dem Zwang des Frühaufstehens widersetzen. Der Protest zeigt Wirkung: Sonderarbeitsverträge und ein Schulversuch, bei dem der Unterricht erst um 12:30 Uhr beginnt, sollen erst der Anfang sein.

"Warum stehen wir immer noch mit dem ersten Hahnenschrei auf und wenn die erste Kuh das Muhen beginnt, wenn nur noch fünf Prozent der Menschen in der Landwirtschaft und der Fischerei arbeiten?" wird "B-Gesellschaft"-Gründerin Camilla Kring (29) von Spiegel-Online zitiert. Die "Work-Life-Balance-Beraterin" rief den Verein im Jänner mit 66 Gleichgesinnten ins Leben. Mittlerweile fordern bereits 3.000 notorische Langschläfer eine radikale Änderung des Lebensablaufs.

Und die Proteste zeigen schon erste Wirkung. Im Herbst startet in Kopenhagen ein Schulversuch, bei dem der Unterricht einer Oberstufen-Schule erst um 12:30 Uhr beginnen soll. Hauptziel: Die Jugendlichen sollen den Unterricht mit mehr Aufmerksamkeit verfolgen. Er kürzlich ergab eine österreichische Studie, dass Schüler die Schule vor allem deswegen schwänzen, weil sie ausschlafen wollen bzw. verschlafen haben. Demnach gaben 61 Prozent (Mehrfachnennungen möglich) der österreichischen Schüler als "Schwänzgrund" an, ausschlafen gewollt bzw. verschlafen zu haben. Auf Platz zwei landete mit 55 Prozent "etwas Anderes vorgehabt", auf Platz drei "Niedergeschlagenheit und schlechte Stimmung" (53 Prozent).

Laut Spiegel-Online hat die dänische "B-Gesellschaft" auch erste Erfolge im Berufsleben zu verzeichnen. Eine Sportwissenschaftlerin setzte durch, dass sie im Gegensatz zur übrigen Belegschaft, nicht um 8:30 Uhr, sondern erst um 10 Uhr im Büro sein muss. Durch die niedrige Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent und einem eklatanten Fachkräftemangel sind solche Forderungen in Dänemark allerdings einfacher durchzusetzen als zum Beispiel in Österreich.

Österreicher sind Frühaufsteher
Zudem sind Österreicher laut einer Internet-Umfrage im internationalen Vergleich ohnehin Frühaufsteher. Während im EU-Durchschnitt gerade einmal 15 Prozent der Bevölkerung nach eigenen Angaben vor 6.00 Uhr aufstehen, sind es in Österreich 25 Prozent. 64 Prozent aller befragten Österreicher gaben an, vor 7.00 Uhr aufzustehen. Ähnlich früh munter sind laut dem deutschen Marketing-Informationsunternehmen ACNielsen, welches die Studie durchführte, auch die Deutschen, die Inder, Japaner und die Finnen.

Richtig Schlafen: Vor 3.00 Uhr früh und länger als 4 Stunden
Von falschen Vorstellungen wie "Acht Stunden Schlaf braucht der Mensch" oder "Den Schlaf vor Mitternacht kann man nicht ersetzen" sollte man sich schleunigst verabschieden. Die optimale Nachtruhe dauert für jeden unterschiedlich lange, erklärt die Kärntner Schlaftrainerin Marianne Anderer. Man sollte jedoch nicht weniger als vier und über zehn Stunden im Bett bleiben, rät sie.

Das Schlafzimmer sollte "jedenfalls vor 3.00 Uhr früh" aufgesucht werden. Zu diesem Zeitpunkt erreicht der Körper eine Art "Tiefpunkt" mit der niedrigsten Körpertemperatur, erklärte die Schlaftrainerin. Zudem werden Stresshormone ausgeschüttet, die auf das Aufwachen vorbereiten sollen. Ein erholsamer Tiefschlaf sei daher ab 3.00 Uhr nicht mehr möglich.

Unfreiwillige Frühaufsteher neigen zu Nikotinsucht
Ein falscher Schlaf-Rhythmus kann sogar zu einem sozialen Jet-Lag führen. Schlafforscher Till Roenneberg versteht darunter das Problem, wenn die innere Uhr von Menschen nicht mit den täglichen Arbeitsstunden harmoniert. Was die Sache noch unangenehmer macht: Personen mit sozialem Jet-Lag (immerhin rund die Hälfte der Bevölkerung) neigen verstärkt zu Nikotinsucht, meldet die Wissenschaftszeitschrift "New Scientist". Während Menschen mit stimmigen Tagesrhythmen nur zu zehn Prozent rauchen, sind es bei den Menschen mit sozialem Jet-Lag - je nach Grad des Asynchronismus - bis zu 70 Prozent.

Langschläfer haben weniger Gewichtsprobleme
Kinder mit ausreichend Schlaf haben einer US-Langzeitstudie zufolge weniger Gewichtsprobleme als Altersgenossen mit zu wenig Schlaf. Jede zusätzliche Stunde senke das Risiko von Übergewicht, zeigte eine Studie der Northwestern Universität in Evanston im US-Bundesstaat Illinois.

Dafür gebe es verschiedene Erklärungen, sagte Wissenschafterin Emily Snell. Zu wenig Schlaf könne sich auf die Hormone auswirken, die für das Hungergefühl verantwortlich seien sowie zu Lethargie und Konzentrationsmangel führten. Zudem hätten die Kinder einfach mehr Zeit zum Essen.

Oft bestimme der Stundenplan den Schlafrhythmus. Eltern sollten aber auch darauf achten, dass ihre Kinder rechtzeitig ins Bett gingen, sagte Snell.

(red/apa)