CVC mit Standort-Zusage: Finanzinvestor würde Böhler nur "friendly" übernehmen

Der Edelstahlkonzern sollte weiter an Börse bleiben<br>CVC-Plan führt auch zu Streit innerhalb der Koalition PLUS: Hintergrund-Infos zu Böhler-Uddeholm & CVC

CVC mit Standort-Zusage: Finanzinvestor würde Böhler nur "friendly" übernehmen

Die europäische Investorengruppe CVC Capital Partners, von der ein Übernahmeangebot für den österreichischen Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm erwartet wird, hat erstmals ihre Pläne für den Werkzeugstahl-Weltmarktführer erläutert. Man würde Böhler - an der Börse mit 3,5 Mrd. Euro bewertet - nur auf freundliche Weise, nur mit Zustimmung des Unternehmensvorstands übernehmen. Im Falle einer Akquisition des Konzerns gebe es "überhaupt keinen Grund, an den Standorten" zu rütteln, sagte der zuständige CVC-Manager Christian Wildmoser (Bild) in Wien.

Von der Börse nehmen würde man den Konzern nicht: "Unsere Benchmark sind 50 Prozent und eine Aktie." Die 40-Tage-Frist für ein Offert, die durch Interessensbekundungen ausgelöst werden kann, sieht CVC im Falle Böhler-Uddeholm nicht in Kraft: Die Erklärung, man prüfe, ob man eventuell ein Angebot legen werde, sei mit der Übernahmekommission besprochen worden. Böhler bliebe trotz einer Übernahme durch CVC selbstständig, das Headquarter in Österreich. Bei Böhler seien die qualifizierten Mitarbeiter das Kapital. Für die Branche interessiere man sich als Private-Equity-Gruppe wegen der Wachstumschancen. "Aushöhlen" wolle man kein Unternehmen, wies Wildmoser "Heuschrecken"-Vorurteile zurück.

CVC halte keine einzige Böhler-Aktie und habe auch keine gehalten, daher könne man sich den 30-prozentigen Kursprung der Aktie an der Wiener Börse auch nicht erklären: "Mit uns hat der Kursanstieg jedenfalls nichts zu tun." Die jüngste Äußerung von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S), wonach ein Verkauf an CVC eine "Katastrophe" wäre, wollte Wildmoser nicht kommentieren, ohne das Zitat näher überprüft zu haben. Im übrigen habe er auch schon gegenteilige politische Aussagen gehört.

CVC-Plan führt zu Streit in der Koalition
Das von CVC erwartete Offert für Böhler hatte zu wirtschaftspolitischem Streit zwischen den Koalitionsparteien geführt: Die SPÖ bedauerte den offenbar bevorstehenden Verkauf ins Ausland, die ÖVP wies daraufhin prompt auf den Verkauf der BAWAG an den US-Fonds Cerberus hin. Unterdessen machten in Wiener Finanzkreisen Gerüchte über ein mögliches internationales Gegenangebot zu CVC die Runde.

Auch Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl, der sich aktuell bei einer Investorenkonferenz in London aufhält, sind diese Gerüchte zu Ohren gekommen, wie er der APA in einem Telefonat bestätigte. "Es hat aber niemand gegeben, der zu mir gekommen ist und gesagt hat, ich werde ein Übernahmeangebot machen."

Kanzler Gusenbauer hatte gemeint, ihn wäre ein österreichischer Kernaktionär bei Böhler-Uddeholm lieber als ein ausländischer Investor. Der Insiderverdacht müsse untersucht werden, forderte er. "Ich verstehe den Herren Bundeskanzler nicht. Etwas, was vor einigen Wochen bei der BAWAG noch gut war, kann jetzt nicht eine Katastrophe sein", replizierte daraufhin Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V). Der Verkauf zeige, "wie wichtig strategisches Eigentum ist", meinte SPÖ-Wirtschaftssprecher Hannes Bauer. Der Fall Böhler-Uddeholm zeige, "dass ein privater Kernaktionär weniger die Sicherheit biete, dass ein derart großes und erfolgreiches Unternehmen im heimischen Einfluss bleibe".

Insiderhandel? Keine neue Erkenntnisse
Keine neuen Erkenntnisse gab es in der Frage, welcher Marktteilnehmer durch den Kauf von knapp 1 Million Aktien mit einer Bestens-Order den Kurs um fast 30 Prozent nach oben getrieben hatte. Die M&A Privatbank dementierte zwei Zeitungsberichte, wonach die Orders von ihr gestammt hätten. Die Finanzmarktaufsicht prüft nach Aussage ihres Sprechers "ergebnisoffen" die Faktenlage. Weil auch im Ausland nachgeforscht werde, könne die Untersuchung noch Wochen und Monate dauern, sagte der Sprecher.

Ein mögliches österreichisches Konsortium um den Industriellen Hannes Androsch und dem oberösterreichischen Raiffeisenlandesbank-Chef Ludwig Scharinger wurde sowohl vom steirischen Landeshauptmann Franz Voves als auch vom obersten Böhler-Belegschaftsvertreter als wünschenswert bzw. als "Hoffnungsschimmer" bezeichnet. Metallgewerkschaftschef Erich Foglar forderte dazu auf, "generell über Industriepolitik zu diskutieren und wie dabei auch politische Verantwortung wahrgenommen wird". (apa/red)