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Jagd auf Grafikrekorde

Shooter Crysis 3 will mit neuer Optik beeindrucken. Was aber kann das Spiel?

Crysis 3: Prophet Artwork © Bild: EA

Die Formel des Supersoldaten, der die Welt vor dem Untergang rettet, zieht sich zugegebenermaßen wie ein zäher, roter Kaugummi-Faden durch die Videospielgeschichte. Die Shooter-Serie Crysis schafft es aber immerhin wie kaum ein anderes Spiel, dieses Spektakel jedes Mal mit technischen Höhenflügen in Szene zu setzen. Crysis 3 ist da keine Ausnahme: Nicht nur am PC, auch auf der Xbox 360 und der Playstation 3 sieht das Game toll aus. Aber reicht die Aufmachung alleine aus?

Alles unter einer Kuppel: Nachdem die Alien-Plage im zweiten Teil von Crysis zurückgeschlagen worden war, machte sich der Konzern C.E.L.L daran, das zerstörte New York in ein Treibhaus zu verwandeln. Von einer gewaltigen Kuppel überzogen, um die Ressourcen besser kontrollieren zu können, zwängte sich Dschungel-Dickicht in die Ruinen der Millionen-Metropole. Der Spieler findet sich nun in der Rolle des Cyborgs Prophet wieder, der an der Seite eines alten Weggefährten und der Rebellen die Tyrannei des Konzerns beenden will.

Bis an die Zähne bewaffnet

Im buchstäblichen Großstadt-Dschungel kann man zum Glück nach wie vor auf ein Kernelement des Spiels, den Nanosuit, zurückgreifen. Dieser Hightech-Kampfanzug ermöglicht es unter anderem, kurzfristig in eine nahezu unsichtbare Predator-Tarnung zu wechseln oder die Panzerung gegen feindliche Projektile zu maximieren. Dadurch entstehen - wie in den Vorgängern auch schon - unterschiedliche Herangehensweisen zur Beseitigung der Gegner. Die Kontrahenten im Spiel lassen sich zwar recht einfach aushebeln, gehörig Spaß macht es dennoch, sie auf sehr unterschiedliche Art und Weise über die digitale Klippe springen zu lassen.

Ein Auszug aus dem Gameplay von Crysis 3

Zum Nanosuit gesellt sich ein Arsenal abgefahrener Hightech-Waffen hinzu: Vom Bogen mit vielfältigen Projektil-Aufsätzen über einen Alien-Flammenwerfer bis hin zu einem Sturmgewehr, das aufgrund der hohen Feuerrate mit 1.000-Patronen-Magazinen gefüttert wird. Dank eines Hacking-Tools hat Prophet neuerdings auch Zugriff auf Geschütztürme und kann sogar Minenfelder aktivieren, um den Gegnern zusätzlich zuzusetzen.

Ausgewogene Dschungelpracht für Solisten

Hinsichtlich Level-Architektur bewegt sich Crysis 3 zwischen seinen Vorgängern. Weder so weitläufig wie in Teil eins noch so linear wie in Teil zwei wird dem Spieler eine zielstrebige aber verwinkelte Umgebung mit genügend Platz zum Experimentieren geboten. Mit garantierter Abwechslung kann sich der Spieler - mal auf leisen Sohlen, mal in ungestümer Rambo-Manier - so Stück für Stück zum Ziel vorarbeiten. Langeweile passiert jedenfalls woanders.

Mit ein Grund, weshalb Crysis 3 an den Bildschirm zu fesseln mag, ist natürlich - aber zum Glück nicht nur - die sensationelle Grafik. Überbordende Dschungel-Vegetation und Relikte urbaner Meister-Architektur sind in einem Videospiel jedenfalls selten so schön aufeinandergeprallt. Extrem hoher Detailgrad, messerscharfe Texturen und eine stimmige Beleuchtung lassen die Kinnlade des öfteren nach unten schnellen. Vorausgesetzt man verfügt über einen leistungsstarken PC. Erstaunlicherweise sieht Crysis 3 trotz der limiterten Hardware aber auch auf den alternden Konsolen Xbox 360 und PS 3 verhältnismäßig toll aus, nur muss man für die Pracht öfters Ruckler in Kauf nehmen.

Weit weniger beeindrucken kann das Mehrspieler-Erlebnis. Von den insgesamt sieben Modi ist der neue Jäger-Modus noch am unterhaltsamsten: Mit dem Abschuss von einfachen Soldaten in einem Team wechseln Spieler solange ins andere Team der Jäger, bis nur noch ein einfacher Soldat gegen eine Übermacht von Predators zu kämpfen hat. Spannung garantiert. Ansonsten kann Crysis 3 aber leider nicht die ausgeklügelte Mehrspieler-Dramatik aufbieten, die ein Battlefield 3 oder Call of Duty Black Ops II garantiert.

NEWS.AT-Fazit

Crysis 3 entpuppt sich als ausgewogene Mischung aus dem ersten und zweiten Teil der Serie. Nicht zu linear aber auch nicht zu offen wird der Spieler in ein packendes Setting geworfen, das alle Kräfte des Nanosuits und das ausgeklügelte Waffensystem voll ausreizt. Vorbei sind die Zeiten, in denen man das Gefühl hatte, eine Werbung für die - nach wie vor fantastische - Crytek-Engine bzw. -Grafik zu spielen: Gute Erzählung und starke Charaktere wissen diesmal nämlich sogar zu fesseln. Wer damit leben kann, dass der Wiederspielwert aufgrund einer kurzen Kampagne und eines durchschnittlichen Mehrspieler-Erlebnisses enden wollend ist, kann bedenkenlos zugreifen.

Crysis 3 ist ab sofort für PC, Xbox 360 und Playstation 3 im Handel erhältlich und kostet je nach System und Version zwischen 50 und 75 Euro.

Bewertung: 4 / 6 4 / 6 4 / 6 4 / 6 4 / 6 4 / 6

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