Coverstory von

Ich wurde vergewaltigt...
aber ich bin kein Opfer

Coverstory - Ich wurde vergewaltigt...
aber ich bin kein Opfer © Bild: Matt Observe

Vergewaltigt. Zweimal. Über Jahre hinweg hat TV-Star Elke Winkens den düsteren Teil ihrer Biografie für sich behalten. Zunächst galt es, das Trauma zu verarbeiten und das eigene Leben wieder voll in den Griff zu bekommen. Doch gerade jetzt, meint sie, sei die Zeit reif, ganz offen darüber zu sprechen. Warum?

Frau Winkens, in unserem Vorgespräch am Telefon...
...habe ich gesagt, dass ich unbedingt etwas loswerden möchte. Weil ich wirklich wütend bin, seit ich all diese Geschichten über Roman Rafreider gelesen habe. Ich kenne ihn zwar nicht sehr gut, aber doch schon eine Zeit lang. Und ich dachte mir: Jetzt geht's auch bei uns zu wie im Mittelalter.

Mittelalter - was meinen Sie damit konkret? Dem ORF-Moderator wird von seiner Ex-Partnerin vorgeworfen, in Form von Textnachrichten psychische Gewalt ausgeübt zu haben und sogar handgreiflich geworden zu sein.
Tiefstes Mittelalter -das ist diese Art, jemanden öffentlich an den Pranger zu stellen. Im Zweifel für den Angeklagten, das wurde im Falle von Rafreider abgeschafft. Aber das ist ja kein Einzelfall: James Franco hat den Golden Globe bekommen, in derselben Nacht hat ihm eine Frau "unangemessenes Verhalten" vorgeworfen - damit ist er weg vom Fenster. Chuck Close hat seine Ausstellung wegen "verbaler Belästigung" nicht abhalten dürfen. Und wenn das National Gallery of Art in Washington seine Ausstellung zurückzieht, dann kann er auch nirgendwo anders mehr ausstellen -der Mann sitzt aber im Rollstuhl. Und diese Liste ließe sich beliebig fortführen. Da geht es nicht "nur" um Ansehen, da geht es um Existenzverlust. Der Anwalt von Rafreiders Ex-Partnerin hat auf einem Privatsender sechs Minuten darüber geredet, was dieser Mann für ein Schwein ist. Aber hat sich die Frau jemals überlegt, wie das wohl für Rafreiders Teenager-Sohn ist? Wo ist die Rücksichtnahme auf einen Pubertierenden, der jetzt in die Gesellschaft hineinwächst? Und - was vermitteln wir unseren Kindern? Was sage ich etwa meiner 18-jährigen Nichte, wenn sie mich fragt, wo wir Frauen heute stehen?

Wo stehen Sie als Frau?
Ich bin dann eine Feministin, wenn es darum geht, mehr Arbeitsplätze und Gleichberechtigung zu schaffen. Ich bin keine Feministin, wenn es darum geht, die neue Macht, die wir Frauen gerade gewinnen, zu missbrauchen, um jemanden anderen klein zu machen, zu degradieren oder gar zu vernichten. Grundsätzlich finde ich ja jede Kampagne oder Initiative gut, die sich gegen Gewalt wendet. Metoo wendet sich gegen Gewalt an Frauen, sollte sich aber auch gegen Gewalt an Männern richten, denn Gewalt generell ist verheerend. Früher wurden Menschen am Dorfplatz an den Pranger gestellt, jetzt stellen wir die Männer im Internet an den Pranger - wo ist da der Fortschritt? Und glauben Sie mir, ich spreche hier jetzt nicht rein theoretisch, ich spreche durchaus als Betroffene.

Inwiefern?
Ich wurde in meinem Leben zweimal vergewaltigt.

Lesen Sie das komplette Interview mit Elke Winkens in der aktuellen Printausgabe von News (43-44/2018)!