Harald Mahrer: "Das ist ein Job-Killer"

Als Präsident der Wirtschaftskammer Österreich ist Harald Mahrer jüngst für weitere fünf Jahre bestellt worden - und tut sich in dieser Position zunehmend als Hardliner türkiser Regierungspolitik hervor. Der oberste Unternehmensvertreter des Landes über umstrittene Auftritte, die Folgen der Corona-Krise, seine Ablehnung einer Arbeitszeitverkürzung und wie viel er mit seinen Jobs wirklich verdient

von Cover - Harald Mahrer: "Das ist ein Job-Killer" © Bild: Ricardo Herrgott

News: Herr Mahrer, Sie wurden jetzt für weitere fünf Jahre als Wirtschaftskammerpräsident bestellt. Statt positiver Meldungen gab es im Vorfeld einen Shitstorm, weil Sie sich in Corona-Zeiten mit einer Magnumflasche Wein fotografieren ließen und zum Genuss aufgerufen haben. Bedauern Sie diesen Auftritt?
Harald Mahrer:
Nein, weil ich Betriebsbesuche mache - ich stelle mich auch neben eine dreistöckige Hochzeitstorte, in jede Autowerkstatt oder zu jeder Brautkleidschneiderin. Am Ende des Tages heißt die Botschaft: Wir werden in Österreich nur aus der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit zurück in die Vollbeschäftigung kommen, wenn Menschen konsumieren und Geld ausgeben -egal, wofür. Und nachdem damals gerade Gastronomieöffnung war, war es mir wichtig, zu sagen: Unterstützt die österreichische Gastronomie, indem ihr essen und trinken geht. Und ob ich da einen österreichischen Weißwein, einen Vulcano-Schinken oder eine Torte in der Hand gehalten hätte, war egal. Die Kritik kommt aus Oppositionsreihen, die mich sichtlich gerne als Reibebaum betrachten. Das ist Teil meiner Rolle.

Auch der Auftritt beim Opernball mit Ex-Erste Bank-Boss Andreas Treichl und Ihr Sager, die Kammer sei sparsam, weil sie ihren Gästen dort nur Mineralwasser kredenzte, sorgte für heftige Kritik
Dazu habe ich damals bereits alles gesagt - nämlich, dass die Kammer den Opernball besucht, weil wir dort die österreichische Wirtschaft repräsentieren und dafür sorgen, dass die heimischen Unternehmen Geschäfte machen und wir die Leute vernetzen. Punkt.

Viele kleine Unternehmer, die sich in der Krise weder einen Opernball noch eine Magnumflasche Wein leisten können, fühlen sich von solchen Auftritten aber provoziert. Nachvollziehbar?
Der Punkt ist, wenn in Österreich nicht konsumiert wird, kommt der Wirtschaftsmotor nicht in Schwung. Die Botschaft ist hundertprozentig richtig und als oberster Wirtschaftsvertreter muss ich die auch ins Land tragen. Nicht jedem gefallen alle Fotos.

Jetzt amtieren Sie eine weitere Periode. Die Wahlbeteiligung bei den heurigen Wirtschaftskammerwahlen lag aber bei schwachen 33 Prozent. Ist das wirklich eine Bestätigung?
Das ist bei allen Interessenvertretungen so. Ich würde mir eine höhere Beteiligung selbstverständlich wünschen, vor allem, weil die Organisation und die Kolleginnen und Kollegen eine sehr gute Arbeit machen - aber gerade deshalb sehen viele Unternehmen keine Notwendigkeit, zu einer Kammerwahl zu gehen.

Umgekehrt könnte man auch argumentieren, viele Unternehmen fühlen sich nicht vertreten und wählen deshalb nicht?
Dann würden sie doch zur Wahl gehen und eine Fraktion wählen, die ein anderes Programm als die Mehrheitsfraktion hat. Allerdings konnte auch bei dieser Wahl der Wirtschaftsbund zulegen und ein Sensationsergebnis von fast 70 Prozent erreichen.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen News-Ausgabe Nr. 20/28

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