"Couch Potatoes" von

Fußball-WM: Nur
Zuschauen ist ungesund

"Couch Potatoes" - Fußball-WM: Nur
Zuschauen ist ungesund
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Gesundheitsratschläge vor sportlichen Großereignissen haben im Angesicht der Fußball-WM wieder Saison.

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Vor allem gewarnt wird vor Bier-Exzessen vor dem TV-Bildschirm, wenn die Kicker ab diesen Donnerstag in Russland nicht nur um ihr Leiberl, sondern vor allem um Ruhm, Ehre und um den WM-Pokal laufen. Stress erhöht jedenfalls das Herz-Risiko.

"Couch Potatoe"

Wer als "Couch Potatoe" während der Fußball-WM Hunderte Stunden vor dem Fernseher sitzt, lebt auf jeden Fall ungesund. Jede Stunde Fernsehen pro Tag steigert - wie der Sozialmediziner Thomas Dorner vor vier Jahren anlässlich der letzten Weltmeisterschaft erklärte - das Mortalitätsrisiko um vier Prozent. Der intensive TV-Konsum hat diesen Effekt aber langfristig, nicht nur zu Fußball-Hochzeiten oder zu Olympischen Spielen.

Ganz anders ist das laut mehreren wissenschaftlichen Studien bei akuten Herzproblemen während derartiger Großveranstaltungen, vor allem bei der Herzinfarktfrequenz unter den Fans. Im Jahr 2002 waren von Schweizer Kardiologen während der Fußball-WM um 60 Prozent mehr Todesfälle infolge von akuten Herzproblemen als sonst registriert worden. Im Dezember 2002 publizierten Wissenschafter im "British Medical Journal" eine Studie, wonach am Tag des Spiels England gegen Argentinien während der Weltmeisterschaft des Jahres 1998 (Achtelfinale) in Großbritannien um 25 Prozent mehr Menschen mit Herzinfarkten ins Spital kamen.

Herzinfarkt vor dem TV-Schirm

Anfang 2008 veröffentlichten Mediziner des Universitätsklinikums München-Großhadern im "New England Journal of Medicine" (Bd. 358, S. 475) eine Studie, wonach bei der WM 2006 das Risiko für Männer für einen tödlichen Herzinfarkt vor dem TV-Schirm auf das 3,26-Fache, bei Frauen immerhin auch noch auf das 1,82-Fache stieg. Die meisten Notfälle ereigneten sich in den ersten zwei Stunden nach dem Beginn des Spiels, berichten die Mediziner.

Österreichs Fußballfans zeigten sich 2008 während der Europameisterschaft in Wien allerdings ziemlich Infarkt-resistent. Als am 16. Juni jenen Jahres die österreichische Mannschaft im Wiener Ernst-Happel-Stadion gegen Deutschland ein 0:1 kassierte und damit den Aufstieg ins Viertelfinale verpasste, wurden in Wiener Kliniken eher weniger als mehr Patienten mit akutem Herzinfarkt behandelt.

Ganz anders sieht es beim sogenannten "Substanzgebrauch" - legalerweise eben beim Alkohol - zu WM-Zeiten aus. Steht das DFB-Team bei Weltmeisterschaften auf dem Platz, häufen sich in Deutschland die Alkoholvergiftungen. Das zeigte eine Analyse der Krankenversicherung DAK für die WM-Turniere 2006 und 2010. Bei Spielen der Deutschen kamen demnach 15 Prozent mehr Patienten mit Alkoholvergiftungen in die Kliniken als an durchschnittlichen Tagen. Während nach Auswertung der Krankenhausdaten an normalen Tagen im Schnitt 40 Alkoholvergiftungen behandelt wurden, waren es bei den Weltmeisterschaftsspielen 46 Fälle pro Tag.

Tipps von Experten

In dieser Untersuchung fanden sich allerdings keine Belege dafür, dass spannende Fußballspiele schlecht für das Herz sind. Im Gegenteil: In den Kliniken wurden laut DAK 20 Prozent weniger Patienten mit der Diagnose Herzinfarkt aufgenommen, wenn die deutsche Mannschaft auf dem Platz stand.

Experten von der MedUni Wien empfehlen jedenfalls auch für die kommenden Fußball-Wochen vor allem Wasser als Getränk - oder zumindest mit Wasser aufgespritzte Obstsäfte. "Das gesündeste Getränk ist und bleibt Wasser", wurde Ernährungswissenschafterin Maria Wakolbinger am Dienstag in einer Aussendung zitiert. Wer aber dennoch nicht auf Geschmack bei Getränken verzichten wolle, sollte aus gesundheitlicher Sicht Limonaden und Fruchtsäfte mindestens im Verhältnis eins zu drei aufspritzen. Ähnliches gelte für den "sauren Radler" mit Mineralwasser und Bier.

An einigen Tagen der WM finden drei Spiele an einem Tag statt. Wer statt Limonade oder purem Fruchtsaft beim TV-Konsum "Gespritztes" zu sich nimmt, spart enorm an Kalorien. Wakolbinger sagte: "Ein halber Liter Limonade hat im Schnitt etwas mehr als 200 Kalorien bzw. 18 Zuckerwürfel. Mischt man das im Verhältnis eins zu drei sind das demnach bei gleicher Menge nur noch 50 Kalorien bzw. fünf Zuckerwürfel." Gewöhnt man sich an gespritzte Getränke, wird sich, so Wakolbinger, auch der Geschmack längerfristig umstellen - und damit ein gesundheitlich positiver Effekt einstellen.

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