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Côte d'Azur: Auf den
Pfaden der großen Künstler

Reisen - Côte d'Azur: Auf den
Pfaden der großen Künstler © Bild: Getty Images

Bevor die Côte d'Azur zum Treffpunkt der internationalen High Society wurde, waren die kleinen, beschaulichen Dörfer Inspiration und Rückzugsorte großer Künstler. Was von dieser Zeit geblieben ist und warum sich ein Besuch immer noch lohnt.

© iStockphoto.com Verwinkelte Gassen, leuchtende Blumen, einmaliges Licht: Ein Spaziergang durch die Altstadt Nizzas fühlt sich an wie eine Zeitreise

Und tatsächlich: Beim Flanieren durch die Altstadt von Nizza und entlang der Küste kann man ihn noch fühlen, diesen Esprit der Belle Époque. Ihn konnten selbst die zahlreichen Pauschaltouristen und Reisegruppen nicht vertreiben. Wer sich seinen Weg durch das Touristenzentrum bahnt und es wagt, sich in den kleinen, romantischen Gassen der Altstadt zu verlieren, wird mit der Entdeckung einmaliger kleiner Shops, Restaurants und Bars belohnt. Doch auch die Ortsteile außerhalb der Stadt sind einen Besuch wert.

© Sinah Edhofer In der Kleinstadt Le Cannet drängt sich ein pastellfarbenes Häuschen dicht ans nächste

Matisse und Chagall

Etwa 30 Gehminuten vom Stadtzentrum Nizzas entfernt liegt der Ortsteil Cimiez. Das hügelige, von Olivenbäumen, Blumen und Villen gesäumte Viertel auf dem Mont Gros lädt zum Spazieren und Gustieren ein - und gustieren sollten Sie hier unbedingt, denn wer in Nizza urlaubt, sollte sich die traditionelle Küche auf keinen Fall entgehen lassen. Im Restaurant L'Autobus wird nur serviert, was den hohen Ansprüchen der "Cuisine Nissarde" auch genügt. Zucchiniblüten-Krapfen, Ravioli und Ratatouille werden hier konsequent nach Originalrezepten zubereitet.

© Sinah Edhofer Als "Cuisine Nissarde" dürfen sich nur zertifizierte Lokale bezeichnen. Das L'Autobus in Nizza ist ein wahrer Geheimtipp

In Cimiez befindet sich außerdem das berühmte Musée National Marc Chagall. Das Museum ist auf Wunsch des Künstlers entstanden, der seine wichtigsten Werke an einem Ort versammelt wissen wollte. Viele seiner Arbeiten behandeln die Thematik des Alten Testaments. Besonders beeindruckend ist die Glasfassade des Museums, die Chagall gestaltet und perfektioniert hat. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt das Musée Matisse, in jener Villa aus dem 18. Jahrhundert, die Henri Matisse bis zu seinem Lebensende bewohnte. Cimiez wurde auch zur letzten Ruhestätte des Künstlers: Matisse liegt auf dem wunderschönen Friedhof Cimetière du Monastère de Cimiez begraben. Im Hintergrund erhebt sich das neugotische Franziskanerkloster aus dem 16. Jahrhundert, das zu einem beliebten Pilgerziel wurde. Heute sind Besichtigungen des Klosters möglich. Weiter Richtung Süden liegt der Luftkurort Le Cannet. Der kleine Ort ist zwar weitaus unbekannter als das glamouröse Cannes, in Sachen Kunst und Kulinarik hat Le Cannet aber einiges zu bieten. Starkoch Bruno Oger gilt als bester Koch Frankreichs und verköstigt Hollywood-Stars beim alljährlichen Filmfestival in Cannes, in Le Cannet hat Oger 2010 sein La Bastide Bruno Oger eröffnet. Sein innovatives Konzept besteht aus einem kulinarischem Zwei-Sterne-Michelin-Tempel (La Villa Archange) und einem stylischen Bistrot mit grandiosem Preis-Leistungs-Verhältnis.

© picturedesk.com/ Visum/Rainer Hackenberg Eine Villa aus dem 18. Jahrhundert beherbergt bedeutende Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen von Henri Matisse

Bonnard und Picasso

Auch das beschauliche Le Cannet war die Dependance eines berühmten Malers: Für Pierre Bonnard war der Süden Frankreichs stets eine große Inspirationsquelle. Im Jahr 1926 kaufte er sich ein Haus und nannte es liebevoll "Le Bosquet", das Wäldchen. Ab 1939 bis zu seinem Tode 1947 lebte er hier mit seiner Frau Marthe de Meligny, die zwar nie für ihn Modell stand, jedoch häufig in seinen Werken zu sehen ist. Es verging kein Tag, an dem Bonnard nicht die kurvige, vier Kilometer lange Straße entlang der Route de Vallauris entlang spazierte und den Ausblick auf Cannes skizzierte. Zahlreiche Entwürfe und etliche seiner bekanntesten Bilder entstanden in jener Zeit, die Bonnard zurückgezogen in seinem kleinen rosafarbenen Häuschen verbrachte: Der Mandelbaum im Garten ("L'Amandier en fleurs") oder Marthe beim Baden ("Nu dans la baignoire"), zum Beispiel.

© J-L Andral Das Picasso-Museum liegt auf der ehemaligen Akropolis in Antibes Juan-les-Pins. Picasso malte hier ab 1946

30 Minuten Autofahrt entfernt liegt das bekanntere Antibes Juan-les-Pins mit dem größten Yachthafen Europas, Port Vauban. Neben Jetset und Lifestyle-Tempeln beeindruckt vor allem die urige Altstadt innerhalb der Festungsmauern, der typisch provenzalische Markt am Cours Masséna und die einmalige Aussichtsplattform Plateau de la Garoupe. Kunstliebhaber kommen im Picasso-Museum voll auf ihre Kosten: 1946 hat Picasso Teile des Schlosses als Atelier genutzt und zahlreiche Skulpturen, Malereien und Keramiken geschaffen. Die Côte d'Azur inspiriert wahrhaft. Allerdings nicht nur Künstler.

Der Beitrag erschien ursprünglich im News 39/2019.