Costa Concordia von

Kapitän Schettino
nach Urteil "enttäuscht"

54-Jähriger behauptet: "Ich habe das Schiff nicht verlassen"

Kapitän Francesco Schettino © Bild: REUTERS/Max Rossi

Nach seiner Verurteilung zu 16 Jahren und einem Monat Haft wegen des Schiffsunglückes der Costa Concordia hat sich Kapitän Francesco Schettino "enttäuscht" gezeigt. "Ich werde weiterhin kämpfen, um zu beweisen, dass ich das Schiff nicht verlassen habe", betonte der 54-Jährige.

Schettinos Verurteilung ist nicht rechtskräftig. Seine Anwälte wollen Berufung einlegen. Bis das Verfahren durch die nächsten Instanzen gegangen ist, könnten Jahre vergehen. Der erstinstanzliche Prozess hatte im Juli 2013 begonnen.

Anwalt: "Havarie war ein Unfall"

"Die Strafe ist hart. Die Tatsache, dass wir die übertriebene Haftforderung der Staatsanwaltschaft um fast die Hälfte reduzieren konnten, gibt Schettino jedoch ein wenig seiner Würde zurück. Der Kapitän ist kein Verbrecher. Die Havarie der Costa Concordia war ein Unfall", betonte Schettinos Rechtsanwalt Domenico Pepe. Sein Mandant sei schwer mitgenommen, daher sei er bei der Urteilsverkündung am Mittwochabend nicht anwesend gewesen.

Bürgermeister: Entschädigung zu niedrig

Der Bürgermeister der toskanischen Insel Giglio, vor der der Luxusliner am 13. Jänner 2012 verunglückt war, kritisierte die Entschädigung in Höhe von 300.000 Euro, die das Gericht seiner Gemeinde zugesprochen hat. Die Entschädigung sei zu niedrig für den Schaden, den die Insel erlitten habe, beklagte Sergio Ortelli. Auch die Region Toskana musste sich mit einer Entschädigung von 300.000 Euro begnügen.

Staatsanwältin zeigt sich mit Urteil zufrieden

Staatsanwältin Maria Navarro zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Sie hatte eine Haftstrafe von 26 Jahren und drei Monaten für den Kapitän gefordert. Schettino war der einzige Angeklagte in dem Prozess um die Havarie, bei der vor der toskanischen Insel Giglio 32 Personen ums Leben gekommen waren. Die Staatsanwaltschaft hob hervor, dass der Kapitän in allen Punkten verurteilt worden sei, für die er angeklagt war.

Schettino, der nach dem Unglück fast sechs Monate unter Hausarrest verbracht hatte, wurden mehrfache fahrlässige Tötung, das vorzeitige Verlassen des Schiffes während der Evakuierungsaktion, die Verursachung von Umweltschäden und falsche Angaben an die Behörden vorgeworfen. Das Gericht lehnte jedoch den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Inhaftierung des Kapitäns wegen Fluchtgefahr ab.

Schettino und Reederei müssen 12 Mio. zahlen

Das Gericht in Grosseto hat Francesco Schettino und die Reederei Costa Crociere zur Zahlung von Entschädigungen an mehrere Nebenkläger in Höhe von insgesamt 12,3 Millionen Euro verurteilt. Zu den Nebenklägern zählen überlebende Passagiere, Hinterbliebene, die Region Toskana und das italienische Umweltministerium.

Passagiere sollen insgesamt vier Millionen Euro bekommen. Mehrere Institutionen, darunter die Gemeinde auf der Insel Giglio werden insgesamt 5,5 Millionen Euro erhalten. Deren Bürgermeister kritisierte die Entschädigung in Höhe von 300.000 Euro, die das Gericht seiner Gemeinde zugesprochen hat. Die Entschädigung sei zu niedrig für den Schaden, den die Insel erlitten habe, beklagte Sergio Ortelli. Auch die Region Toskana musste sich mit einer Entschädigung von 300.000 Euro begnügen.

Entschädigung für Ex-Geliebte

Eine Entschädigung in Höhe von 30.000 Euro erhielt die Ex-Geliebte des Kapitäns, Domnica Tschemortan, zugesprochen. Diese hatte berichtet, einen doppelten Schaden als Passagierin und wegen des "Medienangriffes" aufgrund ihrer Beziehung zum Kapitän erlitten zu haben. Sie hatte deswegen eine Entschädigung von 200.000 Euro verlangt. Die Tänzerin hatte sich zum Zeitpunkt des Unglücks mit Schettino auf der Kommandobrücke des Schiffes aufgehalten.

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