Costa Concordia von

Österreicher im Visier

Behörden ermitteln gegen exekutiven Vizepräsidenten der Kreuzfahrtgesellschaft

Costa Concordia - Österreicher im Visier © Bild: Reuters/Sposito

Die Behörden ermitteln im Fall des gesunkenen Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" nun auch gegen einen Österreicher wegen des Verdachts der Beihilfe zur fahrlässigen Tötung. Der Mann ist als exekutiver Vizepräsident bei der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere tätig. Die ermittelnden Staatsanwälte haben den Oberösterreicher bereits am 7. Februar befragt.

"Wir sind der Ansicht, dass der Manager als Mitglied der Kriseneinheit der 'Costa Concordia' in der Nacht des Unglücks nicht alles Notwendige unternommen hat, um den Schiffskapitän beim Ergreifen der richtigen Beschlüssen in der Notstandslage zu unterstützen", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Francesco Verusio am Freitag. Das Schiff hatte am 13. Jänner vor der Toskana einen Felsen gerammt und ist teilweise gesunken. Vermutlich 32 Menschen kamen ums Leben.

Der Oberösterreicher, der für die technischen Operationen der gesamten Costa-Flotte zuständig ist, war in der Nacht des Schiffsbruches in telefonischem Kontakt mit Bordoffizier Manrico Giampietroni, der mehrere Menschenleben gerettet hatte und 36 Stunden nach der Havarie lebend aus dem Schiff geborgen wurde. Der gebürtige Ennser gilt als Veteran in der Kreuzfahrt-Branche. Bei mehreren großen Reedereien war er im Spitzenmanagement tätig.

Kapitän nicht allein schuld
Ermittelt wird auch gegen den Chef des Krisenstabs der "Costa Concordia", Roberto Ferrarini, gegen Flotten-Inspekteur Paolo Pardoni, sowie gegen vier Offiziere, die sich an Bord der Kommandobrücke befanden, als sich das Unglück ereignete. Sie werden beschuldigt, Kapitän Schettino nicht darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass sich das Schiff bei einer Geschwindigkeit von 15 Knoten der Insel Giglio zu stark genähert hatte. Schettino wird unterdessen vorgeworfen, dass er den Hafenbehörden nicht sofort berichtete, dass das Schiff gegen den Felsen geprallt war.

"Die Costa-Manager hätten dem Kapitän zu einer bestimmten Verhaltensweise aufrufen müssen, sie haben es aber nicht getan. Hätte die Kriseneinheit anders gehandelt, wären die Dinge in der Nacht des Unglücks anders verlaufen", meinte Verusio. Daher werde dem Oberösterreicher Beihilfe zur fahrlässigen Tötung in mehreren Fällen vorgeworfen. Hauptbeschuldigter ist Kapitän Francesco Schettino.

Unterdessen erhebt die Staatsanwaltschaft neue Vorwürfe gegen Schiffskapitän Francesco Schettino. Dieser habe den Hafenbehörden nicht sofort berichtet, dass das Kreuzfahrtschiff gegen einen Felsen vor der Insel Giglio geprallt war. Gegen Schettino ermitteln die toskanischen Justizbehörden bereits wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Schiffbruch. Er habe außerdem die "Costa Concordia" verlassen, obwohl noch mehrere Passagiere an Bord waren.

Costa verteidigt Österreicher
Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere drückt ihre volle Solidarität mit dem österreichischen Vizepräsidenten und mit den beiden weiteren Managern der Reederei aus, gegen die seit Mittwoch ermittelt wird. Die Reederei zweifle keineswegs an der Kompetenz und am ethischen Verhalten ihrer Mitarbeiter. "Unsere Mitarbeiter haben in den Stunden nach dem schweren Unfall mit der größten Professionalität gehandelt", hieß es in der Presseaussendung.

Noch mehr Tote sollen geborgen werden
Nachdem Taucher am Mittwoch acht Leichen in dem überfluteten Teil des Kreuzfahrtschiffes gefunden haben, wurden am Donnerstag die Arbeiten zur Bergung von vier Toten aufgenommen, die noch nicht geborgen worden waren. Vier Leichen wurden im Lift des Decks 4 entdeckt. Sieben Personen werden noch vermisst. Die "Costa Concordia" war am 13. Jänner mit mehr als 4.200 Menschen an Bord vor der toskanischen Insel Giglio havariert.