Costa Concordia-Unglück von

Jahrestag des Schiffsunglücks

Ein Jahr nach dem Drama verzögert sich die Bergung – Prozess beginnt demnächst

Costa Concordia Wrack vor Giglio © Bild: Getty/ AFP/FILIPPO MONTEFORTE

Die Tragödie beginnt am 13. Jänner 2012 um 21.45 Uhr: Ein lauter Knall erschüttert die Costa Concordia auf der Fahrt vom Hafen Civitavecchia ins ligurische Savona. Der Kreuzfahrtriese mit seinen 290 Metern Länge und 4.229 Menschen an Bord rammt einen Felsen vor der Insel Giglio. Der Ruck schüttelt die Passagiere durch, die zum Großteil gerade am Dinner im Speisesaal teilnehmen. Das Licht geht aus, die Costa Concordia neigt sich schnell zur Seite, Teller und Gläser rutschen von den Tischen. Die aufgeschreckten Menschen laufen zu den Rettungsbooten, stolpern und fallen die Stiegen hinunter.

Panik und Chaos bricht aus, als sich der Luxusliner um 80 Grad nach Steuerbord neigt. Doch über die Lautsprecher tönt die Nachricht, es handle sich lediglich um Probleme mit der Stromversorgung. Erst nach einer Stunde heulen die Schiffsirenen zur Evakuierung. Wegen der starken Schieflage können die Rettungsboote nur mühsam ins Meer gelassen werden. In der Dunkelheit herrscht entsetzliches Durcheinander, einige springen ins eiskalte Wasser. Im Teil des Schiffes, der unter Wasser liegt, bleiben mehrere Menschen eingeschlossen. Gegen 1.00 Uhr sind noch einige Hundert Passagiere an Bord. Fünf Boote der Küstenwache eilen zur Hilfe. Rettungskräfte ziehen zahllose Schiffbrüchige aus dem Meer und bringen sie auf die Insel Giglio. Die Einwohner öffnen Schulen, Kindergärten, Kirchen und Privathäuser und versorgen die Menschen mit Decken, Mänteln und heißen Getränken.

Ein Jahr ist seither vergangen. 30 Menschen kamen ums Leben, zwei gelten immer noch als vermisst. Auch 77 Österreicher befanden sich an Bord, konnten sich aber alle retten. Der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden (S) war unter den letzten Passagieren, die auf der Steuerbordseite das Schiff verlassen konnten. Er würde niemals wieder eine Kreuzfahrt unternehmen, berichtete er danach.

Wrack liegt immer noch vor Giglio

Noch immer liegt die "Costa Concordia" - im Besitz der italienischen Gesellschaft Costa Crociere - wie ein gestrandeter Wal vor der Insel Giglio. Eine riesige Arbeitsplattform wurde aufgefahren, turmhohe Kräne überragen das Wrack. Die Bergungsarbeiten, die im Sommer begonnen haben, kommen aber nur schleppend voran und gestalten sich schwieriger als erwartet. Hatte man vor kurzem noch gehofft, bis zum ersten Jahrestag das Schiff abschleppen zu können, so ist jetzt nicht vor kommendem September damit zu rechnen.

Prozess beginnt in Kürze

Die Herausforderung ist gigantisch: Das Schiff wiegt leer so viel wie 100 Maschinen des Typs Boeing 747. 400 Fachleute und 20 Schiffe sind rund um die Uhr im Einsatz. Auch die schwierige Wetterlage in der kalten Jahreszeit würde die Arbeiten verlangsamen, so Legambiente. Außerdem sei noch nicht bestimmt worden, in welchen Hafen das Schiff geschleppt werden soll.

In den nächsten Monaten wird in der toskanischen Stadt Grosseto der Prozess wegen des Unglücks beginnen. Bei Beweissicherungsterminen waren in den vergangenen Monaten vor allem technische Aspekte überprüft worden. Die Ermittlungen wurden bereits abgeschlossen, acht Personen müssen sich vor Gericht verantworten. Hauptangeklagt ist Kapitän Francesco Schettino, dem eine 20-jährige Haftstrafe droht. Schettino, der nach dem Unglück fast sechs Monate lang unter Hausarrest verbracht hatte, wird mehrfache fahrlässige Tötung, das vorzeitige Verlassen des Schiffes während der Evakuierungsaktion sowie Verursachung von Umweltschäden vorgeworfen. Zu den Beschuldigten zählt auch der oberösterreichische Vizepräsident der Costa Crociere, gegen den wegen des Verdachts der Beihilfe zur fahrlässigen Tötung ermittelt wird.

Costa rät "Concordia"-Überlebenden von Reise nach Giglio ab

Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere hat Überlebenden des Schiffbruchs der "Costa Concordia" von der Reise zu den Gedenkfeiern zum ersten Jahrestag des Unglücks auf der Insel Giglio abgeraten und damit heftige Kritik ausgelöst. In einem Brief an die Überlebenden schrieb das Unternehmen, die Gedenkfeier auf Giglio am kommenden Sonntag sei "den Familien derer gewidmet, die nicht mehr unter uns sind".

Aus logistischen Gründen sei es unmöglich, die mehr als 3.200 überlebenden Passagiere des Schiffsunglücks auf der Insel zu empfangen, hieß es in dem Schreiben. Den Überlebenden schlug die Kreuzfahrtgesellschaft deshalb die Teilnahme an dezentralen Gedenkfeiern in ihren jeweiligen Herkunftsländern vor.


Der französische Verband der Costa-Überlebenden kritisierte das Ansinnen heftig. Die Kreuzfahrtgesellschaft habe "von Anfang an ein unmenschliches und inakzeptables Benehmen" an den Tag gelegt, sagte Sprecherin Anne Decre am Donnerstag. Das Angebot, an dezentralen Feiern teilzunehmen, sei ein Versuch, "unser Schweigen zu erkaufen". Die Überlebenden wollten auch deshalb nach Giglio reisen, "um den Insulanern für alles zu danken, was sie in der Unglücksnacht für uns getan haben", betonte Decre.

Schettino wehrt sich gegen sein Image

Ein Jahr nach dem Unglück der Costa Concordia klagt Kapitän Francesco Schettino über eine Hetzkampagne gegen ihn. "Ich empfinde einen tiefen Schmerz für das, was in der Nacht des 13. Jänners geschehen ist. Ich bin schlimmer als Bin Laden dargestellt worden, während mein Bedauern für das Geschehene enorm ist. Ich wehre mich gegen das Image, das man aufgebaut hat, indem man nicht nur meine 30-jährige Arbeit, meine Erfahrung in aller Welt, sondern auch das Ansehen unseres Landes lächerlich gemacht hat", so der 52-Jährige im Interview mit der Turiner Tageszeitung "La Stampa" am Montag.

Schettino, dem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung 20 Jahre Haft pro Todesopfer drohen, bestritt, dass er das Schiff verlassen habe, um sein Leben zu retten, während sich tausende Passagiere noch an Bord der Costa Concordia befanden. Das Schiff habe sich nach dem Aufprall gegen die Felsen vor der Insel Giglio stark geneigt. "Dort wo ich mich befand, war es unmöglich, an Bord zu bleiben. Ich wäre unter Wasser geraten. Wäre ich so nützlicher gewesen? Ich glaube es nicht. Ich habe alles Mögliche unternommen, damit das Schiff unweit der Felsen stranden würde", erklärte der Kapitän.

Dem Kapitän wird mehrfache fahrlässige Tötung, das vorzeitige Verlassen des Schiffes während der Evakuierung sowie Verursachung von Umweltschäden vorgeworfen. Zu den Beschuldigten zählt auch der oberösterreichische Vizepräsident der Costa Crociere, gegen den wegen des Verdachts der Beihilfe zur fahrlässigen Tötung ermittelt wird.

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WeitraLord

Costa Concordia LIVE - Webcam (Auto-Refresh):

http://www.qicknews.de/Webcams/costa.php

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