Costa Concordia von

Heulboje statt Kapitän

Schiffspfarrer berichtet: Schettino hat nach Unglück "wie ein Kind geheult"

Costa Concordia - Heulboje statt Kapitän © Bild: APA/EPA

Der Kapitän der havarierten "Costa Concordia" hat nach Angaben eines Priesters nach dem Unglück vor einer Woche "wie ein Kind geheult". Nach seiner eigenen Rettung habe er gegen 2.30 Uhr mit Francesco Schettino gesprochen, sagte der 73-jährige italienische "Concordia"-Pfarrer Raffaele Malena am Freitag der französischen Wochenzeitung "Famille Chretienne". "Er hielt mich eine Viertelstunde lang umklammert und heulte wie ein Kind."

Malena selbst hatte nach eigenen Angaben das Kreuzfahrtschiff gegen 1.30 Uhr verlassen, sich davor aber noch die Zeit genommen, um in der Schiffskapelle Jesus anzuflehen, "so wenig Leute wie möglich sterben zu lassen". "Das Jesus-Kind lag noch in seiner Krippe, ich weinte und sprach mit ihm", sagte der Priester, der inzwischen in sein kalabrisches Dorf Ciro Marina zurückgekehrt ist.

Schettino: "Habe Pflicht getan"
Der Kapitän scheint sich unterdessen keiner Schuld mehr bewusst. Entgegen aller Anschuldigungen versichert er, dass er alles unternommen habe, um Passagiere und Besatzungsmitglieder in Sicherheit zu bringen. "Wenn ich einen Fehler gemacht habe, bin ich bereit, dafür die Verantwortung zu übernehmen. Man muss aber zuerst klären, welchen Fehler ich gemacht habe", wurde der unter Hausarrest stehende Francesco Schettino von seinem Rechtsanwalt Bruno Leporatti zitiert.

Der Rechtsanwalt des Kapitäns forderte die Entlassung seines Mandanten aus dem Hausarrest in seinem Heimatort Meta di Sorrento südlich von Neapel. Es bestehe keine Fluchtgefahr, sein Mandant habe außerdem keine Möglichkeit, für die Ermittlungen wichtiges Beweismaterial zu unterschlagen, berichtete der Anwalt.

Moldawierin nicht Geliebte des Kapitäns
Schettino bestritt, dass sich die junge Moldawierin Domnica Cemortan mit ihm auf der Kommandobrücke befand, als es zur Havarie kam. Er habe auch nicht zu viel getrunken, wie einige Besatzungsmitglieder berichteten. Schettino war vor einigen Tagen einem Drogen- und Alkoholtest unterzogen worden, deren Resultate noch nicht bekanntgegeben wurden. Ein Besatzungsmitglied behauptete, dass der Kapitän vor der Havarie beim Abendessen mit der blonden Moldawierin viel getrunken habe. Diese bestritt diese Aussagen vehement. "An Bord gibt es überall Videoanlagen. Es ist für Besatzungsmitglieder streng verboten, im Dienst zu trinken", sagte sie.

Domnica Cemortan bestritt auch, dass sie die Geliebte des Kapitäns sei, wie italienische Medien spekulieren. Die Frau sagte, Hostess der Reederei Costa Crociere gewesen zu sein. Sie habe auf der "Costa Concordia" Urlaub machen wollen. Sie sei bei Schettino gewesen, um seine Anweisungen russischen Passagieren zu übersetzen. Er sei ein "Held", der alles getan habe, was möglich gewesen sei. Sie sei bereit, für ihn vor den ermittelnden Staatsanwälten auszusagen.

Vermissten-Suche geht weiter
Inzwischen werden noch 22 Vermisste gesucht. Die Suchaktion wurde am Freitag mit Hilfe eines Unterwasser-Roboters fortgesetzt. Die Angehörigen der Vermissten versammelten sich am Freitag in der kleinen Kirche der Insel Giglio für eine Gebetswache. Elf Todesopfer wurden bisher gemeldet, acht davon konnten identifiziert werden.