Italien von

Costa Concordia schwimmt wieder

Bergung des Schiffes ist in Endphase getreten und schreitet nach Plan voran

Zweieinhalb Jahre nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia vor der Insel Giglio treibt der Stahlgigant wieder auf dem Wasser. Nachdem am Montag die letzten Vorbereitungen für den Abtransport des Schiffes begonnen hatten, konnte das mit der Bergung beauftragte Konsortium Titan-Micoperi einen Teilerfolg verkünden: Die Costa Concordia schwimmt wieder.

Das Wasser wurde mit komprimierter Luft aus den 30 Schwimmkörpern an beiden Flanken des mehr als 114.000 Tonnen schweren Kolosses gedrückt. Die Tanks trieben auf und hoben so das Schiff an. Anschließend wurde das Wrack 30 Meter aufs Meer geschleppt und dort verankert und befestigt. Der Plan, um die Costa Concordia schwimmfähig zu machen, schreite wie vorgesehen voran, versicherte Zivilschutzchef Franco Gabrielli. "Das Schiff beweist, sehr robust zu sein", erklärte Gabrielli.

Wrack taucht aus dem Wasser auf

In den kommenden Tagen will das internationale Team dann die letzten der 30 Schwimmkörper aus Stahl in Position bringen, bevor diese mit Luft gefüllt werden und dem Kreuzfahrtriesen so den nötigen Auftrieb für den Abtransport geben. Statt der bisher 30 Meter wird das Schiff dann einen Tiefgang von etwa 17 Metern haben. Am Dienstag oder Mittwoch sollen die Schwimmkörper abgesenkt werden, wenn das Wrack noch weiter aus dem Wasser aufgetaucht ist.

Binnen einer Woche soll die Costa Concordia für den Abtransport bereit sein und bis nach Genua geschleppt werden. Bei einer Geschwindigkeit von knapp vier Kilometern pro Stunde braucht der Kreuzfahrtkoloss dafür circa fünf Tage. Zwei Jahre wird dann das Verschrotten des Schiffs dauern. Bis zu 80 Prozent der Materialien sollen nach Angaben der Verantwortlichen recycelt werden.

500 Fachleute im Einsatz

Nach dem Aufschwimmen werden vier Schlepper und zehn Begleitschiffe das Wrack nach Genua führen. Seit mehr als zwei Jahren arbeiten die Experten an der komplizierten und risikoreichen Bergung. 500 Fachleute sind rund um die Costa Concordia im Einsatz, 120 davon sind Taucher, 50 Ingenieure. 30 Schiffe und Boote werden im Rahmen der Abschleppung eingesetzt. Engagiert sind auch zehn Biologen der Universitäten von Rom und Genua, die mögliche umweltbelastende Auswirkungen der Abschleppung auf das Meer kontrollieren werden.

Die Bergung der Costa Concordia wird eineinhalb Milliarden Euro kosten, berichtete der Geschäftsführer der Reederei Costa Crociere, Michael Thamm. Man könne die Schäden der Havarie für den Costa-Crociere-Mutterkonzern Carnival noch nicht genau berechnen. "Es gibt Kollateralschäden, die man schwer beziffern kann, sie sind jedoch beträchtlich", sagte der Geschäftsführer.

"Jegliche Spur entfernen"

Der italienische Umweltminister Gianluca Galletti zeigte sich über den positiven Anlauf der Abtransportoperation zufrieden, warnte jedoch vor allzu großer Euphorie. Es sei noch lang, bis der Kreuzfahrtriese in Genua eintreffen werde. "Unsere Aufgabe ist es, auch nach der Abschleppung des Schiffes jegliche Spur der Havarie zu entfernen. Erst dann wird unsere Arbeit wirklich zu Ende sein", meinte der Minister.

Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Jänner 2012 mit mehr als 4.200 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf Grund gelaufen, 32 Menschen starben. Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 77 Österreicher auf der Costa Concordia, die sich alle retten konnten. Die Reederei Costa Crociere hat ihre Mitverantwortung eingestanden, da mehrere Angestellte des Unternehmens für die Havarie verantwortlich gemacht werden.

Kommentare