Coronavirus: Darauf
sollten Sie jetzt achten

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis das neue Coronavirus SARS-CoV-2 auch Österreich erreicht. Am gestrigen Dienstag wurden in Tirol die ersten zwei Erkrankungsfälle gemeldet. Was bedeutet das nun für uns? Wie können wir uns schützen? Und was macht das Virus so gefährlich? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Fragen rund um das Coronavirus werden rund um die Uhr bei der AGES-Hotline unter 0800-555-621 beantwortet. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der AGES sowie auf der Homepage des Gesundheitsministeriums.

In China starben seit Ausbruch der Epidemie bereits über 2.600 Menschen an Covid-19, der durch das neue Coronavirus ausgelösten Erkrankung. Mehr als 80.000 sind bis dato erkrankt. In Deutschland konnte die weitere Ausbreitung in Schach gehalten werden. Weil man den "Patienten null" - also jene Person, von der die Ansteckung ursprünglich ausging - fand. Das gelang in Italien nicht, wo bereits über 370 Personen erkrankt und zwölf gestorben sind (Stand 26.2.).

"Nachdem die Erkrankungszahlen in China erstmals rückläufig waren, hat uns das plötzliche gehäufte Auftreten von SARS-CoV-2 in Italien alle etwas überrascht", kommentiert Prof. Florian Thalhammer, Infektiologe der MedUni Wien. Mittlerweile gibt es auch die ersten bestätigten Fälle in Österreich.

Wie kann ich mich schützen?

Das neue Coronavirus wird in erster Linie per Tröpfcheninfektion übertragen. "Dazu braucht es einen nahen Kontakt zum Patienten", erklärt Prof. Judith Aberle, Virologin der MedUni Wien. Konkret bedeutet das: Wer mindestens 15 Minuten lang mit einer infizierten oder erkrankten Person spricht, läuft Gefahr, sich bei dieser anzustecken. Die Übertragung findet aller Wahrscheinlichkeit nach auch über kontaminierte Objekte statt. Etwa dann, wenn man einen Gegenstand, der von einer infizierten Person angehustet wurde, berührt und sich danach mit der Hand ins Gesicht fährt.

»Coronaviren können sowohl harmlose Erkältungskrankheiten als auch schwer verlaufende Atemwegsinfektionen verursachen«

Um einer Ansteckung vorzubeugen, sollte man den direkten Kontakt zu Erkrankten meiden. Das ist, wenn man nicht weiß, ob eine Person das Virus in sich trägt oder nicht, nicht so einfach. Dennoch kann man sich schützen: "Der beste Schutz ist - wie bei der saisonalen Grippe - regelmäßiges Händewaschen", erklärt Thalhammer. Zudem gelte es, Menschenansammlungen zu vermeiden. Das Tragen von Atemschutzmasken hingegen bringe nichts. Deren Anwendung wird lediglich bereits Erkrankten empfohlen, damit sie noch noch weitere Personen anstecken.

Welche Symptome treten auf?

Nach derzeitigem Erkenntnisstand beträgt die Inkubationszeit zwei bis 14 Tage. Danach können Symptome wie Halskratzen, Husten, Schnupfen, Atemnot, eine Entzündung der Bindehaut und Durchfall auftreten. Auch Fieber ist möglich. Bei schweren Krankheitsverläufen kann es auch zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung, im schlimmsten Fall sogar zu Multiorganversagen und somit zum Tod kommen.

Wie gefährlich ist das neue Coronavirus?

Einmal heißt es, SARS-CoV-2 sei harmloser als die saisonale Grippe, dann wiederum wird das Gegenteil behauptet. Was stimmt denn nun? "Beides ist richtig", sagt Thalhammer. "Coronaviren können sowohl harmlose Erkältungskrankheiten als auch schwer verlaufende Atemwegsinfektionen verursachen." In der Regel verläuft eine Erkrankung aber heftiger als bei einer gewöhnlichen Erkältung. Schlicht und einfach deshalb, weil unser Immunsystem das Virus noch nicht kennt und folglich nicht sofort die notwendige Abwehrreaktion in die Wege leiten kann.

14 bis 20 Prozent der Infizierten erkranken schwer. Die Sterblichkeit dürfte laut AGES bei bis zu drei Prozent und damit deutlich unter jener von MERS (über 35 Prozent) und SARS (rund 10 Prozent) liegen. Weil ein großer Teil der SARS-CoV-2-Infektionen ohne jegliche Symptome verläuft, seien diese Zahlen aber mit Vorsicht zu genießen. "Man weiß nicht, wie groß die Krankheitspyramide tatsächlich ist", gibt Aberle zu bedenken. "Angenommen, die Zahl der Infektionen ist weit höher als bisher bekannt, dann verringert sich damit auch wieder die Sterberate."

»Auch junge Menschen können schwer erkranken. Das ist aber die Ausnahme«

"WHO-Daten zeigen, dass die Sterblichkeit außerhalb Wuhans bei 0,7 Prozent und außerhalb Chinas bei 0,4 Prozent liegen dürfte", sagt Thalhammer. Gefährdet sind vor allem ältere und kranke beziehungsweise immungeschwächte Personen. Vorerkrankungen wie eine Lungenerkrankung, eine Herz-Kreislauferkrankung oder Diabetes begünstigen einen schweren Krankheitsverlauf. "In einzelnen Fällen können auch junge Menschen schwer erkranken. Das ist aber die Ausnahme", entwarnt Aberle.

Was macht das neue Coronavirus so tückisch?

Für gewöhnlich unterscheidet man zwischen Viren, die sich in den tiefen Atemwegen verbreiten, und solchen, die sich in den oberen Atemwegen verbreiten. Während Erstere schwere Erkrankungen verursachen können, dafür aber nicht so leicht übertragbar sind, sind Zweitere zwar ansteckender, rufen im Gegensatz zu Ersteren aber nicht so schwere Erkrankungen hervor. Das neue Coronavirus vermehrt sich sowohl in den oberen als auch in den unteren Atemwegen - kann also leicht übertragen werden und gleichzeitig zu einer schweren Erkrankung führen.

Ein weiterer Risikofaktor ist die lange Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen. Man geht davon aus, dass während dieser Phase bereits eine Ansteckung erfolgen kann. Nun kann eine infizierte Person, die nichts von ihrer Erkrankung weiß und sich zwei Wochen lang frei bewegt, zu einer rasanten Ausbreitung des Virus beitragen. Dasselbe gilt für Patienten, deren Erkrankung asymptomatisch verläuft.

Was ist bei Verdacht auf eine Infektion zu tun?

"Wenn jemand Symptome hat, die ähnlich der Grippe sind, nicht mehr hinausgehen, sondern direkt den Arzt kontaktieren. Und nicht mehr in öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, wo viele Menschen sind", warnte Gesundheitsminister Rudolf Anschober bereits am Montag. Es gilt also zuhause zu bleiben und die Gesundheits-Hotline unter der Telefonnummer 1450 anzurufen. Im Gespräch mit dem beratenden Arzt wird über die weitere Vorgehensweise entschieden.

Wird eine Person positiv auf SARS-CoV-2 getestet, so kommt sie in Quarantäne. Der Aufenthalt kann bis zu zwei Wochen dauern. Auf jeden Fall aber so lange, bis das Virus nicht mehr nachweisbar ist. Wobei Quarantäne nicht automatisch die Unterbringung in einem Krankenhaus bedeutet. So gibt es auch die Möglichkeit der Heimquarantäne. "Mitunter kann auch eine ganze Familie in Heimquarantäne genommen werden", ergänzt Aberle. Ob daheim oder im Krankenhaus, entscheidet schließlich die Behörde.

Was soll ich tun, wenn ich Kontakt mit einem Erkrankten hatte?

Wer Kontakt zu einer Person hatte, bei der das neuartige Coroanvirus nachgewiesen wurde, muss sich für 14 Tage in Heimquarantäne begeben. Während dieser Zeit muss der Betroffene seinen Gesundheitszustand überprüfen, sprich Fieber messen und auf etwaige Symptome achten. Treten Symptome auf, ist ein Arzt zu kontaktieren. In Absprache mit diesem wird über die weiteren Schritte entschieden.

Wie verläuft die Behandlung?

In China laufen bereits klinische Studien mit teils bekannten, teils neuen Substanzen. "Sind die Studien erfolgreich, wird es auch Therapiemöglichkeiten geben", erklärt Thalhammer. Wie gut und schnell diese dann greifen, ließe sich derzeit aber noch nicht abschätzen. Abgesehen davon dürfte es wohl noch eine Zeitlang dauern, bis es tatsächlich eine entsprechende Medikation gibt. Demnach können im Moment nur die Symptome behandelt, sprich das Fieber gesenkt und - wenn notwendig - der Patient künstlich beatmet werden.

Ebenso eine Weile dauern dürfte es wohl noch, bis es eine Impfung gegen SARS-CoV-2 gibt. "Es wird daran gearbeitet", bestätigt Aberle. "Für die erste Ausbreitungswelle, die wir gerade erleben, wird allerdings keine Impfung mehr möglich sein." Eine solche wird aller Voraussicht nach erst in ein, zwei Jahren verfügbar sein. Dann aber könnte sie Betroffene vor einer schweren Erkrankung schützen.

Wird SARS-CoV-2 irgendwann wieder verschwinden?

"Man geht davon aus, dass das neue Coronavirus im Gegensatz zu SARS nicht wieder verschwinden, sondern, so wie MERS, weiterhin zirkulieren wird", erklärt Thalhammer. Es sei jedoch anzunehmen, dass sich unser Organismus - so, wie das auch bei den anderen vier Coronaviren der Fall ist, die nach wie vor grassieren und den Menschen befallen können - an das Virus anpasst. Mit der Folge, dass sich sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere einer Erkrankung im Bereich einer Erkältung beziehungsweise einer Grippe einpendeln werden.

Lesen Sie in der Printausgabe von News (Ausgabe 09/2020) weiter: "Die Corona-Hysterie"