Häusliche Quarantäne: Diese
Hygieneregeln sind zu beachten

Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Personen ist in den letzten Tagen deutlich gestiegen. Um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen, wird bei Verdacht auf eine Infektion - so wie auch bei leichten Erkrankungsfällen - häusliche Quarantäne angeordnet. Was bedeutet das für Betroffene? Und worauf müssen deren Mitbewohner achten?

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Dem Epidemiegesetz zufolge kann in Österreich bei "Kranken, Krankheitsverdächtigen oder Ansteckungsverdächtigen" Quarantäne angeordnet werden. Konkret bedeutet dass, das Personen, die nachweislich an Covid-19 erkrankt sind oder aber im Verdacht stehen, sich mit SARS-CoV-2 infiziert zu haben, unter Quarantäne gestellt werden können. Ein Infektionsverdacht besteht dann, wenn man innerhalb von 14 Tagen, nachdem man sich in einem Risikogebiet aufgehalten oder Kontakt zu einer erkrankten Person gehabt hat, Symptome wie Husten, Fieber oder Atemnot aufweist.

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Was genau bedeutet nun aber häusliche Quarantäne für den Betroffenen und dessen Mitbewohner? Welche Vorsichtsmaßnahmen sind zu ergreifen? Zuerst einmal müsse man unterscheiden, ob es sich bei dem unter Quarantäne Gestellten um einen nachweislich Infizierten oder um einen reinen Verdachtsfall handelt, sagt die Hygienikerin und Mikrobiologin Prof. Miranda Suchomel. Weist der Betroffene keinerlei Symptome auf, so gelten für ihn die üblichen Hygienemaßnahmen wie das Einhalten der Husten- und Nies-Etikette und regelmäßiges gründliches Händewaschen.

Wie sinnvoll ist die räumliche Trennung?

Soziale Kontakte gilt es zu minimieren. Auf Besuch muss demnach verzichtet werden. Denn "auch als Symptomloser kann man streuen", erklärt die Expertin der MedUni Wien. Immer vorausgesetzt natürlich, dass man tatsächlich infiziert ist und einen gewissen Mindestabstand, etwa beim Niesen, unterschreitet, sodass es zu einer Tröpfcheninfektion kommen kann. Die räumliche Trennung von Mitbewohnern im reinen Verdachtsfall hält Suchomel nur dann für sinnvoll, wenn Letztere nicht unter Quarantäne stehen, sprich das Haus oder die Wohnung jederzeit verlassen dürfen.

»Gewöhnliche Atemschutzmasken schützen vor vielem, aber sicher nicht vor Corona«

Anders bei einem nachweislich an Covid-19 Erkrankten. Hier sollte die räumliche Trennung sehr wohl vorgenommen werden. Personen, die den Erkrankten pflegen, sollten Abstand halten. "Empfohlen werden zwei bis drei Meter", sagt die Mikrobiologin. Wobei das Ansteckungsrisiko von der jeweiligen Situation abhängt. Befindet sich der Erkrankte etwa im Bett und schläft, so ist die Gefahr, dass man sich infiziert, wenn man sich ihm auf unter zwei Meter nähert, geringer, als wenn er wach ist, niest und hustet. "Es sind nun einmal die Tröpfchen, über die die Übertragung in erster Linie erfolgt."

Darauf ist im Erkrankungsfall zu achten

Gemeinsam genutzte Räume sollten im Erkrankungsfall nacheinander benutzt werden. Und auch aufs Lüften dürfe man nicht vergessen. Abgesehen davon gelten für den Erkrankten jene Regeln, wie man sie auch im Falle eines grippalen Infekts ergreifen sollte. Soll heißen: Ins Taschentuch oder die Ellenbeuge husten oder niesen, benutzte Taschentücher umgehend entsorgen, nach dem Schneuzen die Hände waschen und Abstand halten. "Diese Maßnahmen sollte man aber ohnehin einhalten - egal, ob man sich mit SARS-CoV-2 infiziert hat oder nicht", merkt die Hygienikerin an.

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Die Pflege sollte nicht auf mehrere Personen aufgeteilt, sondern von einer übernommen werden. Sinnvoll sei hier auch der Einsatz eines Handdesinfektionsmittels. Dieses sollte man direkt vor dem Verlassen des Raums verwenden - um zu vermeiden, dass man die Viren auf dem Weg ins Badezimmer auf Türklinken, Lichtschaltern und anderen Gegenständen deponiert. Dabei kommt es auf die Wahl des Mittels an. Denn nicht jedes setzt Coronaviren außer Gefecht. So müsse auf dem Etikett "begrenzt viruzid" vermerkt sein. Das bedeutet, dass das Mittel Viren, die von einer Hülle umgeben sind, wie es bei SARS-CoV-2 der Fall ist, inaktivieren kann.

Warum Händewaschen meist genügt

Grundsätzlich genügt aber gründliches Händewaschen mit Seife. Das liegt daran, dass sich in der Hülle, die das Virus umgibt, eine nicht unbeträchtliche Menge an Fett befindet. Und da Seife in der Lage ist, Fett zu lösen, kann sie auch die Virenhülle zerstören und so das Virus unschädlich machen. Wobei Flüssigseife der Stückseife vorzuziehen ist - aus dem einfachen Grund, dass Erstere nicht von Hand zu Hand wandert. Dasselbe Prinzip gilt im Übrigen auch für das Reinigen von Kontaktoberflächen wie Tisch oder Türklinken. Der Einsatz eines Haushaltsreinigers ist hier vollkommen ausreichend.

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Apropos Kontaktoberflächen: Um der Verbreitung der Viren entgegenzuwirken, sollte der Erkrankte, bevor er gemeinsam genutzte Gegenstände wie etwa den Kühlschrank oder das Küchenkasterl berührt, die Hände waschen. Zum Abtrocknen sollte er selbstverständlich ein eigenes Handtuch verwenden. "Ein Fetzerl, an dem sich alle die Hände abtrocknen, ist generell nicht so günstig. Nicht nur in Coronaviruszeiten", betont die Expertin. Getrost verzichten könne man dagegen auf antibakterielle Seife. Ebenso wie auf gewöhnliche Atemschutzmasken. "Die schützen vor vielem, aber sicher nicht vor Corona."

Darum bringen Atemmasken nichts

Das liegt daran, dass es sich bei den Coronaviren um winzig kleine Partikel handelt, die die in der Apotheke erhältlichen gängigen Atemschutzmasken problemlos durchdringen. "Je stärker sie durchfeuchtet sind - und das passiert beim Atmen binnen kürzester Zeit -, desto mehr Partikel lassen sie durch. Aber auch wenn sie trocken sind, sind die Masken nicht virendicht", erklärt Suchomel. So schützen sie zwar vor Bakterien, die wesentlich größer sind als Viren, wodurch sich auch die grundlegende Sinnhaftigkeit des Einsatzes derartiger Masken bei immungeschwächten Personen ergibt. Vor dem Coronavirus schützen sie aber nicht.

Miranda Suchomel
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Zur Person
Prof. Miranda Suchomel ist Hygienikerin und Mikrobiologin. Sie leitet die Abteilung für Medizinisch-technische Hygiene mit Schwerpunkt Desinfektion am Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien.