Mama wird es schon richten

Kinder sind unsere Zukunft. Nur jetzt gerade nicht. Da haben andere Priorität. Ganz unten auf der Prioritätenliste stehen übrigens Kindergartenkinder

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Leitartikel - Mama wird es schon richten © Bild: News/ Matt Observe

Der Finanzminister wusste schon Anfang März: "Das wird sich nicht ausgehen." Er hat schließlich jede Menge zu tun. Viele Termine, noch mehr Stress. Um diese "berufliche Herausforderung" zu meistern, ist die Betreuung eines Kindes eher suboptimal. Also erübrigt sich die Frage, ob er als frischgebackener Papa den Papamonat nutzt. Natürlich nicht. All die anderen, die derzeit zwar nicht im Papamonat sind, aber seit sechs Wochen Homeoffice und Homeschooling oder Kleinkindbetreuung gleichzeitig managen, können sich so eine schnoddrige Antwort gerade nicht leisten. Sie ist auch im Ausnahmezustand nicht vorgesehen. Stattdessen sollen wir die Doppelbelastung in Kauf nehmen - und die Klappe halten. Kinder haben ohnehin nichts zu melden. Sie haben sich bitteschön zu fügen. Eltern, die es richtig angehen, finden neben Kids und Homeoffice Zeit, Kuchen zu backen, Kästen auszumisten und Regale zu entstauben -so weit die erstaunlich weit verbreitete niedliche Vorstellung von Homeoffice. Jene, denen die Sache mit dem Fulltimejob und dem Nachwuchs über den Kopf wächst, die können ihr Kind ja tageweise in Schule oder Kindergarten abgeben. Schließlich hat uns der Bundeskanzler höchstpersönlich versichert, dass dies "keine Schande" ist. Es ist ja sowieso Licht am Ende des Tunnels in Sicht: Ab 15. Mai (vielleicht wird es auch erst der 18. Mai) fährt der Schulbetrieb wieder schrittweise in die "neue Normalität" hoch. Dafür gibt es jetzt nämlich endlich einen Plan. Kindergartenkinder brauchen übrigens keinen Plan. Für sie bleibt alles beim Alten. Eigenverantwortung sei jetzt wichtig, schließlich kann der Gesetzesgeber nicht alle Dinge im Detail klären. Wie, Kindergärten sind die erste Bildungsstätte im Leben der Kleinen? Ja, auch. In anderen Ländern. Bei uns werden sie noch immer als Aufbewahrungsstätten mit lieben Tanten gesehen, wo herzige Sachen zum Muttertag gebastelt werden. Für diese Erkenntnis haben wir freilich nicht zwingend die Corona-Krise gebraucht.

Wir machen uns in diesem Land derzeit viele Gedanken, führen absurde Diskussionen, schauen auf die herab, die ihr Leben mit Kindern nicht im Griff haben, zucken bei Themen wie eingeschränkte Bildungschancen mit den Schultern, teilen aus, wissen nicht alles, aber ziemlich viel besser. Die Großen dürfen wieder Fußball spielen; die Kleinen halt nicht. Und ja, auch soziale Kontakte sind nur für die anderen vorgesehen. Ende der Diskussion. Wer nichts zu melden hat, bekommt auch nichts. Also muss Homeoffice als Antwort für Kinderbetreuung reichen; ebenso peinliche Lernplattformen. Das war in der Übergangsphase okay. Und wie weiter? Wir sperren sicherheitshalber die Kinder bis irgendwann weg, aber die Baumärkte auf? Es geht um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es geht um den Stellenwert von Bildung. Und nicht darum, dass wir genervten Eltern es anstrengend finden, unsere Kinder zu bespielen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es einen normalen Schulalltag erst mit einer Impfung, also 2021, vielleicht 2022 gibt. Wir brauchen also nicht nur Laptops für alle, sondern ein neues Schulkonzept und kein in Halbsätzen verpacktes "Weiter so". Es braucht Perspektiven. Für die Kinder. Für die Eltern. Eine "neue Normalität" wird ohne neue Denkansätze nicht funktionieren. Bisher hat dazu immer der Mut gefehlt. Wir wissen, dass es besser geht.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte gulnerits.kathrin@news.at

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