Corona-Lockerungen: Großer Andrang in Baumärkten

Sichtlicher Bedarf bei Kunden, Einkäufe zu tätigen

Seite heute sind Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Kraft. Und auch wenn Gesundheitsminister Anschober gestern sagte, man solle nur einkaufen, wenn es dringend nötig sei, war der Andrang in Baumärkten durchaus groß. In anderen Geschäften hielt er sich jedoch in Grenzen.

von
THEMEN:
Baumarkt © Bild: APA/Fohringer

Die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise lesen Sie hier

Unterschiedlich, aber durchaus rege ist Dienstagfrüh der Zustrom zu Bau- und Gartenmärkten in St. Pölten gewesen. Weil diese Geschäfte im Zuge der Corona-Krise etwa vier Wochen geschlossen waren, schien bei den Kunden sichtlich Bedarf gegeben Einkäufe zu tätigen.

Parkplatz schon vor 8 Uhr gut gefüllt

Bei einem großen Bau- und Gartenmarkt in der Stifterstraße ist der Parkplatz schon vor 8.00 Uhr gut gefüllt gewesen, ergab ein Lokalaugenschein der APA. Geöffnet wurde um 7.40 Uhr. "Bitte hier anstellen", wies ein Schild den Weg. Es bildete sich eine kleine Schlange, dann ging es zügig ins Geschäftsinnere.

Baumarkt
© APA/Fohringer

Zutritt zu dem Baumarkt gab es nur beim Haupteingang. Darauf mussten Kunden das eine oder andere Mal hingewiesen werden. Der Zustrom sei im Laufe des Vormittags stärker geworden, sagte eine Mitarbeiterin zur APA. Die Zahl der Einkaufswagen war ihren Angaben zufolge mit 200 kontingentiert.

"Maximal ein Kind bis 14 Jahre"

Generelle Informationen an die Konsumenten glichen einander bei den verschiedenen Märkten. Das galt etwa für den Hinweis, dass pro Kunde ein Einkaufswagen zu entnehmen und umgekehrt pro Einkaufswagen nur ein Kunde erlaubt sei. "Und maximal ein Kind bis 14 Jahre", lautete ein Zusatz. "Zutritt nur mit Maske" und "Diese Einkaufswagerl haben wir für Sie desinfiziert!", wurde ebenfalls informiert. Zudem: "Warenverfügbarkeit ist gegeben, jedoch kann es zu Wartezeiten kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis!"

Kunden diszipliniert

Zu beobachten war, dass sich die Kunden am ersten Tag der Wiedereröffnung vor den Geschäften ausgesprochen diszipliniert verhielten. Der Abstand von einem Meter zu anderen wurde mithilfe der Einkaufswagen eingehalten.

Riesen-Andrang in Wien

Auch bei einigen Baumärkten in Wien gab es heute Vormittag entgegen der vorangegangenen Erwartungen der Branchenvertreter großen Kundenandrang. In den sozialen Medien kursierten einige Videos von langen Schlangen auf einem Parkplatz vor einer Wiener Hornbach-Filiale.

Die Gewerkschaft appellierte in einer Aussendung heute erneut an die Vernunft der Kunden, "nur dringende Einkäufe bereits in dieser Woche zu erledigen, so Barbara Teiber, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft GPA-djp. Denn die Kundenströme müssten sich über einen längeren Zeitraum verteilen können. "Kurz gefasst: Material zur Reparatur der Wasserleitung kann gerne heute gekauft werden, der neue Lampion für den Garten soll bitte bis nächste Woche warten," so Teiber.

Die Gewerkschaft wie auch der Handelsverband riefen darüber hinaus dazu auf, die Sicherheitsmaßnahmen wie Maskenpflicht und Einhaltung des Mindestabstandes weiter sorgfältig zu beachten. Die Arbeitgeber müssten überdies darauf achten, dass die Beschränkung von einem Kunden pro zwanzig Quadratmeter eingehalten werde, so die Gewerkschaft.

Regierung ersucht, Geschäfte nicht zu stürmen

Die Regierung hat angesichts des starken Andrangs ersucht, nicht gleich am ersten Tag die Geschäfte zu stürmen. "Die Baumärkte bleiben offen. Man muss nicht alles heute besorgen", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) bei der Regierungspressekonferenz am Dienstag.

"Haben mit Andrang gerechnet"

Ähnlich äußerte sich auch Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Der Andrang sei nicht überraschend, weil die Geschäfte lange geschlossen waren. "Dass es in den Baumärkten großen Andrang geben wird, damit haben wir gerechnet." Aber die Geschäfte haben wieder länger offen, man müsse nicht unbedingt am ersten Tag einkaufen gehen.

Er appellierte an die Bevölkerung mitzuhelfen, dass es nicht zu einer Überlastung kommt. Von Regierungsseite habe man entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So ist nur eine begrenzte Zahl an Menschen in den Geschäften erlaubt und es muss Mund- und Nasen-Schutz getragen werden. Zudem ist laut Nehammer speziell bei den Baumärkten die Polizei in Kooperation mit den Filialleitern verstärkt vor Ort, damit alle geordnet abläuft.

Andere Geschäfte wenig frequentiert

In Geschäften abseits der Baumärkte hielt sich die Shoppinglaune in Grenzen: Abgesehen davon, dass gerade in den beliebten Einkaufsstraßen sowieso viele Geschäfte weiter geschlossen bleiben mussten, weil sie größer als 400 Quadratmeter sind, wurden auch die wieder geöffneten Shops wenig frequentiert.

Einzelne kleinere Boutiquen waren aber bereits aus dem erzwungenen Spätwinterschlaf erwacht - wobei am Eingang neben der Bitte um Abstandhalten und Mundschutz oft auch die konkrete Anzahl der im Laden erlaubten Personen angegeben waren. Denn der Bund schreibt vor: Pro 20 Quadratmeter darf nur eine Kundin bzw. ein Kunde ins Geschäft. Die Gefahr, diese Höchstgrenze zu überstrapazieren, bestand in den meisten wieder geöffneten Stores aber sowieso nicht.

Das trifft auch auf das Luxussegment zu. Im "Goldenen Quartier" der Innenstadt, in dem sich normalerweise vorrangig betuchte Touristen tummeln, sah man an Tag 1 nach der Shoppingpause kaum Passanten. Die Rollbalken der meisten hochpreisigen Filialen - auch der kleineren - blieben dementsprechend unten. Ähnlich verhielt es sich am Graben oder der Kärntner Straße. Dort verzichteten zum Beispiel die deutlich unter 400 Quadratmeter messenden Souvenirshops mangels ausländischer Besucher gleich ganz auf die Öffnung.

Reiseführer-Geschäft ahnt: Nachfrage wird überschaubar sein

Sehr wohl wieder aufgesperrt hatte indes die auf Karten und Reiseführer spezialisierte Buchhandlung Freytag & Berndt in einer Seitengasse des Kohlmarkts. Betritt man das - bis auf drei Mitarbeiter - leere Geschäft, wird man quasi gleich automatisch zu den regionalen Landkarten gelotst: "Wenn Sie wandern wollen..." Das Personal ahnt: Die Nachfrage nach schön bebilderten Druckwerken, die auf mondäne Weltstädte oder Palmenstrände vor türkisem Meer Lust machen, wird derzeit überschaubar sein.

Andrang vor Nähladen

Die einzige Warteschlange, die am Dienstagvormittag bei einem APA-Streifzug durch einige Teile Wiens ins Auge fiel, fand sich übrigens vor einem kleinen Geschäft in der Hernalser Hauptstraße. Rund zehn Menschen, vorrangig weiblichen Geschlechts, warteten geduldig auf Einlass. Das begehrte Sortiment: Stoffe und Nähzubehör. Selbst produzierte Masken haben schließlich gerade Hochsaison.