Contador gewinnt Tour de France: Erster spanischer Sieger seit Miguel Indurain 1995

23 Sekunden vor Evans und 31 vor Leipheimer Italiener Bennati holt sich Schlussetappe nach Paris

Contador gewinnt Tour de France: Erster spanischer Sieger seit Miguel Indurain 1995

Alberto Contador hat sich als erster Spanier seit Miguel Indurains letztem Triumph 1995 zum Gesamtsieger der Tour de France gekürt. Der 24-Jährige hatte nach 20 Etappen der von Doping-Skandalen geprägten 94. Auflage 23 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Australier Cadel Evans und 31 auf seinen US-Teamkollegen Levi Leipheimer. So knapp waren die ersten Drei in Paris noch nie beisammen gelegen.

Die Schlussetappe von Marcoussis über 146 Kilometer auf die Pariser Champs Elyssees wurde eine Beute des Italieners Daniele Bennati vor dem Vorjahrssieger Thor Hushovd (NOR). Petzer Wrolich klassierte sich als 23. Bestplatzierter Österreicher in der Gesamtwertung war Debütant Bernhard Kohl als 31. (1:13:27 zurück). Der Gerolsteiner-Profi hatte in der zweiten Pyrenäen-Etappe den siebenten Platz belegt (Sieger war der später des Dopings überführte Alexander Winokurow), T-Mobile-Sprinter Bernhard Eisel war auf der 12. Etappe in Castres Sechster.

Doping-Verdacht
Contador fuhr als Sieger ins Ziel, während der Gewinner des Vorjahres wegen des laufenden Dopingverfahrens gegen Floyd Landis noch immer nicht feststeht. Auch auf dem Profi des Teams Discovery Channel (Mitbesitzer ist Lance Armstrong) lastete Verdacht, weil sein Name ursprünglich in den Unterlagen des spanischen Blutdopingskandals aufgeschienen war.

Er sei zur falschen Zeit im falschen Team (bei Liberty Seguros von Manolo Saiz) gewesen, erklärte Contador und beteuerte, nichts mit diesem Fall zu tun zu haben und völlig sauber zu sein. Allerdings wird spekuliert, dass sein Name deshalb von der Liste gestrichen worden sei, weil er sich den Ermittlern als Zeuge zur Verfügung gestellt hatte.

Contadors Teamchef Johan Bruyneel musste damit nur ein erfolgloses Jahr überstehen, um wieder auf den Tour-Gipfel zu gelangen. Von 1999 bis 2005 war der Belgier mitverantwortlich für Armstrongs Rekordserie gewesen. Heuer stellte der US-Rennstall in dem erst im Dezember 2007 verpflichteten Contador und Leipheimer (beste Tour-Platzierung) den Ersten und Dritten. Bruyneel weiß, wie es geht. "Contador ist der neue Lance Armstrong", sagte er.

Spaniens Presse feiert neuen Helden
Die spanische Presse feiert den neuen Helden ungeachtet der Probleme des Radsports überschwänglich. "Er hat eine einzigartige Gabe. Einige nennen es Klasse, andere Genialität", schwärmte Spaniens führende Tageszeitung "El Pais", nachdem der Jungstar auf dem Plateu de Beille in den Pyrenäen seinen ersten Tour-Etappensieg eingefahren hatte. "Er kommt aus einer anderen Welt", schrieb das Blatt über den Profi mit den "Feuerbeinen" weiter.

Contador reagiert etwas verlegen auf so viel Lob. "Ich fühle mich geehrt, so etwas zu hören. Aber ich bin der Nachfolger von niemandem. Ich bin einfach Alberto Contador."

Dass der neue Toursieger überhaupt noch im Radsport ist, hat er einem schweren Sturz bei der Asturien-Rundfahrt Anfang 2004 zu "verdanken". Die Ärzte stellten damals eine lebensgefährliche Gefäßerweiterung (Aneurysma) im Gehirn fest, eine Operation folgte. "Ich hatte Angst, nie wieder ein normales Leben führen zu können", sagte Contador, der einen geistig behinderten Bruder hat.

Der ideale Kletterer
Sechs Monate nach einem Eingriff saß er wieder auf dem Rad, 2005 fuhr er seine erste Tour de France. Mit 1,76 Metern und 61 Kilogramm gilt er als idealer Kletterer. In den Alpen und Pyrenäen zog er gemeinsam mit dem später von seinem Team suspendierten Michael Rasmussen eine bizarre Leistungs-Show ab, die viele Beobachter ungläubig den Kopf schütteln ließ.

Sein erstes eigenes Rad bekam das neue spanische Sport-Idol mit 15 zu Weihnachten. "Es war ein Mountainbike", erinnert er sich. Der Toursieger 2007 stammt aus Pinto, einem rund 40.000 Einwohner zählenden Arbeiter-Vorort südlich von Madrid. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, nun ist er in Pinto ein Volksheld.

(apa/red)