Comeback der Grauen Eminenz: Jetzt soll Krankl bei Rapid für den Aufschwung sorgen

Zellhofer rausgeschmissen: Wer wird Rapid-Coach? Weber, Pacult und Trainer Norwegens im Gespräch

Comeback der Grauen Eminenz: Jetzt soll Krankl bei Rapid für den Aufschwung sorgen

Sesselrücken bei Rapid: Der Rekordmeister hat sich wie erwartet von seinem Trainer Georg Zellhofer getrennt. Der Oberösterreicher wurde einen Tag nach der 0:1-Niederlage in Pasching mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt. Bis ein Nachfolger feststeht, wird Co-Trainer Roman Pivarnik das Training der Hütteldorfer leiten. Im Hintergrund wird bereits eifrig nach einem Nachfolger gesucht. Im Favoritenkreis der Kandidaten taucht dabei immer wieder der Name Hans Krankl auf.

Edlinger hat sich am Montag mit Ex-Teamchef Hans Krankl getroffen. "Wir haben 90 Minuten miteinander geredet. Das Gesprächsklima war sehr gut. Ich habe ihm gesagt, was ich denke und umgekehrt", erklärte Krankl, der sich zu einem weiteren Treffen nicht äußern wollte. "Das müssen sie den Präsidenten fragen."

Klub-Boss Edlinger hat nun auf Grund der Länderspiel-Pause fast zwei Wochen Zeit, einen neuen Trainer zu finden - wie lange die Suche dauert, sei aber noch nicht absehbar. "Wir werden uns bemühen, so rasch wie möglich eine adäquate Besetzung des Trainerpostens zu bewerkstelligen." Das Anforderungsprofil für den neuen Coach lautet, "so schnell wie möglich in der Tabelle nach oben zu kommen".

Rapid-Vergangenheit von Vorteil
Ob diese Aufgabe von einem Coach wie Zellhofer, der ohne allzu großen Rapid-Bezug nach Wien-Hütteldorf gekommen war, oder einem "grün-weißen Urgestein" in Angriff genommen wird, steht noch nicht fest. "Wir wollen den bestmöglichen Trainer. Wenn der eine Rapid-Vergangenheit hat, wäre es sicher nicht von Nachteil", meinte Edlinger, der die Suche nicht nur auf derzeit vereinslose Betreuer beschränken will.

Krankl, Weber, Pacult?
Ohne Vereinsbindung ist derzeit "Jahrhundert-Rapidler" und Ex-Teamchef Hans Krankl. "Ich werde sicher mit ihm sprechen, aber ich habe den Eindruck, dass er nicht Rapid-Trainer werden will", erklärte Edlinger.

Trotzdem besitzt Krankl gute Karten und zählt neben Heribert Weber, Peter Pacult und dem heftig kritisierten (Noch-)Trainer des norwegischen Nationalteams, Jan Age Hareide, zum engsten Favoritenkreis.

Krankl hat bereits positive Signale ausgesendet. "Ich werde mit Präsident Edlinger ein Gespräch führen, das sollte aber alles in der Rapid-Familie bleiben", erklärte er im Rahmen der "Premiere"-Sendung "Talk und Tore".

Entscheidet sich Krankl für Rapid, so dürfte er wohl eine Doppelfunktion im Stile eines britischen Teammanagers anstreben. Dabei würde er abseits des Feldes und an Spieltagen die Kontrolle innehaben.

Bei den Trainings soll ein untergebener Coach die Mannschaft betreuen. Hier wird nach Angaben des "Kuriers" Werner Gregoritsch als Krankls Co-Trainer gehandelt.

Schöttel als Sportdirektor bestätigt
Während Zellhofer seine Sachen packen muss, wurde der zuletzt ebenfalls unter Druck geratene Sportdirektor Peter Schöttel vorübergehend in seiner Funktion bestätigt. "Ich habe im Augenblick nicht die Absicht, sowohl die Position des Trainers als auch jene des Sportdirektors neu zu besetzen", betonte der Rapid-Präsident.

Eine Beschneidung seiner Befugnisse muss Schöttel allerdings hinnehmen. Zwar ist der Ex-Teamspieler wie schon bei der Bestellung von Zellhofer in die Trainersuche eingebunden, diesmal werde das Präsidium allerdings ein gewichtigeres Wort mitreden, versprach Edlinger.

Kein Glück in Wien
Zellhofer hatte im vergangenen Jänner die Nachfolge von Josef Hickersberger angetreten, vermochte aber nicht an die Erfolge seines zum ÖFB abgewanderten Vorgängers anzuschließen. Unter dem 46-Jährigen beendete Rapid die vergangene Saison nur auf Platz fünf und verpasste damit einen UI-Cup-Platz, dazu kamen bis zuletzt Unstimmigkeiten mit der Mannschaft.

Nachdem auch das heurige Spieljahr bisher nicht wunschgemäß verlaufen war (Platz 7 mit 7 Punkten aus 7 Spielen), zog Präsident Rudolf Edlinger die Notbremse. "Mir ist diese Entscheidung nicht leicht gefallen, weil ich Zellhofer für einen guten Trainer und redlichen Menschen halte. Aber im Fußball zählen eben die Resultate, und deswegen mussten wir uns von ihm trennen".

Zellhofer bereut nichts
Der entlassene Zellhofer, der vor seiner Rapid-Zeit Pasching von einem Landesligisten zu einem gestandenen Bundesliga-Klub formte, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, wurde aber in einer Rapid-Aussendung zitiert. "Es ist für jeden Trainer in Österreich eine riesen Ehre, Rapid trainieren zu dürfen, und ich wollte mich dieser Herausforderung stellen. Leider habe ich es nicht geschafft, mit der Mannschaft gemeinsam positive Leistungen zu bringen. Der Erfolg wollte sich einfach nicht einstellen. Ich bereue aber meine Zeit in Wien nicht."

"Rapid der schönste Verein Österreichs"
Zellhofer hat Verständnis für seine Ablöse gezeigt. "Rapid ist der schönste Verein in Österreich mit dem besten Umfeld und einem tollen Gesamtpaket, aber unter dem Strich hat einfach der Erfolg gefehlt", sagte der Oberösterreicher.

Vielleicht sei es der "falsche Zeitpunkt" für ein Rapid-Engagement gewesen, vermutete Zellhofer. "Ich hatte von Anfang an auch viel Pech. Spielerabgänge, Verletzungen, späte und entscheidende Gegentore - normalerweise heißt es, im Fußball kommt alles zurück, aber in den acht Monaten bei Rapid war das nicht der Fall." Über mangelnde Unterstützung durch die Spieler wollte sich der 46-Jährige nicht beklagen. "Ich unterstelle niemandem, dass er gegen mich gespielt hat."

Zellhofer, dessen Kontrakt bei den Hütteldorfern noch bis 2008 läuft, will sich nun eine Auszeit nehmen. "Ich möchte ein bisschen Abstand gewinnen, um das Ganze zu verarbeiten und mich weiterzubilden." Über eine Rückkehr in die Bundesliga macht sich der Trainer derzeit keine Gedanken. "Ich will mich da nicht festlegen und lasse die Dinge auf mich zukommen."

(apa/red)