Comeback mit 54 Jahren: Helen Schneider meldet sich jetzt im Pop-Business zurück!

Klassische Rock- & Pop-Songs auf 'Like a Woman'

Comeback mit 54 Jahren: Helen Schneider meldet sich jetzt im Pop-Business zurück!

Ob sie jemals wieder ihren großen Hit "Rock'n'Roll Gypsy" auf der Bühne singen wird, hat Helen Schneider noch nicht entschieden. Dem Angebot, über zwanzig Jahre nach dem Ende ihrer Rockstar-Karriere in die Popwelt zurückzukehren, konnte die Sängerin und Schauspielerin jedoch nicht widerstehen. Die Wahl-Berlinerin, die in den vergangenen Jahren in Musicals und mit als "schwierig" geltenden Liedern etwa von Kurt Weill auftrat, interpretiert auf ihrem neuen Album "Like A Woman" klassische Pop- und Rocksongs. "Ich hätte nicht erwartet, dass es mich so glücklich machen würde, diese Aufnahmen zu machen", sagt die 54-Jährige über ihr eher zufälliges Comeback.

Als die New Yorkerin im Jänner 2006 in Hamburg den "DIVA-Award" verliehen bekam und sich dafür mit dem Bob-Dylan-Klassiker "Just Like A Woman" bedankte, saß im begeisterten Publikum auch Michael Haentjes, Chef der Plattenfirma Edel Records. "Er sagte sofort, lass' uns Aufnahmen machen, und da konnte ich nicht Nein sagen", erzählte Schneider. Zwölf sehr unterschiedliche Songs hat die vielseitige Künstlerin schließlich in Südengland eingesungen.

Obwohl keiner aus ihrer Feder stamme, erzähle jeder viel von ihr: "Mir war wichtig, dass alle Lieder autobiografisch sind", erklärt sie das entscheidende Kriterium bei ihren "umfangreichen Forschungen" nach geeigneten Stücken. "Nach den vielen komplizierten Sachen, mit denen ich mich in den letzten Jahren beschäftigt habe, war es nun ein Vergnügen und eine Herausforderung, etwas ganz Simples zu machen", beschreibt Schneider den Wechsel der Disziplin: "Simpel, das bedeutet für mich: ganz tief, ehrlich und pur und ohne jeden Schnickschnack."

Neben einem weiteren Stück ihres Lieblingskomponisten Bob Dylan ("Born In Time") interpretiert die einstige Rock-Lady unter anderem Carole Kings "Natural Woman", "The House Where Nobody Lives" von Tom Waits und "Bang The Drum Slowly". Dieser Protestsong der Countrysängerin Emmylou Harris spricht der scharfen Kritikerin des US-Präsidenten George W. Bush aus dem Herzen. "Die amerikanische Politik ist arrogant, egoistisch und aggressiv, bei jeder Rückkehr in die USA bin ich noch enttäuschter", klagte sie. Sie setzt große Hoffnungen in Präsidentschaftskandidat Barack Obama: "Er ist meine Wahl. Er bringt neues Blut, er gehört niemandem, er ist ein Outsider, und er geht an die Sache von einem menschlichen Standpunkt aus heran."

Das Rock'n'Roll-Business hat Schneider als "letzte Bastion des Machotums" in Erinnerung. Weil sie sich Mitte der 80er Jahre "ausgebrannt" gefühlt habe, habe sie diese Karriere beendet. In New York studierte sie drei Jahre Schauspiel. Als ihr klar wurde, dass sie "ohne Musik nicht leben kann", war der Weg ins Musicalfach programmiert. Auch diese Karriere hatte ihre Höhepunkte in Deutschland. 1987 spielte sie an der Seite von Hildegard Knef in Berlin in "Cabaret".

Besonders erinnert sich Schneider an ihre Titelrolle in "Sunset Boulevard". Über 300 Mal stand sie in Niedernhausen bei Wiesbaden in der Rolle der gescheiterten Schauspielerin Norma Desmond auf der Bühne. "Das intensive Leben dieser Rolle hat meine Seele verletzt", gesteht sie heute: "Ich habe gelernt, was man nicht machen soll - nicht in der Vergangenheit leben, nicht über die Jugendzeit weinen." Dazu hat sie derzeit ohnehin keinen Anlass: "Diese Rückkehr hat viel mit der Zukunft zu tun."

Vor siebzehn Jahren zog Schneider aus New York nach New England und lebte dann in Südfrankreich. Seit fünf Monaten fühlt sie sich in Berlin zu Hause. Trotz ihres rastlosen Lebens bezweifelt sie, dass sie ihren Top-Ten-Hit von 1980, "Rock'n'Roll Gypsy" noch einmal live singen wird. Konzerte geben will sie auf jeden Fall wieder: "Auf der Bühne fühle ich mich wie ein Kind im Sandkasten. Nirgends sonst spüre ich so viel Freiheit und Freude."

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(apa/red)