Coca-Cola von

"Mythen gehören zum Geschäft“

Bianca Bourbon. Die Chefin von Coca-Cola Österreich über Zuckersteuern, Red Bull als Mitbewerber und das Gerücht über eine Änderung der streng geheimen Coke-Formel.

Coca-Cola - "Mythen gehören zum Geschäft“ © Bild: NEWS/Roman Zach-Kiesling

Coca-Cola ist in 206 Ländern der Welt tätig und beschäftigt über 700.000 Menschen. Allein in Österreich arbeiten über 1.000 Menschen für den bekanntesten US-Konzern. Das Unternehmen ist globaler Marktführer bei Softdrinks, will aber weiter wachsen. Bis 2020 soll der Umsatz verdoppelt werden. Bianca Bourbon, Operations Director von Coca-Cola Österreich, Schweiz und Ungarn, spricht mit NEWS über Wachstum in gesättigten europäischen Märkten, Mitbewerber Red Bull und Zuckersteuern, um klamme Staatskassen zu füllen.

NEWS: Sie wuchsen im damals kommunistischen Rumänien auf. Wann genossen Sie Ihr erstes Coca-Cola?
Bianca Bourbon: Mein erstes Coca-Cola trank ich mit 18. Noch heute kann ich mich an diesen Tag sehr gut erinnern. Damals bestand ich die Aufnahmeprüfung für die Universität in Bukarest. Meiner Mutter und mir war zum Feiern zumute, und wir kauften uns von einem Straßenhändler ein Coke. Ich hätte damals aber nie gedacht, dass ich einmal für Coca-Cola arbeiten werde.

NEWS: Ist Coca-Cola nicht der Inbegriff der "bösen“ Globalisierung und damit häufig Ziel von Angriffen?
Bourbon: Nein, denn wir sind zwar eine weltweite Marke, aber andererseits sind wir auch sehr regional. Zum Beispiel erfolgt die Produktion immer in den jeweiligen Regionen, und die Zentrale liefert nur das Konzentrat. Das schafft vor Ort Beschäftigung und auch eine Identität mit der Marke.

NEWS: Welche Marktposition nimmt Coca-Cola derzeit in Österreich ein?
Bourbon: Im alkoholfreien Getränkebereich sind wir mit einem Anteil von rund 20 Prozent Marktführer. Das bedeutet, dass nur jedes fünfte nicht alkoholische Getränk, das konsumiert wird, aus unserem Hause stammt. Es gibt also noch Platz für Wachstum. Aber in Europa braucht es dafür Innovationen. In China, Indien und Brasilien ist das anders, da reicht oft der Ausbau der Distribution.
Afrika nicht unterschätzen
NEWS: Sind diese drei großen Volkswirtschaften Ihre Märkte der Zukunft?
Bourbon: Besonders China und Indien sind sehr dynamische Märkte. Auch Afrika darf man nicht unterschätzen. Neben dem Bevölkerungswachstum steigt auch der Wohlstand in diesen Regionen. Die neue Mittelklasse dort will sich nun auch ab und zu ein Coke oder ein anderes Getränk aus unserem Hause gönnen. Bis 2020 wollen wir eine Umsatzverdopplung des Gesamtkonzerns erreichen. Das Potenzial ist enorm. Uns muss es nur gelingen, die Marktchancen zu nutzen.

NEWS: Wie wollen Sie in den gesättigten Märkten Europas weiter wachsen?
Bourbon: Eine Verdopplung des Umsatzes bis 2020 erscheint hier unrealistisch, aber wir werden ein gesundes Wachstum erzielen. Dabei ist Coke der Umsatzmotor, gleichzeitig bauen wir aber unser Produktportfolio weiter aus. Vor rund zehn Jahren hatten wir zum Beispiel noch kein Coke Zero, Burn oder Römerquelle Emotion im Portfolio.

NEWS: In Österreich haben Sie seit Jahren mit Red Bull einen ganz großen einheimischen Konkurrenten im Bereich Energy-Drinks. Ist hier überhaupt noch Platz für andere Drinks dieser Art?
Bourbon: Zuerst einmal: Coke ist der erste Energy-Drink überhaupt, dann kommt lange nichts, und dann kommt Red Bull. Aber es stimmt: In diesem Nischensegment haben wir zu lange Red Bull das Feld überlassen. Mit Burn haben wir aber eine gute Alternative geschaffen, mit der wir Red Bull außerhalb von Österreich schon in einigen Ländern überholt haben. Im Heimatmarkt von Red Bull ist das natürlich deutlich schwieriger. Interessanterweise ist im österreichischen Handel aber nicht mehr Red Bull Marktführer, sondern der Energy-Drink der Spar-Eigenmarke s Budget.

NEWS: Neben den Energy-Drinks setzen Sie momentan verstärkt auch auf den Wassermarkt. Steht man hier in Österreich nicht auf verlorenem Posten?
Bourbon: Bei Wasser vollzog sich in den vergangenen Jahren ein großer Wandel. Erst ging es nur darum, Mineralwasser zu verkaufen. Das ist in Österreich aber ein wettbewerbsintensiver Markt mit sehr verwöhnten Kunden. Mit Römerquelle Emotion, dem Mineralwasser mit Geschmack, konnten wir in diesem Segment die Marktführerschaft übernehmen. Die Wachstumsraten sind sehr erfreulich, und Wasser hat sich zu einem echten Zukunftsmarkt für uns entwickelt. Römerquelle Emotion erzielt schon jetzt mehr Umsatz als Fanta und Sprite zusammen.
Wir sind erst am Anfang
NEWS: Resultieren die Erfolge im Wassermarkt auch aus dem neuen Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten?
Bourbon: Ja, natürlich - das erklärt auch das Interesse und den Boom von Stevia. Wir haben ja seit kurzem mit Nestea Green Tea als erstes Unternehmen ein Steviagetränk auf den österreichischen Markt gebracht. Stevia ist süß und ohne Kalorien, hat aber einen eigenwilligen Geschmack. Um einen guten, harmonischen Geschmack zu erzielen, haben wir bei Nestea Green Tea zwar auf 30 % Zucker verzichtet, aber ihn nicht ganz durch Stevia ersetzt. Doch wir sind erst am Anfang und arbeiten an weiteren Innovationen in diesem Bereich.

NEWS: Die Zuckerdiskussion hat sogar Regierungen auf den Plan gerufen, hier neue Steuern auf Produkte mit einem hohen Zuckeranteil zu erheben. In Ungarn ist das bereits der Fall. Was halten Sie von solchen Zuckersteuern?
Bourbon: Diese Diskussion gibt es schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Steuerideen haben nicht die Gesundheit der Bürger im Auge, sondern Regierungen wollen sich hier neue Geldquellen erschließen. Natürlich ist Fettleibigkeit ein Problem in den Industrieländern. Aber hier einen Softdrink-Hersteller verantwortlich zu machen erscheint mir nicht fair. Denn ausschlaggebend ist der Lebensstil. Wer viel Fett isst, kalorienreiche Getränke in rauen Mengen in sich reinschüttet und keine Bewegung macht, wird dick werden. Ein wichtiges Faktum ist, dass in Europa zuckerhaltige Getränke nur vier Prozent der durchschnittlichen Kalorienaufnahme pro Person ausmachen. Der Konsument muss selbst für sein Handeln verantwortlich sein und nicht von Regierungen bevormundet werden. In Österreich ist eine solche Steuer zum Glück nicht zu erwarten.

NEWS: Seit ein paar Wochen geistert das Gerücht durch das Internet, dass der Farbstoff von Coke krebserregend sei und nun die Formel geändert werde. Stimmt das?
Bourbon: Coca-Cola war niemals gesundheitsgefährdend und wird es auch nie sein. Aufgrund einer Gesetzesänderung in Kalifornien wurde der Herstellungsprozess von Karamell, das als Farbstoff dient, geändert. Selbst wenn man 1.000 Dosen am Tag ein Leben lang trinken würde, wäre dies völlig unbedenklich. Es gibt also überhaupt keinen Grund, die geheime und erfolgreiche Formel zu ändern. Als wertvollste Marke der Welt gehören Mythen und Gerüchte zu unserem täglichen Geschäft.

Kommentare

Nicht bedenklich?? Dass Cola nicht gesund ist, dafür gibt es unzählige Beweise. Und dass es unbedenklich wäre, wenn man täglich 1000 Dosen am Tag eine Leben lang trinken würde, kann mir keiner erklären. Interessant wäre es, ob die Dame auch viel Cola trinkt oder vielleicht einmal bei einem Versuch mitmachen würde, bei dem sie täglich zwei Liter Cola zu sich nimmt. Klar dass Cola zu den wertvollsten Marken der Welt gehört, doch leider gibt es eine große Lobby die dahinter steht und diese Marken unterstützt, ebenso wie Nestle oder Danone. Denn wenn man Gewinn macht ist es egal dass viele dieser Produkte die Gesundheit der Menschen gefährdet.

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