Das Ortnerprinzip von

Verlieren wie eine Königin

Julia Ortner © Bild: News/Ian Ehm

Last Woman Standing, von der Frau könnte selbst Bruce Willis noch ein paar Lektionen in Haltung nach dem letzten hässlichen Kampf erhalten. Aufrecht, klar, würdevoll tritt Hillary Clinton am Tag nach ihrer Niederlage gegen den Republikaner vor die Welt und sagt: „Donald Trump wird unser Präsident sein. Wir müssen ihm aufgeschlossen gegenübertreten und ihm die Chance geben, zu regieren.“ Respect, Mrs. Clinton.
Trump wollte sie im Wahlkampf ins Gefängnis werfen lassen („Lock her up!“), Clinton bietet ihm jetzt ihre Zusammenarbeit zum Wohl des Landes an. Ihre Augen glänzen, aber die Stimme bricht nicht ein einziges Mal während der Abschiedsrede, bei der sie sich auch von ihrem Lebenstraum verabschiedet – ob sie dabei jetzt den Profi gibt oder ob sie weint, das ist schon egal. Clinton kann es so oder so niemandem recht machen. Vielleicht wirkt sie auch wie ein Replikant, aber viele könnten eine derartige Situation nicht so souverän bewältigen. Es mangelt ihnen an der inneren Größe.

Verlieren wie ein Amerikaner, das können wir in Europa nicht. An Hillary Clinton kommt in der Disziplin kaum wer heran, an Barack Obama aber auch nicht. Der noch amtierende Präsident muss das Amt nun an den alten Widersacher Trump übergeben und ihn für das Amt briefen, das ist so, als müsste Batman sein Gotham City an den Joker übergeben. Also undenkbar. Doch Obama sagt in seiner Rede nach dem Trump-Triumph: „Wir sind alle im selben Team. Wir sind in erster Linie nicht Republikaner und Demokraten›– sondern Amerikaner.“ Verlieren lernen von den Amerikanern, das hätten wir in Europa nötig. Ihr Umgang mit der Niederlage zeichnet das Bild einer bemerkenswert reifen Demokratie, die eben nicht nur aus reichen Leuten besteht, die sich von anderen reichen Leuten quasi ins Amt kaufen lassen; und das positive Gesicht eines Patriotismus, der einem sonst manchmal auf die Nerven geht.
Amerikanische Politiker würden sich nach einer verlorenen Schlacht, egal, wie unfair ihr Ausgang dem Verlierer erscheinen mag, nicht in eine Wahlanfechtung verbeißen. So etwas macht man dort nicht, das hätte wohl nicht einmal Trump durchgezogen. Hierzulande macht die FPÖ so etwas ohne Skrupel, und alle anderen sind total geschockt – obwohl die meisten im Wahlkampf die blauen Anfechtungsdrohungen nur verwitzelt haben: Hihihi, die mit ihrer Zaubertinte!
Man kann auch davon ausgehen, dass Obama nicht Leitungen aus den Wänden des Weißen Hauses reißen, Computer verschwinden oder Akten vernichten lässt, damit Trump nach der Amtsübergabe blöd da steht. So unelegant hat sich zum Beispiel die SPÖ im Jahr 2000 benommen, bei der Übergabe ihrer Ministerien an die FPÖ.

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