Clinton unterstützt nun Ex-Rivalen Obama:
"Die Demokratische Partei ist eine Familie"

Senatorin gratuliert Konkurrenten zu internem Sieg Spekulationen um politische Zukunft der Ex-First-Lady

Clinton unterstützt nun Ex-Rivalen Obama:
"Die Demokratische Partei ist eine Familie" © Bild: AP/Vucci

Hillary Clinton hat sich aus dem Rennen um das Weiße Haus zurückgezogen und ihrem bisherigen Konkurrenten Barack Obama ihre volle Unterstützung zugesichert. Nach einem monatelangen erbitterten Vorwahlkampf, der die US-Demokraten zu spalten drohte, rief die New Yorker Senatorin die Partei zur Einheit auf. Obama würdigte Clintons "tapferen und historischen" Wahlkampf. Sie habe Millionen mit ihrer Stärke und ihrem Mut inspiriert, sagte der demokratische Präsidentschaftskandidat.

Nach Clintons Eingeständnis ihrer Niederlage gegen Obama erreichten die Spekulationen über die Zukunft der ehemaligen First Lady einen neuen Höhepunkt. Im Mittelpunkt stand dabei am Wochenende weiter die Frage, ob Clinton als Vizepräsidentschaftskandidatin an der Seite Obamas gegen den Republikaner John McCain in die Schlacht um das Weiße Haus ziehen würde. Selbst äußerte sich die New Yorker Senatorin nicht zu ihren Absichten.

Ende eines 16-monatigen Wahlkampfs
Bei ihrem mit Spannung erwarteten Auftritt in Washington erklärte Clinton ihre Kampagne nach einem 16 Monate langen Kampf um die Kandidatur für beendet. Sie gratulierte Obama und sagte, sie werde alles tun, um den schwarzen Senator aus Illinois zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten zu machen.

Nach der zeitweise in eine Schlammschlacht ausgeuferten Auseinandersetzung bemühte sie sich sichtlich, die Demokratische Partei zu einen. "Das war ein harter Kampf. Aber die Demokratische Partei ist eine Familie." Es sei jetzt an der Zeit, wieder zusammenzurücken. "Als ich dieses Rennen begonnen habe, wollte ich das Weiße Haus zurückgewinnen und sicherstellen, dass wir einen Präsidenten haben, der das Land zurück auf den Pfad des Friedens, des Wohlstands und des Fortschritts bringt", sagte Clinton, die als haushohe Favoritin gestartet war.

Einzelne "Buh"-Rufe ihrer Unterstützer, die aufkamen, als sie Obamas Name erwähnte, konterte Clinton mit dem Appell, innerparteiliche Differenzen beizulegen. Gegen Ende ihrer Rede zitierte sie sogar Obamas Wahlspruch "Yes, we can", für den nun auch sie eintrete.

In US-Zeitungskommentaren erntete die leidenschaftliche Rede allgemein positive Kritiken. Im Obama-Lager herrschte Erleichterung. Der 46-Jährige stand bereits am Dienstag nach den letzten Vorwahlen als erster schwarzer Präsidentschaftskandidat in der Geschichte der USA fest. Doch Clinton weigerte sich zunächst, ihre Niederlage offiziell einzugestehen. Am Samstag dankte Obama Clinton für die nun offizielle Unterstützung. Er sei "begeistert und geehrt", ließ er mitteilen.

Clintons politische Zukunft noch unklar
Welche konkrete Rolle Clinton im weiteren Präsidentschaftswahlkampf spielen würde, blieb völlig unklar. Zahlreiche Experten bezweifelten, dass Obama sie als Vizepräsidentschaftskandidatin nominieren werde. Sie sahen die Gefahr, dass Clinton eine zu sehr dominierende Rolle anstreben könnte.

Andererseits stimmten im Vorwahlkampf fast 18 Millionen Menschen für sie. Besonders viel Unterstützung erfuhr sie von weiblichen Wählern, die gerne zum ersten Mal in der Geschichte der USA eine Frau an der Spitze des Staates gesehen hätten. "Auch wenn wir diesmal nicht in der Lage waren, diese höchste, härteste Glasdecke zu durchbrechen, hat sie dank Euch nun etwa 18 Millionen Risse", sagte Clinton am Samstag in ihrer Rede.

Die 60-Jährige beendete ihren Wahlkampf offiziell nicht völlig, sondern setzte ihn aus. Das gibt ihr rechtlich die Möglichkeit, bis zum Nominierungsparteitag der Demokraten im Spätsommer in Denver noch Spenden zu sammeln. Clinton hat während des Wahlkampfs Schulden in Millionenhöhe angehäuft. (apa/red)