Claudia Schmied im Porträt: Bankvorstand mit Kunstsinn wird jetzt Bildungsministerin

Kommunalkredit-Vorstand war Edlinger-Beraterin In der Kulturszene kein unbeschriebenes Blatt

Claudia Schmied im Porträt: Bankvorstand mit Kunstsinn wird jetzt Bildungsministerin

Mit Claudia Schmied präsentierte SP-Chef Alfred Gusenbauer eine Überraschungskandidatin als Unterrichtsministerin. Die 47-jährige Betriebswirtin ist bisher öffentlich kaum in Erscheinung getreten, hat aber eine beachtliche Bankenkarriere hinter sich. Seit 2004 ist die schon vom Elternhaus sozialdemokratisch geprägte Neo-Ministerin Vorstandsmitglied in der Kommunalkredit Austria AG und seit 2005 auch Vorstandsmitglied der Dexia Kommunalkredit Bank. In einem großen Porträt in der "Wiener Zeitung" wird ihr "gesundes Selbstbewusstsein" und "Mangel an Versagensängsten" attestiert. Überall, wo sie bisher Aufgaben in der Kulturszene übernommen hatte, zeigt man sich erfreut über ihre Bestellung.

Politik wurde Schmied schon in die Wiege gelegt: Sie wurde am 10. Mai 1959 in Wien geboren - an diesem Tag fanden Nationalratswahlen statt. Der Vater, ein engagierter Sozialdemokrat, war Bereichsleiter für Finanzen in der OMV, die Mutter Schneiderin. Schmied studierte Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, 1983, im Alter von 24 Jahren, trat sie einen Tag nach ihrer Promotion in die Investkredit Bank AG ein.

Es folgte ein stetiger Aufstieg auf der Karriereleiter in der Investkredit in verschiedenen Leitungsfunktionen, bis zum ersten Lockruf der Politik: 1997 wurde sie wirtschaftspolitische Beraterin im Finanzministerium unter Minister Rudolf Edlinger (S). 1999 kehrte sie als Abteilungsleiterin für Unternehmensfinanzierung in die Bank zurück und war dort für deren Internationalisierung und die Expansion nach Osteuropa verantwortlich. 2004 wurde sie schließlich in den Vorstand der Kommunalkredit Austria AG berufen, einer damaligen Hälfte-Tochter der Investkredit. Nach der Übernahme der Investkredit durch die Volksbanken AG wurde die Kommunalkredit zur Hälfte-Tochter der ÖVAG.

Die leidenschaftliche Reiterin unterrichtet auch an der WU Wien, wo sie Lektorin am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Klein- und Mittelbetriebe ist. Zudem ist sie Vorsitzende des Vereins für Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, einer Fachgruppe des Bundes Sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA). Beruflich folge sie, so Schmied in einem ihrer bisher raren Interviews, dem Prinzip "das Beste für die Öffentlichkeit und das Private". Letzteres wird für die neue Ministerin wohl in nächster Zeit zu kurz kommen.

Schmied ist auch in der Kunst- und Kulturszene kein gänzlich unbeschriebenes Blatt: Die Kunstliebhaberin war 1998/99 Vertreterin des Finanzministeriums im Kuratorium der Salzburger Festspiele, saß 1999 bis 2004 im Aufsichtsrat der Theaterservicegesellschaft "ART for ART". Von Jänner 2005 bis Juni 2006 war sie Vorstandsmitglied der Wiener Symphoniker.

Überall dort streut man der neuen Ministerin Rosen: "Schmied wird dafür sorgen, dass neben der Bildung die Kunst nicht zu kurz kommt", zeigt sich Salzburgs Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler überzeugt. Schmied verstehe etwas von den Verwaltungsstrukturen, sei eine hervorragende Bankerin und habe eine echte Leidenschaft für die Kunst. "Ich freue mich sehr darüber, denn ich kenne Schmied seit langem. Sie ist ideal für dieses Ministerium", so Rabl-Stadler. Schmied habe an sieben Sitzungen des Kuratoriums teilgenommen und sei auch nach ihrer Zeit im Kuratorium immer zu den Festspielen gekommen.

"Wir haben sehr eng mit ihr zusammengearbeitet", meint der Pressesprecher der Wiener Symphoniker, Christoph Kufner, "Sie ist jemand, der Wirtschaftsbegriffe unheimlich breit anlegen kann, der extrem lernfähig und begeisterungsfähig ist und sehr gut zuhören kann." Sie bringe ideale Voraussetzung mit. Und auch Josef Kirchberger, Geschäftsführer der Theaterservicegesellschaft "Art for Art", zeigt sich "ganz glücklich über die Entscheidung": "Sie ist inhaltlich kompetent, sie hat ein Feeling für Kunst und Kultur, und sie hat über den finanziellen Tellerrand hinaus immer politischen Weitblick bewiesen", so Kirchberger gegenüber der APA. (apa/red)