Claqueure und Aasgeier

Heinz Sichrovsky über Rolando Villazóns Krise PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Claqueure und Aasgeier © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Gegenstand des vor zwei Monaten in NEWS erschienenen Interviews war eigentlich eine CD mit Arien von Händel. Doch das Gespräch wendete sich bald zu großer Traurigkeit, ja Verzweiflung: Wie schwarze Vögel, sagte der Tenor Rolando Villazón, kreisten die Vernichtungswilligen über ihm. Villazón war damals seit 15 Monaten im Wiedereinsatz, nachdem er zuvor ein halbes Jahr hatte aussetzen müssen. Dass die Stimmkrise nicht ausgestanden war, hatte man schon am Abend der Wiederkehr gehört. Villazón aber, unter dem Beifall von Käse­blättern und hysterischen Groupies wei- ter durch die Verwertungsmaschine gewurstet, sang, als gäbe es kein Morgen. Wobei das Was (zum Beispiel der mörde­rische Don Carlos) dem Wie (einer effektvollen, aber ruinösen Technik) nicht nachstand. Die Kritiken waren schlimm und Fehler zur Volksbelustigung über YouTube abrufbar. Eine Kehlkopfoperation mit achtmonatigem Auftrittsverbot ist die nunmehr logische Konsequenz, die Totsagungen haben schon begonnen. Aber: Auch auf die Rückkehr der Sopranistin Natalie Dessay hätte niemand gewettet, damals, als sie zwei Jahre außer Betrieb war. Sie übte in dieser Zeit konsequenten und disziplinierten Stimmaufbau und ist heute besser als vorher. Disziplin und Konsequenz können auch den außer aller Norm begabten und daher entsprechend gefährdeten Villazón genesen lassen. Und die schwarzen Vögel schicken wir mitsamt den Claqueuren zum Teufel.