Christoph Bacher

Vom Wunsch, ein Seelöwe zu sein

Christoph Bacher bloggt um die Welt.

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Wenn es eine Wiedergeburt gibt, und diese Frage tangiert mich nicht zuletzt aus der mir überbordenden Lebenslust, und ich auch einmal als Tier zurück zur Erde muss, dann ist meine Wahl klar: Ich möchte ein Seelöwe sein. Und zwar auf den Galapagos Inseln.

Sie schnarchen, dass nicht einmal Ohropax nützt, sie wälzen sich im Strand, liegen in der Sonne und ab und zu tauchen sie ins Meer ein. Zur Nahrungsaufnahme und Abkühlung. Feinde? Ja, die gibt’s. Vereinzelt frisst ein Hai ein Jungtier, doch – hey – es trifft doch immer die anderen. Menschen dagegen sind gut zu ihnen. Sehr gut sogar.

Flossenklatschen und Schnabelschwingen
Das zeigt kein Platz besser als der Fischmarkt in der Inselhauptstadt Puorto Ayora. Wenn die Fischer frühmorgens hier mit ihrem Fang anlegen, warten die Zaungäste schon voller Ungeduld. Auf der einen Seite flossenklatschende Seelöwen, ihnen gegenüber schnabelschwingende Pelikane. Wird der Fang schließlich auf die Verkaufstische gelegt, geht die Bettelei los. Und das stellt man sich so vor (übersetzt ins Spanische): „Nein, Juan, heute bekommst du nichts.“ „Na lass mich wenigstens die Fische ordentlich auspacken.“ „Ok, da hast du, aber das ist der einzige heute.“

Das Selbstbewusstsein der Seelöwen
Juan, der geneigte Leser weiß es längst, ist ein Seelöwe. Kein domestizierter. Kein Zirkustier. Einfach ein Löwe mit Flossen, der zufällig hier irgendwo im Meer lebt. Und wenn er nicht gerade schläft, schnarcht und sich in der Sonne suhlt, wartet er am Fischmarkt auf Futter. Betteln hat im niemand beigebracht, das hat er sich als Autodidakt angeeignet. Den Namen gaben ihm die Menschen. Die ihn vielleicht nicht mögen, aber sicher so süß finden, dass er seinen Fisch abkriegt. Außerdem, und das nur der Vollständigkeit halber, sind Seelöwen auf Galapagos streng geschützt. Es scheint, als wüsste Juan das längst. So selbstbewusst fordert er seinen Anteil vom Fang.

Der Neid der Pelikane
Ach ja, und da sind noch die zuvor erwähnten Pelikane. Auch geschützt, ebenfalls Bettel-Autodidakten. Sie können zwar nicht brüllen, dafür klappern sie mit ihren Schnäbeln wie paarungswillige Störche. Und klar, die Menschen gaben ihnen weniger dominante Namen. Etwa Elmar, Adrian oder Hugo. Sie sind, nicht lebensbedrohend zwar, aber trotzdem Feinde der Seelöwen. Denn auch im Paradies regieren Missgunst und Neid.

Das wissen wir verwöhnten Menschen doch am besten.

Ihre Meinung: bacher.christoph@news.at