Chirac hält an Villepin fest: "Werde keine Regierung austauschen, die Vertrag erfüllt"

Präsident stellt dritte Kandidatur 2007 in Aussicht

Der französische Präsident Jacques Chirac hat sich hinter seine heftig umstrittene Regierung gestellt und eine eigene Kandidatur für eine dritte Amtszeit in Aussicht gestellt. Auf die Frage, ob er zur Präsidentenwahl 2007 antreten wolle, sagte er: "Das ist die Frage, die sich stellt." Er werde das "im Laufe des ersten Quartals" 2007 entscheiden und mitteilen.

Zu Forderungen aus dem eigenen Lager zur Entlassung seines Premierministers Dominique de Villepin sagte Chirac, er habe Villepin einen Regierungsauftrag gegeben und Villepin habe ihn ausgeführt. "Ich werde keine Regierung austauschen, die ihren Vertrag erfüllt hat." Er habe dem Premierminister vier Aufgaben gestellt: die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, die innere Sicherheit zu erhöhen, das Wachstum zu fördern und die Zukunft mit Reformen vorzubereiten. Die Regierungsmehrheit habe "mit ihrer Stimme immer die Regierung unterstützt" und wolle "den Weg fortsetzen". Er riet Villepin aber, "mehr Kontakt zu seiner Mehrheit" zu halten.

Die Rivalität Villepins mit Innenminister Nicolas Sarkozy wertete Chirac als positiv. "Es ist natürlich, ja wünschenswert, dass es diese Schocks der Persönlichkeiten gibt." Die Frage, ob Sarkozy vorzeitig aus der Regierung ausscheiden werde, um seine Präsidentschaftskandidatur vorzubereiten, interessiere ihn derzeit nicht. Der UMP-Kandidat werde im ersten Quartal 2007 aufgestellt.

Zu den Produktionsproblemen beim Airbus A380 für 555 Passagiere sagte Chirac, es gebe ein Problem der Führung beim Airbus-Mutterkonzern EADS mit seiner deutsch-französischen Doppelspitze. Die deutschen und französischen EADS-Großaktionäre berieten derzeit darüber. "Es ist wahrscheinlich, dass etwas passiert." Zu konkreten Vorhaben und personellen Konsequenzen wollte er sich nicht äußern.

Chirac begrüßte die anfangs kritisierte Fusion der beiden weltgrößten Stahlkonzerne Mittal Steel und Arcelor. Dank der Intervention der Regierungen habe sich das Projekt entwickelt, sagte er. Das feindliche Übernahmeangebot wurde zu einem freundlichen Angebot, also akzeptabel." (apa)