Chinas Regierung will SMS kontrollieren: Jährlich 304 Mrd. Kurzmitteilungen betroffen

Mobilfunkverträge künftig nur noch mit Anmeldung Chinesen informieren sich per SMS über Politik & Co.

Chinas Regierung will SMS kontrollieren: Jährlich 304 Mrd. Kurzmitteilungen betroffen © Bild: dpa/Dedert

Das Internet und E-Mails unterliegen in China bereits einer umfassenden Zensur. Weil die Chinesen nun zunehmend auf die Kommunikation per SMS ausweichen, wollen die Behörden nun auch den Versand von Kurzmitteilungen unter ihre Kontrolle bringen. Von dieser Regelung betroffen sollen alle 304 Milliarden von den Chinesen pro Jahr versendeten SMS sein.

Noch ist nicht im Detail klar, wie SMS in China künftig von den Behörden überwacht werden. Die zuständige Telekomleiterin Wang Xiujun des Informationsministeriums bestätigte jedoch, man bereite derzeit "Verwaltungsvorschriften für SMS-Dienste bei Mobiltelefonen" vor, berichtet die Netzeitung. Geplant ist, dass alle in China verschickten SMS kontrolliert werden sollen. Zudem sollen Mobilfunkverträge nur noch an Chinesen vergeben werden, die sich mit ihrer Adresse registrieren. Derzeit sind in China 390 Millionen Mobiltelefone angemeldet, 200 Millionen davon jedoch unter Sammelnamen oder Pseudonymen.

Grund für die neue Zensurmaßnahme ist offenbar, dass SMS in China sich inzwischen als "fünftes Medium" etabliert haben. Immer mehr Chinesen informieren sich über Mobiltelefone gegenseitig über Umweltunfälle, Sozialproteste oder andere Vorfälle. Politische Witze, religiöse Botschaften, Gerüchte und Pornografie würden zunehmend über SMS verschickt. Die chinesische Regierung sieht deshalb ihre Informationskontrolle bedroht, so die Netzeitung. (red)