Chinas Präsident Hu auf Besuch in Japan:
Erste Auslandsvisite seit Unruhen in Tibet

Erster Besuch eines Präsidenten seit zehn Jahren Belastende Kriegsvergangenheit im Hintergrund

Chinas Präsident Hu auf Besuch in Japan:
Erste Auslandsvisite seit Unruhen in Tibet © Bild: EPA

Beim ersten Besuch eines chinesischen Präsidenten in Japan seit zehn Jahren will Staats- und Parteichef Hu Jintao die Beziehungen mit Tokio vertiefen. "Die Entwicklung einer langfristig stabilen und guten nachbarschaftlichen Freundschaft zwischen China und Japan ist im fundamentalen Interesse beider Länder", so Hu. Mit dem innenpolitisch im Umfragetief steckenden japanischen Regierungschef Yasuo Fukuda will Hu das "Vertrauen fördern" und die Kooperation vorwärts bringen. Er hoffe, dass beide Seiten während seines fünftägigen Besuchs "die Zukunft planen" und den Weg öffnen für eine "neue Stufe" in der "strategischen, gegenseitig dienlichen Beziehung" der Länder.

Das bilaterale Verhältnis zwischen China und Japan war jahrelang unter dem früheren japanischen Premier Junichiro Koizumi wegen dessen Umgang mit der Kriegsvergangenheit Japan als Besatzungsmacht in Asien schwer belastet. Seither aber haben sich die Beziehungen wieder deutlich erholt. Ein Debakel wie beim Japan-Besuch von Hus Vorgänger Jiang Zemin vor zehn Jahren, als dieser vergeblich von Tokio eine schriftliche Entschuldigung für die zur Zeit der japanischen Invasion in China ab 1931 begangenen Untaten gefordert hatte, wollen Hu und der China-freundliche Premier Fukuda vermeiden.

Das Thema Kriegsvergangenheit soll daher bei dem Besuch Hus in den Hintergrund treten. Auch im Territorialdisput um reiche Öl- und Gasvorkommen im Ostchinesischen Meer wird kein Durchbruch erwartet. Streitthema sind zudem kürzliche Fälle von mit Pestiziden verseuchten Teigtaschen aus China, an denen zehn Menschen in Japan erkrankten. Unterdessen demonstrierten zum Auftakt von Hus Besuch Anhänger einer pro-tibetischen Organisation in Tokio für ein Ende der "chinesischen Unterdrückung der Tibeter" und eine friedliche Lösung des Konflikts.

Starke Sicherheitsvorkehrungen
Hus Besuch, der nach seinen eigenen Worten einen "warmen Frühling" zwischen Japan und China bewirken soll, erfolgt unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Laut Medien bemühten sich beide Seiten noch bis kurz vor dem Treffen von Hu und Fukuda darum, dass die Politiker eine gemeinsame Erklärung zu Prinzipien ihrer bilateralen Beziehungen abgeben können. Auch eine Klimaschutz-Erklärung wird erwartet, in der China Unterstützung für das Ziel Japans einer Halbierung der globalen Treibhausgase bis 2050 zum Ausdruck bringen könnte.

Als einer der größten Verursacher von CO2-Emissionen ist China nicht an das internationale Kyoto-Klimaschutzprotokoll gebunden. Japan möchte als Gastgeber des Gipfels der sieben führenden Industrienationen (USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Japan) und Russlands (G-8) im Juli, bei dem der Klimaschutz im Mittelpunkt stehen wird, die großen CO2-Verursacher in ein Folgeabkommen zum 2012 auslaufenden Kyoto-Klimaprotokoll einbinden.

(apa/red)