China-Besuch von

Größter Staatsbesuch
in Geschichte Österreichs

Handelsdelegierter in Peking betont Wichtigkeit politischer Delegationen

China-Besuch - Größter Staatsbesuch
in Geschichte Österreichs © Bild: APA/BARBARA GINDL

Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz und vier weitere Regierungsmitglieder: Das Aufgebot, das am Samstag zum "größten Staatsbesuch in der Geschichte Österreichs" nach Peking aufbricht, ist beachtlich.

"So viele auf einmal haben wir noch nie gehabt", lachte auch dem Handelsdelegierten Martin Glatz das Herz. In China seien politische Besuche wichtig.

»So viele auf einmal haben wir noch nie gehabt«

"In China läuft nichts, ohne dass der Staat seine Hand im Spiel hätte", meinte der Vertreter der Österreichischen Wirtschaftskammer (WKÖ) im Vorfeld des bilateralen Besuchs, an dem neben Van der Bellen und Kurz (ÖVP) auch Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ), Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) dabei sein werden. Chancen ortet er etwa in Nischenbereichen wie der Wintersportindustrie.

Auch bei Auslandsgeschäften redet der Staat mit

Dass dabei nach Treffen mit der chinesischen Staatsspitze in Peking auch der Besuch des Boao-Wirtschaftsforums in Heinan auf dem Programm steht, passt da gut ins Bild, immerhin sind auch rund 170 Unternehmer mit von der Partie. Denn auch bei Auslandsgeschäften redet der Staat mit. "Er steuert Investitionen, verbietet sie auch, wenn sie nicht ganz in seine Vorstellungen hineinpassen. Da hat es auch schon Devisenbeschränkungen gegeben für Investitionen im Ausland. Daher sei der österreichische Besuch auch "sehr sehr wichtig", weil damit auch Verträge und Geschäfte gepusht werden könnten. "Man verleiht dem mehr Öffentlichkeit und gibt dann auch den Rückhalt, den man hier braucht, seitens des Staates."

Auch der frühere Bundespräsident Heinz Fischer sei zweimal auf Staatsbesuch in China gewesen, erinnert sich Glatz. "Das letzte Mal vor drei Jahren." Auch Fischer habe damals das Boao-Forum besucht. Präsident Xi Jinping habe Van der Bellen eingeladen, beim Forum eine Rede zuhalten. "Das zeigt, dass China dem Besuch großen Wert beimisst und interessiert ist, die Beziehungen mit Österreich zu stärken." China sei ja auch ein wichtiger Handelspartner geworden. "Unser fünftwichtigster, was ja toll ist, wenn man auch die EU-Mitgliedsstaaten dazu nimmt."

Plus bei Österreichs Exporten nach China

Daher habe es im Vorjahr auch ein Plus von elf Prozent bei Österreichs Exporten nach China gegeben. "Es läuft eigentlich recht gut. Die Investitionen in beide Richtungen nehmen zu, auch die Investitionen chinesischer Firmen in Österreich." Der neueste Trend, der sich bemerkbar mache, seien Akquisitionen chinesischer Firmen. "Die Chinesen kaufen sich ein, vor allem in technologielastige Unternehmen", so der Wirtschaftsdelegierte, der als Beispiel den Flugzeughersteller Diamond Aircraft nannte. Dieser war 2017 von der Wanfeng Aviation Industry Corporation geschluckt worden.

»Es läuft eigentlich recht gut. Die Investitionen in beide Richtungen nehmen zu«

Österreich sei "traditionell stark im Bereich Maschinen", meinte Glatz. "Anspruchsvollere Technologie ist wahnsinnig wichtig. Der Trend geht auch in China in Richtung mehr Wertschöpfung. Es gibt auch eine industriepolitische Initiative, die heißt 'Made in China 2025'. China möchte in zehn Sektoren Innovationsführerschaft erreichen. Da ergeben sich auch Chance für Kooperationen mit chinesischen Unternehmen."

Wachstumsrate von 6,9 Prozent

Entscheidend sei in den vergangenen Monaten auch gewesen, "dass in China sehr viel investiert worden ist." Es sei letztlich eine Wachstumsrate von 6,9 Prozent erreicht worden, also mehr als ursprünglich geplant. "Diese zusätzlichen Investitionen in den industriellen Infrastrukturbereich haben wahrscheinlich auch den österreichischen Formen geholfen." Einen besonderen Aufschwung erleben in China derzeit in "technologieaffinen Sektoren" und den "Konsumgüterbereich", analysierte der WKÖ-Vetreter in Peking.

»Die Leute haben mehr Geld, haben auch mehr Zeit, es auszugeben«

"Die Leute haben mehr Geld, haben auch mehr Zeit, es auszugeben." Daher boome "alles, was mit Lifestyle, Freizeit zu tun hat." Die Konsequenz: "Wintersport ist eine Nische für uns, weil wir da ziemlich unangefochten sind. Das ist eine vergleichsweise kleine Nische, aber man kann über diese Aktivitäten für das Image Österreichs einiges machen". Zumal Peking ja im Jahr 2022 die Olympischen Winterspiele austragen wird. Das werde für einen neuen Schub sorgen, vermutete Glatz. "Skifahren, vor allem der alpine Bereich, ist in China fast unbekannt gewesen. Es hat nur einige wenige Skigebiete gegeben. Aber es entstehen neue Skigebiete im Norden von Peking, dort werden die alpinen Bewerbe stattfinden, aber auch in anderen Landesteilen". Präsident Li Xiping habe gemeint, 300 Millionen Chinesen sollten im Wintersport aktiv werden. "Da sind jetzt nicht nur Skifahrer, da gehören auch Eisläufer dazu. Aber der Wintersport soll eben zum Breitensport werden."

Skiurlaub für Durchschnittsbürger leistbar?

Freilich stelle sich die Frage, ob sich der Durchschnittsbürger in China einen Skiurlaub überhaupt leisten könne. "Momentan ist es sehr teuer. Die Liftkarten kosten viel, die Ausrüstung kostet sehr viel. Aber schon ein kleiner Prozentsatz würde schon für einen ordentlichen Markt sorgen", erinnerte der Handelsdelegierte daran, dass in China in größeren Dimensionen gedacht werden müsse. Jene österreichischen Firmen, die sich in China bereits in dieser Branche engagieren würden, seien jedenfalls "sehr zufrieden".

"Das betrifft den Doppelmayr mit seinen Liften, die Firma Wintersteiger mit ihren Tuninggeräten, bis hin zu Firmen, die Ski anbieten, die Kleidung anbieten." Zudem sei auch österreichisches Know-how bei der Planung von Skigebieten gefragt. "Jedenfalls wird bis 2022 kräftig investiert werden. "Nachdem auch hier der politische Wille da ist, den Wintersport zum Breitensport zu machen, wird das auch anhalten. Denn Xi Jinping scheint viel daran gelegen zu sein, und nachdem er jetzt Präsident auf Lebenszeit ist, ist auch die Erwartung, dass die Schwerpunkte auch über 2022 bestehen bleiben."

China war 2017 wichtigster Handelspartner Österreichs in Asien

2017 übertraf das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einem Zuwachs von 6,9 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode die Erwartungen. Für das Jahr 2018 strebt die chinesische Regierung nach WKÖ-Angaben ein Wachstum von bis zu 6,5 Prozent an. Das werde "als ausreichend betrachtet, um das Pro-Kopf-BIP bis 2020 gegenüber dem Stand von 2010 zu verdoppeln." Mit einem bilateralen Handelsvolumen von rund 12,19 Milliarden Euro war China 2017 mit Abstand der wichtigste Handelspartner Österreichs in Asien. Weltweit nimmt China den fünften Rang ein, hinter Deutschland, Italien, der Schweiz und den USA. Das Defizit in der Handelsbilanz mit China belief sich auf 4,79 Milliarden Euro. Bis Ende 2017 stiegen die Importe um 6,6 Prozent auf einen Gesamtwert von rund 8,49 Milliarden Euro. Damit kamen 5,7 Prozent der österreichischen Importe aus dem Reich der Mitte, bilanzierte die Wirtschaftskammer in ihrem Jahresbericht.

Kommentare