China schießt sich auf den Dalai Lama ein: Führung zeigt sich in Tibetfrage standhaft

Regierung will den geforderten Dialog nicht führen Dalai Lama möchte vor allem kulturelle Autonomie

China schießt sich auf den Dalai Lama ein: Führung zeigt sich in Tibetfrage standhaft © Bild: Reuters/Gray

Die chinesische Führung hat zu Beginn des olympischen Fackellaufs in Peking die Attacken gegen den Dalai Lama intensiviert und das tibetische Exiloberhaupt neuerlich für die jüngsten Unruhen in Tibet und den benachbarten chinesischen Provinzen verantwortlich gemacht. "Der selbst erklärte geistliche Führer hat offensichtlich seine Identität vergessen, seine Religion missbraucht und zu viel politisiert", schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Regierung warf dem im indischen Exil lebenden Dalai Lama vor, Drahtzieher der jüngsten antichinesischen Proteste zu sein.

Die chinesische Führung hat zu Beginn des olympischen Fackellaufs in Peking ihre Attacken gegen den Dalai Lama intensiviert und das tibetische Exil-Oberhaupt neuerlich für die Unruhen in Tibet und den benachbarten Provinzen verantwortlich gemacht. Während weltweit ein globaler Aktionstag für Tibet begangen wurde, ließ Peking angebliche Beweise dafür veröffentlichen, dass der Friedensnobelpreisträger die Unruhen von langer Hand geplant hätte. Die staatliche Presse zitierte das Geständnis eines nicht näher genannten Verdächtigen. Dieser sei von der Sicherheitsabteilung der tibetischen Exilregierung im nordindischen Dharamsala zum Verteilen von aufrührerischen Flugblättern an Mönche und andere Tibeter aufgefordert worden. Auf einem Treffen der "Dalai-Clique" am 14. März sei beschlossen worden, alle Klöster mit mehr als 100 Mönchen zu mobilisieren

China trotzt internationalem Druck
"Der selbst erklärte geistliche Führer hat offensichtlich seine Identität vergessen, seine Religion missbraucht und zu viel politisiert", schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die scharfe Kritik am 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, deutete nach Einschätzung von Beobachtern auf die Entschlossenheit der Regierung in Peking hin, den lauter werdenden Forderungen aus dem Ausland nach einem Dialog mit dem Exiloberhaupt zu trotzen. Unter anderen hatte US-Präsident George W. Bush China aufgefordert, im Gespräch mit dem Dalai Lama eine Lösung zu suchen. Die Regierung in Peking erklärte, dies sei nur möglich, wenn der Dalai Lama von Unabhängigkeitsforderungen für Tibet Abstand nehme. Der Dalai Lama hatte bereits mehrfach betont, ihm gehe es nicht um eine Loslösung von China, sondern um kulturelle Autonomie. Am Montag warf Peking dem Dalai Lama erneut vor, die Souveränität Tibets anzustreben. Mitarbeiter des Dalai Lama wiesen dies zurück und forderten China auf, internationale Ermittler nach Tibet zu lassen.

Der Dalai Lama hatte am Samstag die Siedlungspolitik Chinas in Tibet als "demografische Aggression" und eine Art von "kulturellem Völkermord" bezeichnet. Zu den Protesten gegen die chinesische Herrschaft kam es rund um den 49. Jahrestag des blutig niedergeschlagenen Aufstands gegen die chinesische Herrschaft am 10. März 1959. Chinas kommunistische "Volksbefreiungsarmee" war bereits 1950 in Tibet einmarschiert. Im März 1959 waren der Dalai Lama und die tibetische Regierung mit mehr als 100.000 Landsleuten nach Indien geflohen.

Weltweit gingen zahlreiche Menschen für die Anliegen der Tibeter auf die Straße. Bei anti-chinesischen Protesten in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu hat die Polizei wieder mehr als 100 Exil-Tibeter festgenommen. In Nepal finden täglich Demonstrationen gegen das harte Vorgehen der chinesischen Behörden in Tibet statt. In der indonesischen Hauptstadt Jakarta demonstrierten vor der chinesischen Botschaft rund 200 Menschen, darunter zahlreiche buddhistische Mönche.

(apa/red)