'China kochte Babys, um Felder zu düngen':
Berlusconi erneut mit unfassbarer Aussage

Im Wahlkampf wieder Attacken gegen Opposition PLUS: Berlusconi-Clip zeigt Premier beim Nasebohren

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist für skurrile, bisweilen peinliche Äußerungen weithin bekannt. Für Aufregung sorgte er zuletzt mit der - historisch nicht haltbaren - Behauptung, die chinesischen Kommunisten hätten Babys zu Dünger für ihre Felder verkocht. Die Äußerung wurden von zahlreichen italienischen Tageszeitungen auf ihren Titelseiten aufgegriffen.

"Man hat mir oft vorgeworfen, ich würde behaupten, dass die Kommunisten Babys essen. Los, geht und lest das Schwarzbuch des Kommunismus und Ihr werdet entdecken, dass sie in Maos China Babys nicht gegessen, sondern gekocht haben, um ihre Felder zu düngen", erklärte der Regierungschef laut Nachrichtenagentur ANSA bei einer Wahlveranstaltung. Beobachter verwiesen darauf, dass die von Historikern als falsch zurückgewiesene Behauptung gegen die italienischen Kommunisten gerichtet war. Zugleich habe Berlusconi damit das Ziel verfolgt, das Medieninteresse auf sich zu ziehen - ähnlich wie mit seiner Erklärung kürzlich, bis zur Wahl auf Sex verzichten zu wollen.

Berlusconi ist auch dafür bekannt, sich mit großen historischen Persönlichkeiten zu vergleichen, etwa mit Jesus Christus ("Ich bin der Jesus Christus der Politik. Ich bin ein geduldiges Opfer, ich ertrage jeden, ich opfere mich für jeden.") oder Napoleon Bonaparte ("Nur Napoleon hat mehr getan als ich, aber ich bin auf jeden Fall größer als er."). Im Zusammenhang mit seiner "China-Attacke" verglich sich der ehrgeizige Ministerpräsident und Medienzar nun mit dem britischen Premier Winston Churchill, der am 13. Mai 1940 seine Landsleute um Opfer ("Blood, Toil, Tears and Sweat") bat, um die Invasion der Nazis abzuwehren. Berlusconi am Sonntag zu Journalisten: Oppositionschef Romano Prodi "ist immer automatisch nominiert worden, während ich immer mit Tränen, Blut und Schweiß für alles bezahlen musste, was ich unternommen habe".

Die Wahlen finden am 9. und 10. April statt. Zur Zeit liegt Berlusconi mit seiner Mitte-Rechts-Regierung deutlich hinter dem Mitte-Links-Bündnis von Romano Prodi. Politische Beobachter werten seine verbalen "Ausrutscher" als Zeichen großer Nervosität.
(apa)