Chen Guangcheng von

Darf Dissident doch ausreisen?

Nach Hilferuf: Chinesische Behörden stellen ihm eine Ausreise in Aussicht

Chen Guangcheng - Darf Dissident doch ausreisen? © Bild: Jordan Pouille/AFP/GettyImages

Die chinesische Regierung hat dem blinden Bürgerrechtler Chen Guangcheng nun doch eine mögliche Ausreise zum Studium in Aussicht gestellt. Das Außenministerium in Peking teilte am Freitag mit, der 40-Jährige könne "in Übereinstimmung mit den Gesetzen bei den zuständigen Behörden einen Antrag stellen".

Unterdessen hat Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao am Freitag in Peking die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton empfangen. Dabei soll auch Chen, der ja mittlerweile eine veritable diplomatische Krise zwischen den zwei Ländern hervorgerufen hat, ein Thema gewesen sein. Einzelheiten des Gesprächs im Rahmen des laufenden strategischen und wirtschaftlichen Dialogs zwischen beiden Ländern wurden aber nicht bekannt.

Chen bittet telefonisch um Hilfe
Der blinde Dissident hatte zuvor bei einer US-Kongressanhörung seinen Wunsch bekräftigt, in die USA reisen zu wollen. Der 40-Jährige wurde aus einem Krankenhaus in Peking telefonisch in die Sitzung im Washingtoner Kapitol einbezogen. Er wolle Clinton in Peking treffen, sagte Chen Guangcheng dabei. "Ich hoffe, von ihr mehr Hilfe zu bekommen. Ich möchte ihr zudem persönlich danken." In einer separaten Erklärung, die er über Freunde verbreiten ließ, betonte Chen Guangcheng, nicht Asyl beantragen, sondern in den USA studieren zu wollen.

Angriff auf US-Botschafter Locke
Unterdessen hat eine der offiziellen chinesischen Zeitungen Chen beschuldigt, als "Werkzeug" für Versuche der USA zu dienen, die Macht der Kommunistischen Partei zu untergraben. Den US-Botschafter in China, Gary Locke, nannte das Pekinger Parteiblatt einen "rucksacktragenden, Starbucks-schlürfenden Störenfried". Es handelte sich um den bisher schärfsten Kommentar in der amtlichen Presse der Volksrepublik zu den Vorgängen um den blinden Dissidenten.

Die "Pekinger Tageszeitung" beschuldigte die US-Botschaft, Zwischenfälle hervorzubeschwören, die das Ansehen der chinesischen Regierung beschmutzen und soziale Spannungen erzeugen sollten. Dass die US-Botschaft Chen Zuflucht gewährt habe, sei das jüngste und unerhörteste Beispiel dafür.