"Chemie-Ali" bleibt weiterhin in den USA: Auslieferung an den Irak wird verweigert

Verfahrenfragen zum Todesurteil noch nicht geklärt "Rechter Hand" von Sadam Hussein droht Erhängung

Die USA wollen den im Irak zum Tod verurteilten Ali Hassan al-Majid, Cousin und "rechte Hand" des ehemaligen Machthabers Saddam Hussein und als "Chemie-Ali" bekannt, vorerst nicht den irakischen Behörden übergeben. Die USA und die irakische Regierung hätten weiterhin unterschiedliche Ansichten bezüglich "rechtlicher Verfahrensweisen bei der Vollstreckung der Todesurteile des irakischen Hohen Strafgerichtshofs", erklärte eine Sprecherin der US-Botschaft in Bagdad. Bis zu einer Klärung blieben Majid und die beiden gemeinsam mit ihm zum Tode verurteilten Iraker unter der Aufsicht der US-Truppen.

Die Hinrichtung des 66-Jährigen war Anfang Oktober verschoben worden. Majid sowie zwei Mitangeklagte waren bereits im Juni wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Sie waren neben Diktator Saddam Hussein für den Völkermord an mehr als 180.000 Kurden verantwortlich. Brutaler Höhepunkt war die Bombardierung der 70.000 Einwohner zählenden kurdischen Stadt Halabja im März 1988 mit Giftgas. Bei dem Angriff kamen mehrere tausend Menschen ums Leben. "Chemie-Ali" hatte aus seiner Beteiligung an den Massakern nie einen Hehl gemacht und während des Prozesses keine Reue gezeigt.

"Chemie Ali" droht Tod durch den Strang
Die größte Fraktion der Sunniten im irakischen Parlament, die sogenannte Konsensfront, forderte die Freilassung des ebenfalls zum Tod verurteilten früheren Verteidigungsministers Sultan Hashim Ahmed. Dieser hatte sich nach der Invasion 2003 den US-Truppen gestellt. Das Sondertribunal hatte ihn zusammen mit "Chemie-Ali" und einem ehemaligen Militärkommandanten wegen Völkermordes an den Kurden zum Tod durch den Strang verurteilt. Der irakische Staatspräsident Jalal Talabani, selbst Kurde, und der sunnitische Vizepräsident Tarek al-Hashemi sind gegen Ahmeds Hinrichtung. (APA/red)