Chef der Notenbank geht nach 13 Jahren:
Klaus Liebscher nimmt Abschied von OeNB

Banker: "Ich war eher immer ein Verschlossener" Er war erster Gouverneur und Ratsmitglied der EZB

Chef der Notenbank geht nach 13 Jahren:
Klaus Liebscher nimmt Abschied von OeNB © Bild: APA/Pfarrhofer

Wenn Klaus Liebscher mit Anfang September in den wohlverdientem Ruhestand tritt, verlässt einer der professionellsten und erfahrendsten Notenbanker die höchste österreichische und europäische finanzwirtschaftliche Bühne. 40 Jahre lang war Liebscher im Bankbereich tätig, 13 Jahre davon an der Spitze der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), zehn Jahre davon als ihr erster Gouverneur und Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB).

Als EZB-Ratsmitglied sei er gegenüber den Medien eher immer ein "Verschlossener" gewesen, sagte Liebscher am Rande seiner Abschiedspressekonferenz zu Journalisten, gleichzeitig sei er immer ein diszipliniertes EZB-Mitglied gewesen.

Fasziniert von seiner Aufgabe
In der Vergangenheit hat Liebscher die Aufgabe in der OeNB wiederholt als "faszinierend" beschrieben und deswegen sogar auf den Wechsel nach Frankfurt in das Präsidium der EZB verzichtet. Er gilt als "großer Österreicher und überzeugter Europäer".

In einem seiner zahlreichen Abschiedsinterviews bezeichnete Liebscher die "Karibik"-Geschäfte und die daraus folgenden Milliarden-Verluste der ehemaligen Gewerkschaftsbank BAWAG als das "brisanteste und dramatischste" Ereignis seiner Zeit an der Spitze der Nationalbank. Nur die Vorbereitung der Euro-Umstellung mit ihren Auswirkungen auf alle Österreicher und die gesamte Wirtschaft sei ähnlich aufregend gewesen.

Liebscher: Ereignisreiche Jahre
"Es waren ereignisreiche, arbeitsreiche und erfolgreiche Jahre. Jahre, die von einer Fülle von Veränderungen geprägt waren, wie sie wohl einmalig im Leben eines Menschen sind", so Liebscher heute im Rückblick auf 13 Jahre Verantwortung für die österreichische und europäische Währungspolitik. An wichtigen Ereignissen erwähnt Liebscher unter anderem die EU-Mitgliedschaft, die Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion, die Umstellung und Einführung des Euro und die Erweiterung der EU im Jahr 2004, die ihn auch emotional berührt habe, da der Kontinent noch stärker zusammengewachsen sei. Aber auch große Krisen habe es gegeben: 1997 die Asienkrise, 1998 die Russlandkrise, 2001 die Terroranschläge in den USA und zuletzt 2007 und 2008 die Finanzkrise mit in der Folge starken Preisanstiegen.

Nachfolger mit Rat zur Seite stehen
Liebscher war bereits der dritte Notenbank-Chef, der aus der Raiffeisen-Geldgruppe an die Spitze der OeNB gekommen ist. Seinem Nachfolger, Ex-BAWAG-Chef und SPÖ-Wirtschaftsdenker Ewald Nowotny, will Liebscher gerne mit einem Rat zur Verfügung stehen - wenn das gewünscht wird. Aber jeder müsse den Weg gehen, den er glaubt, gehen zu müssen. "Ich bin den meinen gegangen", so Liebscher.

Liebscher wurde am 12. Juli 1939 in Wien geboren. Seine Schuljahre absolvierte er in Zell am See und Salzburg. Nach dem Jus-Studium in Wien begann er 1968 seine Bankerkarriere in der damaligen Genossenschaftlichen Zentralbank, der heutigen Raiffeisen Zentralbank. Daneben war er ein wichtiger Wirtschaftsberater der ÖVP. Nach 28 Jahren bei Raiffeisen, davon lange Jahre als Generaldirektor des Sektor-Spitzeninstituts, wechselte er 1995 als Präsident in die Nationalbank, die ihm zur "zweiten beruflichen Heimat" wurde. Seit 1. September 1998 war er der erste Gouverneur der OeNB. Mit dem Amt verbunden ist auch die Ratsmitgliedschaft in der EZB in Frankfurt.

(apa/red)