Chavez warnt USA vor hohen Öl-Preisen:
Barrel könne 200-Dollar-Marke erreichen

Bei einem Angriff auf den Iran oder auch Venezuela OPEC-Mitglieder mit schwachem Dollar unzufrieden

Chavez warnt USA vor hohen Öl-Preisen:
Barrel könne 200-Dollar-Marke erreichen

Mit einer Warnung an die USA hat der venezolanische Präsident Hugo Chavez den dritten Gipfel der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) eröffnet. "Wenn die USA so verrückt wären, den Iran anzugreifen oder erneut Venezuela zu attackieren, könnte der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl nicht 100, sondern 200 Dollar erreichen", sagte Chavez, der als Gastgeber des OPEC-Gipfels in Caracas im Jahr 2000 das Treffen in Riad eröffnen durfte.

Der saudiarabische König Abdullah warnte anschließend, Öl dürfe nicht zum Konfliktinstrument gemacht werden. Eine Entscheidung über eine mögliche Erhöhung der Förderquoten wegen der gestiegenen Ölpreise wurde von dem Gipfel nicht erwartet.

Schwarzes Gold heiß umkämpft
Öl sei "die Quelle aller Aggressionen" in der Welt, sagte der venezolanische Präsident und fügte hinzu, Erdöl sei der "unterschwellige Grund" für den Krieg im Irak und die Drohungen gegen den Iran. Die OPEC solle sich zu einem "aktiven geopolitischen Agenten" entwickeln, forderte der Präsident. Dem widersprach König Abdullah. Die OPEC habe zwei Hauptziele: Sie solle die Mitgliedsländer und die Weltwirtschaft schützen und "unerwarteten Störungen des Ölpreises" entgegenwirken. Chavez ist in der OPEC derzeit isoliert. In Venezuela praktiziert er eine Art "Öl-Sozialismus": Teile der Öl-Einnahmen fließen in soziale Projekte.

Unter den Teilnehmern des Gipfels ist auch der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Auf dem dritten Gipfel seit der Gründung der OPEC im Jahr 1960 sind neben Saudi-Arabien, dem Iran und Venezuela weitere neun Mitgliedsländer vertreten: Algerien, Angola, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indonesien, der Irak, Kuwait, Libyen, Nigeria und Katar. Ecuadors Präsident Rafael Correa wollte in Riad den Wiedereintritt seines Landes in die OPEC als 13. Mitglied besiegeln. Ecuador hatte die OPEC 1992 verlassen. Das Land produziert etwa eine halbe Million Barrel täglich.

Kein Ausbau der Förderung
Eine Steigerung der Ölförderung wegen der derzeit erhöhten Preise wird laut OPEC voraussichtlich nicht beschlossen, da der Preisanstieg vor allem auf Kursspekulationen zurückzuführen sei. Darüber wird möglicherweise auf einer Ministerkonferenz Anfang Dezember in Abu Dhabi entschieden.

Kritik am schwächelnden US-Dollar
Meinungsverschiedenheiten hatte es im Vorfeld des Gipfels über die Auswirkungen der Dollarschwäche auf die Einnahmen der OPEC-Mitglieder gegeben. Der Iran und Venezuela hatten sich dafür ausgesprochen, in der Abschlusserklärung des Gipfels auf das Problem einzugehen. Der OPEC-Generalsekretär Abdullah al-Badri wies die Forderung jedoch zurück. Da der Ölpreis auf dem Weltmarkt in der US-Währung abgerechnet wird, verringern sich die Einnahmen der Öl-Exporteure bei einem niedrigen Dollarkurs. Der Iran beschloss bereits, seine Öl-Exporte nicht mehr in Dollar, sondern in anderen Devisen wie dem Euro abzurechnen. (apa/red)