Chavez will seinen Sozialismus forcieren:
Plant radikalere gesellschaftliche Reformen

Will private Kliniken und Schulen verstaatlichen Opposition ortet "ideologische Indoktrination"

Chavez will seinen Sozialismus forcieren:
Plant radikalere gesellschaftliche Reformen

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat seine Anhänger dazu aufgerufen, die vor acht Jahren begonnene sozialistische Revolution in seinem Land zu "radikalisieren". Zugleich drohte er nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur EFE, die privaten Gesundheitszentren und Schulen zu schließen, sollten sie sich seinem "bolivarianischen Modell" wiedersetzen.

In seiner wöchentlichen Radio- und Fernsehsendung "Aló, Presidente" kündigte Chávez zugleich eine Verstärkung der Kontrolle des Währungsumtausches an. Ein großer Teil der Devisenkäufe diene nur dazu, die Launen einiger Reicher zu finanzieren, meinte er.

Der linkspopulistische Politiker bekräftigte seine Drohungen, er werde die Privatkliniken nationalisieren, sollten diese nicht ihre Kapazitäten erweitern und die "exorbitanten" Preise für ihre Leistungen senken.

Die Vereinigung der Privatkliniken hatte dem Parlament Preisvorschläge vorgelegt, die von den Chavez-treuen Abgeordneten als unbefriedigend bezeichnet wurden, da sie um 25 bis 30 Prozent über den Erwartungen der Regierung lägen.

Seitens der Privatkliniken wurde die Reaktion des Parlaments als "erstaunlich" bezeichnet. Die Vorschläge basierten auf Berechnungen von Kostenstrukturen und seien nicht nur nach Augenmaß erstellt worden.

Gefängnisdrohung für Schuldirektoren
Weiters drohte Chavez jenen Schuldirektoren mit Gefängnis, die nicht das neue "bolivarianische Erziehungsmodell" anwenden. Jene Schule und Universitäten, die dies verweigerten, würden nationalisiert.

Das von Chavez propagierte Modell sieht eine "kostenfreie, öffentliche, obligatorische und hochqualitative Erziehung" vor. Das "Konsum-Modell" soll abgeschafft und dadurch Venezuela zu einer "Weltmacht" werden.

Vertreter der Opposition, Lehrer- und Familienverbände sowie die katholische Kirche sehen im bolivarianischen Erziehungsmodell den Versuch, Kinder und Jugendliche ideologisch zu indoktrinieren.

"Streben nach Reichtum ins Klo"
Chávez rief zudem seine Anhänger auf, den "Sozialismus zu radikalisieren" und das "Streben nach Reichtum ins Klo" zu werfen. Stattdessen sollte das "humanistische und solidarische Modell" gefördert werden, das er seit seiner Amtsübernahme im Februar 1999 propagiere.

Der "revolutionäre Sozialismus" werde die Errichtung von 15 neuen Spitälern in den kommenden vier Jahren um umgerechnet 818 Millionen Euro ermöglichen. Diese Investitionen in das Gesundheitssystem seien Teil der "revolutionären Wirtschaftspolitik" die im Gegensatz zum "kapitalistischen Wirtschaftspolitik" stehe.

(apa/red)